Kinoplakat: Dame, König, As, Spion
Retro-Kino mit großer Optik
aber ohnen aktuellen Mehrwert
Titel Dame, König, As, Spion
(Tinker Tailor Soldier Spy)
Drehbuch Bridget O'Connor + Peter Straughan
nach dem gleichnamigen Roman von John le Carré
Regie Tomas Alfredson, Frankreich, UK, Deutschland 2011
Darsteller Gary Oldman, John Hurt, Colin Firth, Benedict Cumberbatch, Toby Jones, Mark Strong, Ciarán Hinds, David Dencik, Tom Hardy, Stephen Graham, Kathy Burke, Arthur Nightingale, Simon McBurney, Zoltán Mucsi, Péter Kálloy Molnár, Ilona Kassai, Imre Csuja, Amanda Fairbank-Hynes, Peter O'Connor, Roger Lloyd-Pack, Matyelok Gibbs, Phillip Hill-Pearson, Jamie Thomas King, Stuart Graham, Konstantin Khabenskiy u.a.
Genre Drama
Filmlänge 127 Minuten
Deutschlandstart
2. Februar 2012
Inhalt

Im Circus sitzt ein Maulwurf. Ganz oben. Im britischen Geheimdienst. Control, der Chef, hat davon vor Jahren Gerüchte gehört, immer wieder Hinweise gespürt, aber nie tätig werden können. Er hatte nichts Konkretes. Aber jetzt: Jim Prideaux ist bei einem verdeckten Einsatz in Ungarn geschnappt worden. Von dem Einsatz wussten eigentlich nur Control und – eben – Prideaux. Und offenbar ein Dritter – der Maulwurf.

Control stirbt bald – nach langer Krankheit. Neuer Chef wird Percy Alleline, der mit Bill Haydon, Roy Bland und Toby Esterhase Macht und Status sichert durch Operation Witchcraft. Dahinter verbirgt sich ein hochrangiger russischer Militär, der den Briten Exklusives aus dem Kreml zukommen lässt – heißt es. Control und seinem Getreuen, George Smiley, war diese Operation immer suspekt und auch der Regierungsbeauftragte des Geheimdienstes, Oliver Lacon, lässt diese Operation nun ungern bezahlen. Aus diesem Grund reaktiviert er den pensionierten Smiley, um ihn damit zu beauftragen, Controls Verdacht eines Doppelagenten zu untersuchen.

Smiley gräbt tief in verstaubten Akten und befragt kalt gestellte Ehemalige und kommt dem Maulwurf näher. Control hatte die Zahl der Verdächtigen auf fünf eingegrenzt und ihnen als Codenamen einen alten Abzählreim zugeordnet (im deutschen die höchsten Trümpfe im Kartenspiel): Percy Allelin ist, „Tinker“ („Bube“), Bill Haydon ist „Tailor“ („Dame“), Roy Bland ist „Soldier“ („König“), Toby Esterhase ist „Poorman” („As”) und Smiley ist „Beggarman”. Einer ist gleichzeitig „Spion“.

Smiley findet heraus, dass sowohl Alleline, Haydon, Bland als auch Esterhase sich regelmäßig unter dem Decknamen der Operation Witchcraft mit dem hohen russischen Militär in einem geheimen Haus trafen, um ihm geheime Informationen zu geben. Sie gaben ihm, so glaubten sie, wertlose Informationen. Währenddessen hatte der Maulwurf die wirklichen Informationen an den KGB geliefert, während die Witchcraft-Informationen dazu dienten, den Amerikanern schmackhaft zu machen, ebenfalls Geheimdienstinformationen zu teilen, die der Maulwurf anschließend an die Sowjets weiterleitete …

Was zu sagen wäre

Der Film ist geradezu provozierend ruhig erzählt und hält sich damit nah an der literarischen Vorlage von John le Carré. Damit zeigt der Film aber auch, wie wenig manche Geschichten geeignet sind, für das Kino nacherzählt zu werden. Ja: Der Film baut seine Spannung langsam auf. Ja: Der Film ist wunderbar in Sepia und verqualmten Bildern fotografiert, die nach altem Leder und Zigarrenqualm riechen. Ja: Die Schauspieler erhalten Raum und nutzen ihn auch. Ja: Man kann dem Film gut zusehen.

Der Charme des Retro-Kinos

Aber er ist eben die adäquate Umsetzung eines Romans aus den 1970er-Jahren – er wirkt, wie ein Film aus dem 1970er-Jahren. Das hat seinen gewissen Charme, „Retro“ und so. Aber so richtg aufregend ist diese cineastische Reise in die Vergangenheit nicht, zeigt allerdings gleichzeitig, wie spannend das alte, langsame Kintopp immer noch sein kann in Zeiten des atemlosen Schnellschnitt-Kinos. Zwiespalt hinterlässt dieser Film über Spionage, Gegenspionage, Verdacht und Gegenverdacht.

In der Staub geschwängerten Akten- und Büroatmosphäre wird sehr unangenehm deutlich, dass Spionage ein schmutziges Geschäft ist, eines, das keine Freunde kennt. Jede Schwäche wird gegen Dich verwendet, ein Feuerzeug kann kriegsentscheidend sein. Nur den Action-Jackson mit der Doppel-Null suchst Du vergebens. Man kann nostalgisch werden bei diesem Film, der in seinem Jahrgang mit einem Stummfilm („The Artist“) und einem Film, der die ersten Zaubermomente des Kinos feiert (Hugo Cabret), zur Oscar-Verleihung 2012 antritt. Retro ist der neue Hit.

Die Besetzung verrät den Maulwurf

Sein größtes Problem hat der über zwei Stunden lange Film aber in seiner Besetzung. Wenn einer der vier Hauptverdächtigen bis zum letzten Drittel ein nahezu wortloser Geheimdienstmann bleibt, der kaum in Erscheinung tritt, der aber von einem gefeierten Oscar-Schauspieler gegeben wird, ist die Antwort, wer denn wohl der Maulwurf ist, schnell gegeben. Da fällt also der große Spannungsbogen dieses Thrillers – „Wer ist der Maulwurf“ – schnell aus. Was bleibt, ist die Zustandsbeschreibung des britischen Geheimdienstes, der in der Hochzeit des Kalten Krieges ja in der Tat einen Maulwurf ganz oben sitzen hatte. Das ist interessant und – wegen der schon erwähnten exzellenten Kameraarbeit – gut anzusehen. Doch selbst, wenn die Zustände im Beamtenapparat von Her Majesty the Queen noch ähnlich sein mögen, einen üppigen Teil des Films Schlapphut-Beamte von Links nach Rechts, von Rechts nach Links, die Treppe rauf, die Treppe runter gehen zu sehen, erschöpft sich irgendwann.

Die Spannung fällt ab dem Moment, von dem an klar ist, dass XY der Maulwurf ist und ich damit beginne, mich über die Plumpheit dieser Besetzung zu ärgern.

Wertung: 5 von 7 €uro