Plakatmotiv: The LEGO Batman Movie
Dieses Batman-Abenteuer umweht der
Hauch der guten alten ZAZ-Klassiker
Titel The Lego Batman Movie
(The LEGO Batman Movie)
Drehbuch Seth Grahame-Smith + Chris McKenna + Erik Sommers + Jared Stern + John Whittington
mit Charakteren von Bob Kane + Bill Finger (Batman) + Jerry Siegel + Joe Shuster (Superman) + William Moulton Marston (Wonder Woman)
Regie Chris McKay, USA, Dänemark 2017
Darsteller

Will Arnett, David Nathan, Ralph Fiennes, Jürgen Thormann, Michael Cera, Luke Mockridge, Siri, Rosario Dawson, Claudia Urbschat-Mingues, Zach Galifianakis, Erik „Gronkh“ Range, Jenny Slate, Anne Helm, Mariah Carey, Carin C. Tietze, Hector Elizondo, Udo Schenk, Eddie Izzard, Billy Dee Williams, Tom Vogt, Doug Benson, Tobias Kluckert, Jason Mantzoukas, Norman Matt, Conan O’Brien, Riki Lindhome, Gabrielle Pietermann, Seth Green, Thomas Albus, Jemaine Clement, Michael Brennicke, Hans-Jürgen Wolf, Zoë Kravitz, Marie Bierstedt, Adam Devine, Patrick Baehr, Channing Tatum, Alexander Doering, Martin Umbach, Jonah Hill, Dennis Schmidt-Foß, Ellie Kemper, Farina Brock, Cobie Smulders, Marcia von Rebay u.a.

aufgeführt sind die Sprecher der US sowie der deutschen Version

Genre Comicverfilmung, Animationsfilm
Filmlänge 104 Minuten
Deutschlandstart
9. Februar 2017
Website legobatman.com
Inhalt

Der Joker versucht ganz Gotham City mit einer Bombe zu zerstören, was zur Folge hätte, dass alle Bewohner der Stadt in eine tiefe, nicht endende Schlucht stürzen würden. Als Batman auftaucht, diskutiert der Joker mit ihm über ihre Beziehung, wobei Batman meint, dass der Joker ihm nichts bedeute und er nicht sein größter Feind sei. Joker, völlig enttäuscht, ist dem Ende nahe, kann dann aber fliehen, da sich Batman zwischen der Inhaftierung des Jokers und der Entschärfung der Bombe entscheiden muss und sich für letzteres entscheidet.

Während Batman für seine Taten gefeiert wird, führt er privat als Bruce Wayne ein einsames Leben. Bei einer Veranstaltung adoptiert er – unaufmerksam und nur auf sich selbst konzentriert – den Waisen Dick Grayson. Die Veranstaltung wird vorzeitig beendet, als der Joker mit zahlreichen Schurken auftaucht. Statt jedoch zu kämpfen, ergibt sich der Joker und liefert zahlreiche weitere Schurken mit aus, darunter Bane, Two-Face, Scarecrow und Catwoman. Sie werden in die Anstalt Arkham Asylum eingeliefert. Harley Quinn, die Geliebte des Jokers, wird jedoch nicht ausgeliefert.

Batman, der dem Joker nicht traut, will diesen in die Phantomzone verbannen. Allerdings besitzt lediglich Superman ein dafür benötigtes Gerät. Zugleich versucht Bruce Waynes Butler Alfred Pennyworth ihn davon zu überzeugen, sich um seinen Adoptivsohn zu kümmern und lässt diesen in Batmans Hauptquartier, die Bathöhle, die sich unmittelbar unter seinem Anwesen Wayne Manor befindet. Batman, der ihn eigentlich zurück ins Waisenhaus schicken will, erkennt, dass der von Batman begeisterte Dick ihm helfen kann, an Supermans Gerät zu gelangen. Dieser dringt in einer Verkleidung mit Anweisungen von Batman in die Festung der Einsamkeit, Supermans Hauptquartier, ein und stiehlt das benötigte Gerät.

Daraufhin bricht Batman mit Dick ins Arkham Asylum ein und verbannt den Joker in die Phantomzone. Zuvor hatten beide ein Wortgefecht, in dem der Joker Batman zu erkennen gibt, dass er offensichtlich doch sein größter Feind ist, da er von ihm ja in die Phantomzone verbannt werde. Barbara Gordon, die Nachfolgerin des Commissioners von Gotham, wird Zeugin des Geschehens und lässt Batman daraufhin in Jokers Zelle einsperren.

Währenddessen erbeutet Harley Quinn das Gerät, das das Portal zur Phantomzone verschafft, und befreit den Joker. Dieser hat sich inzwischen mit verschiedenen Schurken zusammengetan, darunter Lord Voldemort, Sauron und King Kong. Gemeinsam übernehmen sie die Kontrolle über Gotham City …

Was zu sagen wäre
Dieser Film atmet den geist der Meisterwerke aus der alten ZAZ-Schmiede. Ein Gag pro 30 Sekunden. Drama. Meta-Drama. Meta-Meta-Drama. Und Batman in Unterhosen.

Entweder haben die Macher ordentlich gekokst, als sie diesen Film geschrieben haben, oder – was im gesundheitsbewussten Kalifornien wahrscheinlicher ist – sie haben sich mit Mate-Tee und Obst in einen dichtbesetzten Writers-Room zurückgezogen und die Zielvorgabe formuliert: Alle 30 Sekunden ein Gag … was bei 144 Minuten Laufzeit (inkl. Abspann) 2870 Gags bedeutet. Einer dieser Gags provoziert gekonntes Marketing: Der Computer in der BATcave, den Batman stets mit „Puter“ anruft, spricht mit der Stimme von SIRI, dem weiblichen Helferlein aus dem iPhone – selbstverständlich tauchen die Geräte mit dem Apfel in Lego-Gotham gleich mehrfach auf, unter anderem, wenn Batman ein Selfie schießt(!).

Schon die ersten Frames kommentiert ein genervter Batman aus dem Off: „Schwarz. Schwere Filme beginnen immer mit Schwarz.“ Dann folgt das Warner-Bros.-Logo: „Warner Bros., mmh. Warum nicht Brothers? RatPack? Kenne ich nicht. Aber cooles Design!“ So geht das in einer Tour. Alfred, der väterliche Butler, zieht einmal die Vorhänge in Wayne Manor auf, um Master Bruce die Unsinnigkeit seines Tuns zu demonstrieren und der, ganz Fledermausmann, befürchtet panikartig, zu Staub zu zerrieseln.

Der Film ist wunderbar. Einfallsreich, witzig, selbstironisch, und er ist eine überfällige Abkehr der Batman-Kinofilm-Macher von dem seit Frank Millers Comicserie um „The Dark Knight“ und Tim Burtons kruder Batman-Verfilmung (beides in der 1980er Jahren) obligatorisch an sich und der Welt verzweifelnden Fledermaus-Helden, bei dem man sich zunehmend fragen musste, was diesen schlecht gelaunten Misanthropen eigentlich noch antreibt – der gewaltsame Tod seiner Eltern war in den zurückliegenden Kinofilmen zum folkloristischen Beiwerk verkommen, das Rache-Motiv mehr Behauptung als Emotion. Nach der Trilogie von Christopher Nolan hatte Batmans Depression eigentlich ihren Tiefpunkt erreicht, Nolan daraus noch ein letztes Mal kunstvoll Nektar gesogen – zumindest aus den ersten beiden Teilen. Aber der Misanthrop verschwand nicht, im Gegenteil: In Zack Snyders Batman V Superman: Dawn of Justice (2016) war er noch mieser drauf, nachdem Superman ganz Metropolis dem Erdboden gleich geprügelt hatte.

Jetzt also „The Lego Batman Movie“ – aus dem Studio der Warner Bros., die die Rechte an den DC-Figuren (also auch an dem schlecht gelaunten Batman) haben. Schlecht gelaunt, störrischer Einzelkämpfer ist Batman auch hier wieder – aber auch ein Macho, exzentrisch, selbstverliebt und arrogant. An ihm beißt sich sogar der Joker die Zähne aus, der, seit ihn Heath Ledger 2008 gespielt hat, allgemein als blutrünstiger, egomanischer Terrorist bekannt ist. Aber irgendwann sind einfach alle Schlachten geschlagen, müssen auch Batman und Joker feststellen, dass ihre Hassliebe neue Motivation braucht und so bleiben in Lego-Gotham nur noch Fragen nach Liebe, Freund und Feind, und als Batman Joker versichert, dieser sei ja gar nicht sein größter Feind, streckt der grünhaarige Killer enttäuscht die Waffen. Auf diese absurde Verdrehung eherner Gesetze aus der Comicwelt muss man erst einmal kommen: Der Böse will nicht mehr bösartig sein, weil sein Erzfeind seine Bosheit nicht zu würdigen weiß.

Aber auf eherne Gesetze sind die Autoren dieser Gagschleuder ohnehin nicht scharf – höchstens, um sie zu zerlegen. Inhaltlichen Regeln, die wir Comicleser als gegeben mit uns herum schleppen, wischen die Autoren dieses Wahnsinns vom Tisch. Batman reist in die Festung der Einsamkeit? *check* Und klaut den Phantomzonenstrahler? *check* In der Festung feiert die Justice League rauschende Helden-Partys und keiner will Batman dabei haben? *check* Das Warner-Bros.-Universum ist größer als DC? *check* – Lord Voldemort aus (Warners) Harry-Potter-Welt taucht ebenso auf wie Sauron aus (Warners) Herr der Ringe auf. All diese Schurken findet Joker in der Phantomzone und holt zum Rundumschlag aus. Der dauerfröhliche Robin und die schlagkräftige Barbara Gordon aka Batgirl reißen Batman gerade rechtzeitig aus dessen Lethargie, denn ohne einen Hang zur Geselligkeit – ohne Familie – könnte Batman Gotham dieses mal nicht retten.

Und so feiert das große Finale dann erstmals in diesem Film die hehren Werte der Family values in einer Art, wie sie dem Fassungsvermögen unserer Kleinsten entspricht. Da sind plötzlich Freund und Feind Freund, um gemeinsam die gemeinsame Lebensgrundlage der ewigen Feindschaft, die Stadt Gotham, zu retten. Das ist moralisch und pathetisch so schmerzhaft, dass man schreien wollte – wäre man sich denn nur sicher, dass das Pathos wirklich nur einfach kindgerecht sein soll – aber es steckt eben auch eine tiefere Wahrheit dahinter; immerhin bekämpfen sich Batman und Joker auch schon seit 70 Jahren. Und was wäre denn Batman ohne seine andauernden Erzfeind? Es ist die Meta-Ebene der Meta-Ebene.

Und eine Batman-Figur, die das Comic feiert und die Depression überwunden hat. Das gilt jetzt nur für die Lego-Welt – aber vielleicht überträgt sich der heilende Virus auf die Welt des DC Extended Universe, in der (Fleisch-und-Blut-)Batman als nächstes die Justice League gründen wird – mit Misanthropie wird er da nicht weit kommen. Wie sagt das Plakat: „Sei immer Du selbst. Außer Du kannst Batman sein!“

Wertung: 7 von 8 €uro