Kinoplakat: Cinderella
Schneewittchen revisited.
Nur bunter und lebendiger.
Titel Cinderella
(Cinderella)
Drehbuch Bill Peet + Erdman Penner + Ted Sears + Winston Hibler + Homer Brightman + Harry Reeves + Ken Anderson + Joe Rinaldi
nach der gleichnamigen Erzählung von Charles Perrault
Regie Clyde Geronimi & Wilfred Jackson & Hamilton Luske, USA 1950
Stimmen

Ilene Woods, Eva-Ingeborg Scholz, Eleanor Audley, Friedel Schuster, Rhoda Williams, Erika Görner, Lucile Bliss, Alexa von Poremsky, Eduard Wandrey, Luis Van Rooten, Karl Meixner, William Phipps, Ottokar Runze, Mike Douglas, Verna Felton, Anneliese Würtz, Walter Bluhm, Erwin Biegel, James MacDonald, June Foray u.a.

(aufgeführt sind jeweils US- und deutsche Stimme)

Genre Zeichentrick
Filmlänge 74 Minuten
Deutschlandstart
21. Dezember 1951
Website WaltDisney.org
Inhalt

Cinderella lebt als Waise bei ihrer Stiefmutter und deren arbeitsscheuen Töchtern Anastasia und Drizella. Ihre Stiefmutter kann sich nicht damit abfinden, dass ihre eigenen Töchter nicht so hübsch wie Cinderella sind. Sie demütigen sie und drücken ihr unangemessen viel Arbeit auf. Doch eines lässt sie sich nicht nehmen, das Träumen. Sie singt und tanzt trotz ihres Schicksals mit ihren Freunden, den Tieren. Dazu zählen vor allem die zwei kleinen Mäuse Jaques und Karli.

Eines Tages kommt ein Brief aus dem Schloss des Königs, es wird zum Ball geladen. Der König ist auf der Suche nach einer Frau für seinen Sohn, den Prinzen, und jedes heiratsfähige Mädchen habe zu erscheinen. Cinderella möchte ebenfalls auf den Ball, doch ihre Stiefmutter versucht genau das zu verhindern. Sie gibt Cinderella so viel Arbeit, dass sie kaum noch die Möglichkeit hat, ein Kleid für den Ball zu nähen. Doch ihre Freunde, die Mäuse und Vögel, sind sofort zur Stelle und helfen Cinderella.

Als ihre Stiefschwestern sie schließlich in dem wunderschönen Kleid sehen, sind sie neidisch und reißen es in Fetzen. Cinderella ist unendlich traurig, doch eine gute alte Fee kommt ihr zur Hilfe und zaubert ihr nicht nur ein neues Kleid herbei, sondern auch eine Kutsche, um rechtzeitig zum Ball erscheinen zu können. Der Zauber besteht jedoch nur bis Mitternacht. Cinderella tanzt auf dem Ball mit dem Prinzen, und als die Kirchturmuhr zwölf schlägt, kann sie gerade noch fliehen, verliert dabei aber einen ihrer gläsernen Schuhe.

Der Prinz möchte Cinderella wiedersehen und sogar heiraten, also muss jedes Mädchen im Königreich den Schuh anprobieren. Derjenigen, der der Schuh passt, wird der Prinz sein Jawort geben …

Was zu sagen wäre

Schneewittchen revisited: Ein schönes junges Mädchen, von der bösen Stiefmutter geknechtet, ist gut zu Mensch und  – vor allem – Tier, träumt vom Prinzen, den sie am Ende auch bekommt. Unterschied 1: Das Mädchen ist blond.

Unterschied 2: Die Zeichen- und Maltechnik der Disney-Künstler ist 18 Jahre gereift. Der Film ist ein prachtvolles Farbspektakel mit lebendigen, fröhlichen Charakteren, wunderbaren Chören und einer realistischen finster-bösen Stiefmutter. Schneewittchen kann nichts dafür, aber gegen diesen Film bleibt an dem 1937er-Film lediglich das akademische Etikett Klassiker hängen alles andere ist zu „Cinderella“ weiter gezogen.

Nach einem kurzen, einfühlsamen Prolog, der das Schicksal des einst glücklichen und nach dem Tod des Vaters in Knechtschaft drangsalierten Mädchens erläutert, lernen wir Cinderella am frühen Morgen im Bett kennen, mit Vögeln und Mäusen; und dem ersten Lied. Mit „Ich hab ihn im Traum gesehen“ macht sie uns ihr Lebensziel – „Prinz“ – deutlich und, dass sie herzensgut zu Tieren ist; die danken ihr das, indem sie beim Bettenmachen helfen und ihr beim Duschen das Wasser reichen. Als schließlich die zickigen Stiefschwestern ins Spiel kommen, dreht der Film die Tonlage deutlich runter. Mit Auftreten der diabolischen Stiefmutter hält Moll Einzug in den sonnig begonnenen Film.

Die lange Exposition in Cinderellas Schlafzimmer ist wichtig, weil sie der Ausgangspunkt für zwei parallel laufende Geschichten ist. Das Schicksal Cinderellas kontrastiert und spiegelt das Leben der Mäuse in der Villa, die im ständigen Kampf mit Lucifer, dem verschlagenen Kater, stehen, der verhindern will, dass sie Cinderella in der Hausarbeit, beim Trost spenden unterstützen. Die Szene, in der Vögel und Mäuse tirillierend Cinderellas Ballkleid nähen, weil die zu besonders harter Hausarbeit verdonnert wurde, um sie von des Königs Ball fernzuhalten, ist einer der Höhepunkte im Film.

Während auf Graswurzelhöhe ein sehr witziger Dauerkampf zwischen dem fetten Lucifer und den Mäusen ausbricht, verliebt sich oben der Prinz erwartungsgemäß in Cinderella. Das wiederum führt zu fantastischen Szenen mit der Stiefmutter. Mit viel Liebe zum Detail und für den Effekt schwebt diese Monster-Glucke durch den Film – im Auge nur das Wohl ihrer Töchter (und damit ihres). Holt sie ihre Bosheiten raus, verengen sich ihre grünen Augen zu Schlitzen und ein hüllt ein Schatten ihr Gesicht ein. Eine gefährliche Eleganz.

„Cinderella“ hat Disney gerettet. Das Studio war nahezu pleite nach dem Krieg, während dem man sich mit Übungsfilmen fürs Militär über Wasser gehalten hatte. „Pinochio“ (1940), „Fantasia“ (1940) und „Bambi“ (1942) sind heute Klassiker, fielen damals an der Kinokasse aber durch. Nach Bambi produzierten die Disney Studios vorerst keine weiteren abendfüllenden Filme. Stattdessen widmete sich das Studio Übungsfilmen für den Staat und südamerikanischen Plots („Drei Caballeros im Sambafieber“ (Saludos Amigos), „Drei Caballeros“). Anschließend stellte man kurze Cartoons zu abendfüllenden Programmen zusammen („Make Mine Music“, „Musik, Tanz und Rhythmus“). Tatsächlich war Schneewittchen Walt Disneys letzter großer Kassenknüller, der bis dato gut Geld in die Kassen spülte, aber im Grunde genommen lebten sie von der Hand in den Mund; deshalb entschied sich Walt Disney, mit „Cinderella“ an den erfolgreichen Beginn seiner Spielfilmkarriere anzuknüpfen. Der Stoff hatte ohnehin eine zu lange Studio-Geschichte; manche Drehbücher stammten noch aus den Dreißiger-Jahren. Erst 1948 beschloss Disney endgültig, Cinderella zu drehen.

Wertung: 6 von 6 D-Mark