Kinoplakat: Dark Shadows
Wundertüte voll untoter,
bildgewaltiger Wortwitz-Ideen
Titel Dark Shadows
(Dark Shadows)
Drehbuch Seth Grahame-Smith + John August
nach Motiven der TV-Serie von Dan Curtis
Regie Tim Burton, USA, Australien 2012
Darsteller Johnny Depp, Michelle Pfeiffer, Helena Bonham Carter, Eva Green, Jackie Earle Haley, Jonny Lee Miller, Bella Heathcote, Chloë Grace Moretz, Gulliver McGrath, Ray Shirley, Christopher Lee, Alice Cooper, Ivan Kaye, Susanna Cappellaro, Josephine Butler, William Hope, Shane Rimmer, Michael Shannon, Harry Taylor, Glen Mexted u.a.
Genre Komödie, Horror
Filmlänge 113 Minuten
Deutschlandstart
10. Mai 2012
Inhalt

Im Jahr 1760 machen sich Joshua und Naomi Collins mit ihrem kleinen Sohn Barnabas vom Hafen von Liverpool aus auf die Reise nach Übersee, um das Imperium der Familie Collins auch auf die Neue Welt auszuweiten. In Maine gründen sie ein Fischereiunternehmen und die Stadt Collinsport. In den folgenden 15 Jahren wird ihr großzügiges Anwesen mit dem Namen Collinwood errichtet.

Der inzwischen zum jungen Mann herangewachsene Barnabas hat eine Affäre mit der Bediensteten Angelique. Deren tieferen Gefühle kann Barnabas aber nicht erwidern, weshalb Angelique ihre Hexenkräfte dafür einsetzt, dass Barnabas‘ Eltern von herabfallenden Steinen erschlagen werden. Zudem treibt sie Barnabas‘ wahre Liebe, Josette, dazu, von der Klippe „Widow's Hill” in den Tod zu springen. Barnabas springt ihr hinterher, doch da Angelique ihn mit einem Fluch belegt und in einen ewig-lebenden Vampir verwandelt hat, bleibt er am Leben. Angelique hetzt nun die Bürger der Stadt gegen „das Monster”, die Barnabas bei lebendigem Leib in einem mit Ketten verschlossenem Sarg begraben.

Das Jahr 1972: Bauarbeiter stoßen auf einen uralten, verbuddelten Sarg, dem ein völlig ausgehungerter Barnabas entspringt. Der Vampir tötet alle elf Arbeiter und begibt sich zu seinem alten Anwesen. Dort hypnotisiert er den Hausmeister Willie, der von nun an sein Diener sein soll. Barnabas muss feststellen, dass sein prächtiges Anwesen Collinwood, ebenso wie der Fischereibetrieb stark vernachlässigt wurden. Zudem ist er von den technischen Neuerungen, sowie den Konventionen der Zeit überrascht und überfordert. Barnabas‘ Nachfahrin Elizabeth Collins Stoddard gibt sich Barnabas als Vampir zu erkennen, verspricht jedoch, keinem Bewohner des Hauses zu schaden, sondern vielmehr der Familie wieder zu Reichtum und Erfolg zu verhelfen. Elizabeth akzeptiert unter der Bedingung, dass niemand anders in der Familie davon erfährt.

Mit Hilfe eines bisher geheimen Familienschatzes versucht Barnabas, die familieneigene Fischkonserven-Fabrik wieder zur alten Größe zurückzuführen und schafft den wirtschaftlichen Aufschwung. Doch das größte Konkurrenzunternehmen führt Angelique, die seit zweihundert Jahren in der Stadt lebt. Sie verführt Barnabas, doch ihre Liebe erwidert er immer noch nicht. Barnabas hat nun nicht nur seine dysfunktionalen Nachfahren zur Ordnung zu rufen, er hat auch die rassige, porzellanhäutige Angelique am Hals, die ihn gerne wieder wegsperren möchte …

Was zu sagen wäre

Tim Burtons (Alice im Wunderland – 2010; Big Fish – 2003; Sleepy Hollow – 1999; Mars Attacks! – 1996; BATMAN – 1989) Vorhölle sind die Suburbs seiner Kindheit. Kleinstadtmenschen sind Burtons Horror, die sich ihre Außenseiter erschaffen. Würde Burton je die „Frankenstein”-Mär verfilmen, ergäbe das keinen Gothikhorror. Bei ihm würde Johnny Depp (21 Jump Street – 2012; Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten – 2011; The Tourist – 2010; Alice im Wunderland – 2010; Das Kabinett des Doktor Parnassus – 2009) in der Rolle der Keatur auf eine Horde monstermäßiger Vorstadt-Menschen treffen – ähnlich wie sein Edward mit den Scherenhänden (1990). Ähnlich ist das hier. Sein Kabinett dysfunktional Gestörter trifft auf eine kleines Seestädtchen – und entwickelt ein bidgewitztes Drama mit Untoten.

Im Jahr 1760 wird ein Vertrag mit Mephistopheles unterzeichnet, dessen „M” verdächtig bekannt wirkt. Als Barnabas 1972 aus dem Grab steigt, erschrickt er: Lag er unter Mephistopheles‘ Anwesen? Nein: Das goldene M der McDonald's-Kette sieht dem Mephistopheles-M nur … naja, ähnlich. Tim Burtons schräge Fiktion ist wunderbar bildhaft, wunderbar dialogwitzig, der Film ist die fleischgewordene Wundertüte – „Urin, wem Urin gebührt!“

Eva Green (James Bond – Casino Royale – 2006; Königreich der Himmel – 2005) gibt eine prachtvoll saftige Angelique, die dem Begriff Porzellanhaut gegen Ende zu deren ursprünglicher Bedeutung verhilft und liefert sich mit Burtons Dauer-Alter-Ego Johnny Depp, der wieder den tragischen Außenseiter gibt, dessen fleißige Anpassungsversuche stets zur Parodie geraten, die wohl akrobatischste Sex-Szene der jüngeren Filmgeschichte.

„Bälle dienen der Demonstration von Macht. (Tanz-)Bälle sichern der herrschenden Klasse ein Leben als herrschende Klasse.” ”Genau meine Rede. Diese Familie sollte dringend am Ball bleiben.“

Michelle Pfeiffer ist wieder da (Happy New Year – 2011; „Der Sternwanderer” – 2007; Schatten der Wahrheit – 2000; „An deiner Seite” – 1999; Tage wie dieser … – 1996; „Frankie und Johnny“ – 1991; „Das Russland-Haus“ – 1990; „Die fabelhaften Baker Boys“ – 1989; Tequila Sunrise – 1988; Die Mafiosi-Braut – 1988; Die Hexen von Eastwick – 1987; „Der Tag des Falken“ – 1985; „Kopfüber in die Nacht“ – 1985; „Scarface“ – 1983; „Grease 2“ – 1982) … würdevoll … als wäre sie nie weg gewesen.

„Barnabas! … Sie stehen in Flammen.“

Warum eigentlich wirft Tim Burton seine männlichen Helden immer Frauen wie Eva Green oder Helena Bonham-Carter zum Fraße vor und treibt sie – blind vor wahrer Liebe – aber in die Arme solche Sanftblütler wie Bella Heathcote. Tim Burton, selbst verheiratet mit Helena Bonham-Carter, offenbart in seinen Filmen immer wieder unschöne Phantasiefrauen.

„Ich bin ein Werwolf. Okay? Und wir machen jetzt keinen Stress deswegen.“

Ein Schlager ist natürlich der Soundtrack – weniger der von Danny Elfman, der ist, wie die Soundtracks von Danny Elfman meistens sind – mit großen Rock-Hits der späten 60er, frühen 70er Jahre und Alice Cooper in einem Gast-Gig auf der Treppe des Anwesens.

Apropos Gastauftritt: Über-Dracula Christopher Lee darf auch mitmachen.

Wertung: 6 von 7 €uro