Kinoplakat: Das Bourne Ultimatum
Ein sehr gelungener Höhepunkt
Titel Das Bourne Ultimatum
(The Bourne Ultimatum)
Drehbuch Tony Gilroy + Scott Z. Burns + George Nolfi
nach dem Roman „Das Borowski Ultimatum” von Robert Ludlum
Regie Paul Greengrass, USA, Deutschland 2007
Darsteller Matt Damon, Julia Stiles, David Strathairn, Scott Glenn, Paddy Considine, Edgar Ramirez, Albert Finney, Joan Allen, Tom Gallop, Corey Johnson, Daniel Brühl, Joey Ansah, Colin Stinton, Dan Fredenburgh, Lucy Liemann, Bryan Reents, Arkie Reece, John Roberson, Russ Huard u.a.
Genre Action
Filmlänge 115 Minuten
Deutschlandstart
6. September 2007
Inhalt

Jason Bourne kommt nach Hause. Das heißt: Er ist auf dem Weg dorthin. In London trifft er sich mit dem Reporter Simon Ross, der im „Guardian” Stories über ihn schreibt. Bourne hofft, von Ross etwas über sich, über Treadstone, über das Programm zu erfahren. Sie treffen sich an der Waterloo Station in London. Ein sehr belebter Platz. Der Ex-Agent und der Reporter können einige Infos austauschen, aber dann wird Ross erschossen. Die CIA hatte Ross beschattet. Und beseitigen lassen.

Bourne weiß jetzt, dass Treadstone nicht beendet, sondern lediglich durch Operation Blackbriar ersetzt wurde, die quasi genauso agiert und als Treadstone-Update firmiert. Dieses Wissen führt ihn nach Madrid und dort wieder mit Nicky Parsons zusammen, die nach Berlin dort stationiert wurde. Sie offebart ihm, dass beide – Nicky und Jason – einst ein Paar waren, hilft ihm aus der Stadt und leitet ihn nach Tanger.

Nach dorthin unterwegs ist auch ein Blackbriar-Killer. Deputy Director Noah Vosen nämlich, der Operational Chief des illegalen Blackbriar Programms, sieht sich gezwungen, jeden Mitwisser zu eliminieren. Auf dem Basar von Tangar kommt es zu einer Jagd, in deren Gefolge mehrere Akteure sterben.

Bourne entkommt und reist  nach New York. Erinnerungsfetzen quälen ihn, leiten ihn aber auch. Er ahnt, wo er hin muss, wen er dafür ausschalten muss und an wen er sich innerhalb der CIA einigermaßen vertrauensvoll wenden kann. An Pamela Landy …

Was zu sagen wäre

Was für ein rauschendes Finale. Die Handlung setzt an die Ereignisse von Die Bourne Verschwörung an. Sie beginnt in den sechs Wochen zwischen den Ereignissen in Moskau und der Schlussszene mit dem Telefonat zwischen Jason Bourne und Pamela Landy in New York, wo sie ihm preisgibt, dass er in Wirklichkeit David Webb sei.

Kinoplakat (US): The Bourne Ultimatum

Hektisch, aber sehr schön durchkomponiert

In seiner Hektik, seiner Unruhe ein wahrhaft schön durchkomponierter Film. Die Story spannend, die Unsicherheit allgegenwärtig, die Schauplätze ragen aus dem Einerlei vergleichbarer Kost heraus und die Actionszenen sind up to date. Hier passen auch die so schrill gesetzten Schnitte. John Powells Soundtrack ist, wie schon in den beiden Vorgängern, superb und gibt der rasenden Bilderflut die benötigte Ruhe.

Es gibt zwei Leuchttürme in dem an Höhepunkten reichen Film: Die Szenen in der Londoner Waterloo Station und die im Basar von Tangar setzen einen Standard in Sachen Spannungsaufbau, Action und Fieber, an die ansatzweise erst Operation: Kingdom (2007) anknüpfen konnte. Cool. Smart. Adrenalin. Professionell. Abgeklärt. Man merkt, dass die Crew schon die filmische Höllenfahrt des Vorgängers gemeinsam durchgestanden – und viel dabei gelernt – hat.

Die Geheimdienstbosse sind etwas einsilbig

Ein Tropfen Wasser in den Wein? Okay, der CIA-Boss und sein Laufhund Noah Vosen (wunderbar: David Strathairn) sind etwas einsilbig bös-tumb. Beiden Figuren hätte etwas Charme nicht schlecht getan, um ihren diabolischen Charakter hervorzuheben. Andererseits sind Figuren wie der Boss der CIA oder die Leiter der mannigfachen Unterabteilungen des Auslandsgeheimdienstes sowie all die ultrageheimen Secret Service Plattformen für das westlich liberale Kino verbrannt. In diesen Rollen zwingend sind kantige mittelalte Männer mit grauen Schläfen, gerne einer Brille mit glänzend geputztem Glas, in gestärkten weißen Hemden und unbarmherzig in ihrem stets einer geheimen Macht-an-sich-reiß-Situation gehorchenden Hang, Mitarbeiter töten zu lassen. Da ist es dann auch mal schön, gestandene Charakterschauspieler, die im hochtourigen Hollywood-Big-Business sonst immer aus der zweiten Reihe Akzente setzen müssen, hier mal den edlen Maßanzug überzuziehen und knarzige Kommandos durch dunkle Räume rufen zu lassen, die mit High-Tech-Monitoren vollgestellt sind, mit emsigen Geheimdienst-Drohnen davor, die ihren „Ja, Sir! Sofort, Sir!“-Dienst erledigen. David Strathairn ist der eine, Scott Glenn der andere, als CIA-Boss persönlich. Grauhaarig. Knarzig. Null Grad Körpertemperatur.

Aber das fällt mir auch erst ein, wenn ich länger drüber nachdenke. Zwei Frauenfiguren in gehobener Rolle tragen das Fundmant: Joan Allen („Wie ein einziger Tag“ – 2004; Rufmord – Jenseits der Moral – 2000; Pleasantville – 1998; Im Körper des Feindes – Face/Off – 1997; Nixon – 1995) gibt ihre Pam Landy wie schon im Vorgänger integer, vertrauenswürdig und klug. Julia Stiles („Der Prinz & ich“ – 2004; Mona Lisas Lächeln – 2003; „O – Vertrauen, Verführung, Verrat“ – 2001; Den Einen oder keinen – 2000; 10 Dinge, die ich an Dir hasse – 1999; „Vertrauter Feind“ – 1997) als frühere Freundin gibt der Bourne-Figur mehr Tiefe und ihrer Rolle eine pausbäckige Biederkeit, an deren Loyalität niemand zweifeln mag.

Der Film wurde u. a. in New York, Berlin, London, Madrid, Tanger und Paris gedreht, seine Produktionskosten betrugen etwa 110 Millionen US-Dollar (fast das Doppelte des ersten Teils). Die Weltpremiere fand am 25. Juli 2007 in Los Angeles statt. Der Film spielte in den Kinos der USA ca. 227 Millionen US-Dollar ein. Weltweit waren es ca. 442 Millionen US-Dollar.

Wertung: 6 von 7 €uro