Kinoplakat: Das Ding aus einer anderen Welt
Ein Ausflug in den Splatter
Carpenter lässt Köpfe platzen
Titel Das Ding aus einer anderen Welt
(The Thing)
Drehbuch Bill Lancaster
nach der Story „Who goes there?” von John W. Campbell Jr.
Regie John Carpenter, USA 1982
Darsteller Kurt Russell, Wilford Brimley, T.K. Carter, David Clennon, Keith David, Richard Dysart, Charles Hallahan, Peter Maloney, Richard Masur, Donald Moffat, Joel Polis, Thomas G. Waites, Norbert Weisser, Larry J. Franco u.a.
Genre Horror
Filmlänge 109 Minuten
Deutschlandstart
22. Oktober 1982
Website theofficialjohncarpenter.com/feature-films/
Inhalt

Die Antarktis, Winter, eine us-amerikanische Forschungsstation: Ein Hubschrauber nähert sich aus der Ferne. Die Stationsmitglieder halten neugierig ihre Ferngläser vors Gesicht und sehen … einen Hund, der durch den Schnee auf ihre Station zuläuft. Ein Mann im Hubschrauber schießt auf den Hund, trifft aber nicht. Die Wissenschaftler retten den Hund. Der Hubschrauber landet. An Bord zwei Kollegen aus der norwegischen Station, 50 Kilometer weit weg. Sie gebärden sich wie wahnsinnig, wollen den Hund unbedingt töten. Vor lauter Hysterie sprengt einer der Norweger aus Versehen sich selbst mit dem Hubschrauber in die Luft. In der weiteren Auseinandersetzung wird der zweite Norweger in Notwehr erschossen.

Keiner versteht, was eigentlich los ist. Also macht sich eine kleine Gruppe auf, die norwegische Station zu inspizieren. Sie ist zerstört. Nur der Funker sitzt noch vor seinem Gerät. Er hat sich die Kehle durchgeschnitten. Draußen im Schnee entdecken die Männer einen verbrannten Leichnam, der die Form eines deformierten Menschen hat. Sie wollen die Leiche untersuchen und bringen sie in ihre Station. Ein Arzt stellt fest, dass die Organe der Leiche ganz normale, menschliche Organe sind und somit liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei dem Leichnam um einen Menschen handelt. Aber es findet sich keine Erklärung für die Deformationen.

Die Erklärung dafür lässt nicht lange auf sich warten: Der zugelaufene Hund gebärdet sich plötzlich wie verrückt – jault, bellt, wälzt sich auf dem Boden. Und platzt auf. Heraus wächst ein blutiges … Ding, das sehr angriffslustig ist. Der Hund war offenbar Wirtstier einer außerirdischen Lebensform, die in amöben- oder krebsgeschwürartigen Metamorphosen die Gestalt des infizierten Wirtes annimmt und sich auch teilen kann.

Auf mitgebrachten Videoaufnahmen entdecken die Wissenschaftler, dass die norwegischen Forscher ein Raumschiff freigelegt hatten, das seit über 100.000 Jahren im Eis verborgen war; mit dem Raumschiff wurde das Alien freigelegt. Für den Leiter der Basis und seine Männer bricht in der klaustrophobischen Enge der Station der blanke Terror aus. Niemand kann mehr sagen, wer schon durch das Alien infiziert ist – wer schon ein Alien ist. Lässt man dem Ding nämlich etwas Zeit, verwandelt es sich komplett – Zelle für Zelle – in sein Wirtstier. Immerhin: Feuer mag es nicht. Ein Bluttest soll Klärung bringen, wer möglicherweise infiziert ist. Der, dessen Blutprobe auf Hitze … irgendwie reagiert, ist ein Alien. Der Test bringt etwas Klärung. Und fordert mehrere Tote.

Eine Flucht ist längst ausgeschlossen – die Geräte wurden sabotiert. Statt eines Wissenschaftler übernimmt schließlich der Hubschrauberpilot R.J. MacReady die Führung der Gruppe. Aber so recht was reißen kann auch er nicht mehr. Die Besatzung wird weiter dezimiert. MacReady und die Überlebenden werden die Station nicht mehr verlassen können, aber sie können … sie müssen das Ding daran hindern, die zivilisierte Welt – in der perfekten Maske eines Wissenschaftlers – zu erreichen …

Was zu sagen wäre

Ein Klassiker des Horror-Genres. Aber ein Film, der John Carpenter schon jenseits des Höhepunktes seiner Karriere zeigt. Carpenter hatte Mitte der 1970er Jahre, dem Beginn seiner Kinokarriere, einen Klassiker an den anderen gereiht: Zuerst die Weltraum-Satire Dark Star (1974), die zum Liebling der Kritiker und Filmfestivalbesucher wurde. Mit Assault – Anschlag bei Nacht (1976) definierte er die Grundstruktur des Gang-Thrillers („Sie haben nichts zu verlieren“). Es folgten Halloween - Die Nacht des Grauens (1978), der das Genre des Teenie-Horrormovies begründete, dem ebenso zahllose Fortsetzungen wie Epiogonen („Freitag, der 13.“ etc.) folgten und Ehrfurcht forderndes Vorbild war für die Scream-Reihe in den 1990er Jahren. Nach The Fog (1980) hatten die Kinobosse in Hollywood Vertrauen in die Arbeit des Außenseiters gefasst und ihm ein Big Budget bewilligt, um Escape from New York – Die Klapperschlange zu drehen.

Kinoplakat (US): The ThingNach dem Groß-Erfolg der erste Flop

Die Klapperschlange wurde Carpenters kommerziell größter Erfolg. Also bekam er noch mehr Geld und drehte eine Neuverfilmung seines behaupteten Lieblingsfilmes „The Thing“ von Howard Hawks, seinem Vorbild als Regisseur, dem er in Halloween seine Reverenz erwiesen hatte. Als Hauptdarsteller brachte er seine Klapperschlange, Kurt Russel, mit, was die Marketingstrategen zu dem irreführenden Spruch verleitete: „Er war die Klapperschlange. Jetzt jagt er Das Ding!“

„Das Ding aus einer anderen Welt“ floppte – 19,6 Millionen US-Dollar BoxOffice holte den Film nur knapp aus der Verlustzone; zu wenig in den Augen der Studiobosse. Für den Flop gab es drei Gründe. Zum ersten natürlich die hohe Altersfreigabe „ab 18“ (s.u.) – sowas macht die Neugier groß, hält die Zuschauerzahl aber klein. Der zweite Grund ist offensichtlich: Die Splatter-Elemente (Maskeneffekte: Rob Bottin) waren fünf Jahre nach Star Wars (1977) und drei Jahre nach Alien – Das unheimliche Wesen aus einer anderen Welt (1979) schon ziemlich gestrig – obwohl Carpenter auch hier einen Magic Moment der Filmgeschichte erschuf: Wilford Brimley, vom Alien verseucht, platzt auf und läuft als Matsch-Kopf mit Spinnenbeinen durch die Station.

Die Zuschauer waren bei Außerirdischen mehr auf E.T. gepolt

Der andere Grund für das Scheitern des Films war die denkbar ungeschickte Platzierung des Films im Juni 1982 – kurz nach dem Kinostart von Steven Spielbergs E. T. – Der Außerirdische. Seitdem hatten die Kinozuschauer ein sehr einseitig-festgezurrtes Bild eines Alien, das die Erde besucht; und es war kein matschiges Bild.

Bei allem Matsch, der da Grusel erzeugend durch die Kulisse glitscht bleibt doch die Szene mit dem höchsten Susense jene, in der die Überlebenden – misstrauisch gegeneinander geworden – zum Bluttest antreten und sich in den Daumen schneiden müssen; schon das tut weh bei hingucken. In das Blut hält dann ein anderer eine heiße Büroklammer – und dann geht es gegebenfalls sehr schnell. Diese Szene ist großartiges Thriller-Kino. Es lohnt, deren Aufbau zu studieren.

Auch hier wieder: Musik von Carpenter – und Morricone

Carpenter waren das schlechte Box Office und die schlechten Kritiken egal. Er verteidigte sein Werk, wann immer er das nötig fand: „Das ist mein Lieblingsfilm, da habe ich Horror gezeigt.“ Nicht ganz zufrieden war er mit der Musik von Ennio Morricone („Spiel mir das Lied vom Tod“ – 1968) und komponierte selbst noch einige Stücke hinzu. Was nicht so schlecht war: Seine Scores zu Halloween und Die Klapperschlange sind – ebenfalls – Klassiker.

Das Beste am vorliegenden Film ist die Eingangssequenz: Die Weite der Antarktis. Schnee. Blauer Himmel. Der Hund. Der Hubschrauber. Die dumpf-rythmische Musik – hier Carpenter, nicht Morricone – dann die ersten Schüsse. Eine großartige Sequenz. Dagegen stinkt der ganze Splatter in der Folge völlig ab.

Wertung: 7 von 10 D-Mark