Kinoplakat: Codename U.N.C.L.E.
Form definiert Inhalt
Buntes Pop-Art-Kino
Titel Codename U.N.C.L.E.
(The Man from U.N.C.L.E.)
Drehbuch Guy Ritchie + Lionel Wigram + Jeff Kleeman + David C. Wilson
nach der TV-Serie von Sam Rolfe
Regie Guy Ritchie, USA, UK 2015
Darsteller Henry Cavill, Armie Hammer, Alicia Vikander, Elizabeth Debicki, Luca Calvani, Sylvester Groth, Hugh Grant, Jared Harris, Christian Berkel, Misha Kuznetsov, Guy Williams, Marianna Di Martino, Julian Michael Deuster, Andrea Cagliesi, Riccardo Calvanese u.a.
Genre Komödie, Action
Filmlänge 116 Minuten
Deutschlandstart
13. August 2015
Inhalt

CIA-Agent Napoleon Solo holt 1963 die Automechanikerin Gaby Teller aus Ost-Berlin raus. Er braucht sie, weil ihr Vater Udo Teller, Waffen-Wissenschaftler für die Nazis, nach dem Krieg für die Amerikaner arbeitete und in den USA ein neues Leben führte bis er vor kurzem verschwand. Man vermutet, dass er für eine internationale Verbrecherorganisation eine Atombombe entwickelt, die ohne die bisherige Uran-Anreicherung funktioniert. Um Udo Teller zurück zu holen, soll Gaby mit Solo in den Westen fliehen.

Da beide Supermächte die Herstellung neuartiger Atomwaffen nicht dulden und auch die Forschungsergebnisse Tellers für sich selbst haben wollen, vereinbaren sie die Zusammenarbeit ihrer beiden besten Agenten – Solo und Illya Kuryakin, KGB-Agent. Deren begeisterung hält sich schwer in Grenzen. Um Teller zu finden, soll Gaby ihren Onkel Rudi kontaktieren, der für die Spedition Vinciguerra arbeitet. Diese gilt als Fassade der Verbrecherorganisation, die Besitzer Victoria und Alexander Vinciguerra gelten als Nazi-Sympathisanten, besonders Victoria.

Solo und Kuryakin dringen in eine Firmenanlage der Vinciguerras ein und finden Beweise für die Urananreicherung. Bei einem Treffen von Gaby mit Onkel Rudi und Alexander Vinciguerra verrät sie die Tarnung der beiden Agenten und bietet ihre Dienste an …

Was zu sagen wäre

Was dem modernen Kino fehlt, sind die spionagebesoffenen Swinging Sixties. Heutzutage einen ordentlichen Agentenfilm zu erzählen, endet immer beim Thema Überwachungsstaat, der nicht mal mehr Wanzen in Blumenvasen braucht. Der jüngste Mission: Impossible-Film ist, was das betrifft, ein gutes Beispiel; auch der aktuelle James Bond-Film macht das Dilemma deutlich.

Neue Agentenfiguren gehen denn lieber gleich in die Persiflage und damit zurück in die Swinging Sixties – die Kingsman kämpfen sich mit Sixties-Style durch die Moderne, Imitation Game feiert gleich den noch durch und durch analogen Superentschlüssler Enigma. Und in 3 Days to kill agieren die Agenten zwar im Hier und Jetzt, sind aber ausgemustert und jammern – ähnlich ihren Kollegen aus den R.E.D.-Filmen – dem Gestern nach. Und das tun sie ja auch zurecht, aus Sicht des Filmemachers jedenfalls.

Moderne Agentenfilme können, außer den jeweils aktuellen Laufstegschönheiten, nichts zeigen, was Sex hätte – Monitore mit irgendwelchen Computergraphics drauf wirken auf die Dauer ermüdend. Es ist nicht sexy, wenn Agenten Telefonverbindungen on screen über blinkende Lichtlein auf einer modern-gläsernen Weltkarte verfolgen, da muss das Drama schon mörderisch gut sein, damit wir trotzdem dran bleiben. Ausschweifende Cabriolets, ein roter Jaguar Typ E, Frauen in schrill bunten Kleidern hinter übergroßen Sonnenbrillen und Männer, die wissen, was zu tun ist, vor allem physisch, bieten in dieser Hinsicht viel mehr; außerdem bieten Agenten, die noch Wanzen verstecken, bzw. finden müssen, Stoff für viele schöne Dramaturgiebögen. Das sieht Guy Richie offenbar ähnlich.

Kinoplakat: Codename U.N.C.L.E.Sein Agentenfilm basiert auf einer dieser TV-Serien aus den 1960er Jahren, die eigentlich vergessen sind, von einer kleinen Schar Hardcore-Fans aber unermüdlich als „Kult“ gefeiert wird, und die irgendwann den Sprung auf die Leinwand des 21. Jahrhunderts schaffen. Jetzt also The Man from U.N.C.L.E., ursprünglich besetzt mit Robert Vaughn und David McCallum; und Leo G. Carroll (Tarantula – 1955) in der Hugh-Grant-Rolle. Guy Richie setzt ganz auf den Nostalgiefaktor. Während die Geschichte, naja, irgendeinem Atomsprengkopf hinterher jagt, der nicht in die falschen Hände geraten darf, ist sie verpackt in elegante, sonnengeflutete Bilder, flotte Kabbeleien zwischen den Männern und zwischen der Frau und den Männern, absurde Actionsequenzen, die die Agenten fröhlicherweise nicht weiter aus der Ruhe bringen. Die Frage, wer die Atomgeheimnisse am Ende behalten darf, hält dann doch die Spannung der überschaubaren Story einigermaßen hoch.

Henry Cavill und Armie Hammer (Lone Ranger – 2013; Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen – 2012; J. Edgar – 2011; The Social Network – 2010) sind wunderbare unfreiwillige Partner, Cavil (Man of Steel – 2013; The Cold Light of Day – 2012; „Krieg der Götter“ – 2011; Whatever Works - Liebe sich wer kann – 2009) der elegante Savile-Row-Kenner, Hammer der russischer Bär mit Geschmack. Zwischen ihnen Schwedens aufregender Export Alicia Vikander (Seventh Son – 2014; „Inside WikiLeaks - Die fünfte Gewalt“ – 2013; „Anna Karenina“ – 2012), die gerade erst als Roboter in Ex-Machina nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht hat. Einen kleinen Auftritt hat Hugh Grant, der, seit er in die Jahre gekommen ist, seinen Platz auf der Leinwand sucht – den tapsigen Love-Interest wird er kaum noch spielen können – und diesen hier gefunden haben könnte: den Behörden-Snob, der nach allen Seiten gleichermaßen austeilt; lange her, dass mir Grant in einer Rolle so gut gefallen hat (Cloud Atlas  – 2012; „Mitten ins Herz“ – 2007; Tatsächlich… Liebe – 2003; Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück – 2001; Schmalspurganoven – 2000; Notting Hill – 1999; Der Engländer der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunterkam – 1995).

Dieses U.N.C.L.E.-Abenteuer präsentiert sich bunt bebildert, unterhaltsam inszeniert, sophisticated geschrieben, elegant designt, flott orchestriert (Soundtrack: Daniel Pemberton) auch und für Fortsetzungen mit gutem Personal gesegnet. Dennoch: Für einen A-Film ist das nicht vollständig; sowas hatten wir jetzt oft genug. Es ist an der Zeit, das Inszenierte, Künstliche, Distanzierte wieder mit einer zu Herzen gehenden Geschichte zu verknüpfen.

Vielleicht ist der Film daran letztlich gescheitert. Nach Hollywood-Maßstäben hielt sich das Kasseneinspiel in Grenzen. 75 Millionen Dollar hatten die Produzenten ausgegeben, weltweit in die Kinokassen spülte der Film 109,4 Millionen.

Wertung: 5 von 8 €uro