Kinoplakat: Creed – Rocky‘s Legacy
Das einzige Ereignis an diesem
Film ist Sylvester Stallone
Titel Creed – Rocky’s Legacy
(Creed)
Drehbuch Ryan Cooler + Aaron Covington
mit Charakteren, erdacht von Sylvester Stallone
Regie Ryan Coogler, UA 2015
Darsteller
Michael B. Jordan, Sylvester Stallone, Tessa Thompson, Phylicia Rashad, Andre Ward, Tony Bellew, Ritchie Coster, Jacob 'Stitch' Duran, Graham McTavish, Malik Bazille, Ricardo McGill, Gabe Rosado, Wood Harris, Buddy Osborn, Rupal Pujara u.a.
Genre Drama
Filmlänge 133 Minuten
Deutschlandstart
14. Januar 2016
Website creedthemovie.com
Inhalt

Der junge Boxer Adonis Johnson lernte seinen eigenen Vater, den berühmten Weltmeister im Schwergewicht Apollo Creed, niemals kennen. Adonis, der mit seinem Bürojob in einem Wertpapierunternehmen nicht warm wird und sein Talent stattdessen in illegalen Kämpfen in Tijuana zeigt, zieht es nach Philadelphia, wo Apollo Creed einst das legendäre Match gegen einen hartgesottenen Neuling namens Rocky Balboa bestritt.

Es gelingt Adonis, Rocky aufzuspüren und ihn dazu zu bringen, sein Trainer zu werden. Der in die Jahre gekommene Rechtsausleger erkennt in dem jungen Mann die Entschlossenheit und Stärke von dessen Vater, der zunächst ein erbitterter Gegner, dann ein enger Vertrauter Rockys wurde. Adonis trainiert hart und lebt seine weiche Seite mit der neuen Nachbarin aus, der R&B-Sängerin Bianca.

Donnie, der unter dem Namen „Hollywood Donnie“ boxt, wird bald bekannter, und es spricht sich herum, dass er Apollo Creeds unehelicher Sohn ist. Rocky bekommt einen Anruf von Halbschwergewichts-Champion „Pretty“ Ricky Conlan, der wegen einer drohenden Haftstrafe in den Ruhestand gezwungen wird. Er bietet Rocky an, Donnie zu seinem letzten Herausforderer zu machen, vorausgesetzt, dass dieser seinen Namen in Adonis „Hollywood Donnie“ Creed ändert.

Donnie weigert sich zunächst, denn er wollte aus eigener Kraft Erfolg haben. Da erfährt Balboa, dass er am „Non-Hodgkin-Lymphom“ erkrankt ist – einer Form von Krebs. Er will sich aber keiner Chemotherapie unterziehen, weil er sich daran erinnert, dass diese nicht geholfen hat, Adrian zu retten, als sie an Eierstockkrebs erkrankt war. Donnie bemerkt, wie erschüttert Rocky von der Diagnose ist, und fordert ihn auf, sich behandeln zu lassen. „Wenn Du nicht kämpfst, kämpfe ich auch nicht“ …

Was zu sagen wäre

Dieser Film hat zwei große Momente: Der eine ist Donnies erster Kampf unter Rockys Regie. Er geht nur über knapp zwei Runden und kommt ohne einen einzigen Bildschnitt aus. Da sitze ich im Kinosessel wirklich mittendrin und kann nicht ausweichen. Die beiden ersten Rocky-Filme haben zu ihrer Zeit Furore gemacht – auch wegen ihrer simplen, aber packenden Aufsteiger-Story – aber im Gedächtnis ist die Inszenierung der Boxkämpfe, die 1976 den Boxfilm neu definierte. Die Kamera ging nah ran, umkreiste die Kontrahenten, die Schläge waren echt – sicher nicht so hart, wie sie auf der Leinwand wirkten, aber sie taten auch den Schauspielern weh.

Dieses Erbe, innovativ Boxkämpfe zu inszenieren, übernimmt Ryan Coogler („Nächster Halt: Fruitvale Station“ – 2013) in seinem Rocky-Spin-off mit diesem ersten Fight. Der zweite, der entscheidende ist dann wieder klassischer Rocky-Fight; hart, schnell, und Blutspritzer in Zeitlupe. Auch die Dramaturgie des Kampfes ist dieselbe, wie im Ur-Rocky. Aber klar: Es soll ja auch das Franchise wiederbelebt werden.

Der andere große Moment ist Sylvester Stallone. Er tritt souverän an die Seite und lässt der nächsten Generation das Zentrum des Films und des Rings – aber das emotionale Zentrum ist eindeutig er. Das ist bedeutsam, wenn man bedenkt, wie lange die Branche – okay: vor allem die Kritiker – Stallone nicht ernst genommen haben und er jetzt hier in diesem Film authentisch wirkt – er spielt die Schmerzen, die ihm das echte Leben bereitet hat, psychisch wie physisch, glänzend aus und wird zum gewieften Taktiker und Mentor.

Die andere Story, die des Boxers, der es allen zeigen will, lehnt sich eng an den ersten Rocky an – der vorliegende Film ist keine weitere Fortsetzung, eher ein Reboot für eine neue Generation von Kinogängern. Szene um Szene inszeniert Coogler sich durch das Original und modernisiert halt auf heutigen Standard. Größter Umbau: Der damalige Boxer wollte raus aus der Armut Philadelphias und hatte nichts anderes, als ein bisschen Talent beim Boxen, unglaubliches Glück, die Chance auf diesen Fight zu bekommen – und er hatte vor allem Nehmerqualitäten, ein echter Sturkopf im Ring. Dieses Thema heute mittels Boxerfilm zu erzählen wäre abgedroschen. Coogler macht also eine Emanzipationsgeschichte draus. Der neue Boxer muss sich aus dem Schatten seines Weltmeister-Vaters kämpfen, muss gegen den Ruf, „Mit goldenem Löffel im Mund“ aufgewachsen zu sein, was in Boxerkreisen offenbar als Makel gesehen wird, antreten – eine ganz hübsche Umkehrung der Sage: Der Millionär will zum Tellerwäscher werden, sich zumindest diesen Ruf erarbeiten. Michael B. Jordan (Fantastic Four – 2015; „Nächster Halt: Fruitvale Station“ – 2013; Chronicle – Wozu bist du fähig? – 2012; Red Tails – 2012) spielt diesen Boxer mit Charme und wildem Glanz im Auge, was nicht so schwer, weil die Rolle einem Schauspieler keine großen Kraftakte abverlangt. Also verlässt er den Karrierejob beim Finanzdienstmakler, wo er gerade befördert worden ist(!) und trainiert kurz vor dem epochalen Kampf mit den schwarzen Jungs seiner neuen Hood in Philadelphia – unterlegt mit zeitgenössischem Hip-Hop; ein bisschen Straight Outta Compton-Mythos darf zurzeit in keinem Drama um Schwarze fehlen.

Kann man sich angucken, wenn man Jahrgang 1990-plus ist. Mir kam vor allem die erste Stunde entsetzlich lang vor, in der mühsam all die Probleme dargelegt, ausgebreitet und diskutiert werden und Rocky Balboa dann endlich zusagt, den Jungen zu trainieren. Das habe ich alles hundert Mal gesehen – meistens schneller und zwingender erzählt. Erst im Boxring findet der Film zu sich und Coogler zu seiner Form.

Geschadet hat das offensichtich nicht. Die 35-Millionen-Dollarproduktion hat zwischen ihrem Start in den USA im November 2015 und Ende Februar 2016 weltweit 172,2 Millionen Dollar eingespielt. Das Franchise wird also wietergehen.

Wertung: 2 von 8 €uro