Kinoplakat: Der City Hai
Schwarzenegger als Stallone
Das geht daneben
Titel Der City Hai
(Raw Deal)
Drehbuch Gary DeVore + Norman Wexler + Luciano Vincenzon + Sergio Donati
Regie John Irvin, USA 1986
Darsteller Arnold Schwarzenegger, Kathryn Harrold, Darren McGavin, Sam Wanamaker, Paul Shenar, Steven Hill, Joe Regalbuto, Robert Davi, Ed Lauter, Mordecai Lawner, Blanche Baker, Louise Robey, Victor Argo u.a.
Genre Action
Filmlänge 106 Minuten
Deutschlandstart
21. August 1986
Inhalt

Mark Kaminsky, Sheriff einer verschlafenen Kleinstadt in den Südstaaten. Ein ruhiger Job. Wenig los. Frustrierend und ungerecht. Kaminsky war mal beim FBI. Ist da aber rausgeflogen wegen seiner harten Methoden. Zuletzt war er zu rüde gegen den Mörder eines kleinen Mädchens vorgegangen. Das brachte das Fass zum Überlaufen – jetzt versieht Kaminsky den Job als Kleinstadt-Sheriff.

Fünf Jahre steckt Kaminsky hier fest, als sein ehemaliger Boss, FBI-Chef Harry Shannon, ihm eine Chance gibt. In Chicago hat die örtliche Mafia nahezu die Kontrolle übernommen und regiert mit brutaler Hand; die korrupte Polizei und Justiz werden mit Schmiergeld zum Schweigen gebracht. Auch Harrys Sohn wurde getötet, als er einen Kronzeugen bewachte. Kaminsky soll sich deshalb in die Organisation einschleichen und das Vertrauen des Paten Luigi Patrovita gewinnen.

Der Plan geht zunächst auf. Bis sich Kaminsky in das Mädchen Monique verliebt. Die arbeitet in der Organisation und unter der Hand mit Patrovitas rechter Hand Max zusammen. Kaminsky hat sich eine Verräterin ins Bett geholt, die seinen Plan auffliegen lässt. Damit ist die Zeit des Schleichens und Lügens vorbei. Kaminsky schultert seine Schusswaffen …

Was zu sagen wäre

Das Plakat sagte alles. Ein streng blickender Arnold Schwarzenegger im Unterhemd mit automatischer Waffe in der Hand. Der Rest des Plakaten besteht aus dem Filmtitel im Blocksatz: SCHWARZENEGGER – DER CITY HAI. Zu dieser Zeit, 1986, sagte das alles, was es zu erwarten gibt. Die Story ist völlig nebensächlich. Auch verstörend – wollte man versuchen ihr zu folgen, würde man im Nirgendwo landen. „Raw Deal” hat sich von der Lust an der Action aus dem Konzept bringen lassen. Schauspielerisch wird wenig geboten. Der alte Haudegen Sam Wanamaker („Schütze Benjamin” – 1980; „The Spiral Staircase” – 1975; „Der Spion, der aus der Kälte kam” – 1965) hat zu wenig zu tun, um – wenigstens – seine Erfahrung ausspielen zu können. Aber um all das geht es ja eben nicht.

Ähnlich, wie Schwarzeneggers vorheriger Film, Phantom Kommando (1985), setzt auch „Raw Deal” auf Muskeln, Statur und mächtigen Unterkiefer des Österreichers; dazu viele matt glänzende, schwarze Waffen, fertig ist die Laube. Dann müssen diese Zutaten aber gut, herausragend, überraschend verarbeitet werden. Bedauerlicherweise tut „Raw Deal” das nicht. Die Action verteilt sich auf Explosionen und Schießereien im Schnitt-Gegenschnitt-Verfahren. Da ist nichts überraschend. Und Schwarzenegger verzichtet auf Ironie.

Phantom Kommando war Kino bigger than Life – so überzeichnet, dass Schwarzenegger witzig wirkte, unterhaltsam, sich nicht so ernst nehmend. In „Raw Deal” ist alles todernst. Vielleicht wollte Schwarzenegger das mal ausprobieren – nach seinen Rollen als Roboter und Barbar und Comicheld (in Phantom Kommando) jetzt mal der ultraharte Killer. Irritierenderweise wirkt er jetzt wie in einer Sylvester-Stallone-Rolle gefangen.

Stallone stand damals in lebendiger Konkurrenz zu Schwarzeneggers Actionfilmen: Stallone war Rocky, Schwarzenegger wurde Conan, Stallone war Rambo, Schwarzenegger wurde Terminator. Stallone und seine Filme wurden als gewaltverherrlichend und kriegstreiberisch bezeichnet, Schwarzenegger wurde für seinen österreichischen Akzent gefeiert. Parallel zu „Raw Deal” (US-Start 6.6.1986) kam Stallone mit Cobra (US-Start 23.5.1986) in die Kinos. Hier versuchte sich der gewohnt humorlose Stallone in Schwarzeneggers coolen One-Linern, verstolperte sich dabei aber auch („Verbrechen ist eine Krankheit! Ich bin die Medizin!”) als Schwarzenneger mit seinem Stallone-Versuch. Die deutschen Verleiher gefielen sich beim Rennen an der Kinokasse im Titelkampf: Schwarzeneggers „City Hai” trat gegen Stallones „City Cobra” an.

Beide Filme spielen in der Vita ihrer Hauptdarsteller eine Nebenrolle. Mein privater Favorit in diesem Duell: Stallones Cobra!

Wertung: 5 von 10 D-Mark