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Plakatmotiv: Solo für 2 (1984)
Ein grandioses Solo
für Steve Martin
Titel Solo für 2
(All of Me)
Drehbuch Henry Olek + Phil Alden Robinson
nach dem Roman „Me Two“ von Edwin Davis
Regie Carl Reiner, USA 1984
Darsteller Steve Martin, Lily Tomlin, Victoria Tennant, Madolyn Smith Osborne, Richard Libertini, Dana Elcar, Jason Bernard, Selma Diamond, Eric Christmas, Gailard Sartain, Neva Patterson, Michael Ensign, Peggy Feury, Nan Martin, Basil Hoffman u.a.
Genre Komödie
Filmlänge 93 Minuten
Deutschlandstart
5. April 1985
Inhalt

Der frustrierte Anwalt Roger Cobb möchte gerne Musiker werden. Er hat eine Beziehung mit der Tochter seines Chefs. Die Millionärin Edwina Cutwater ist todkrank. Sie hinterlässt ihr Vermögen testamentarisch Terry Hoskins, der Tochter ihres Stallknechts. Cobb hilft bei der Formulierung des Testaments.

Cutwater hat den Guru Prahka Lasa beauftragt, ihre Seele in Terrys Körper zu verpflanzen. Durch einen Fehler des Gurus gelangt Cutwater in Cobbs Körper und dort allerdings auch nur die Kontrolle über dessen rechte Körperhälfte, Cobb selbst kontrolliert weiterhin seine linke Seite. Widerstrebend müssen sich die beiden Seelen in Cobbs Körper arrangieren. Und dann stehen zwei Dinge an: Sie müssen den Guru finden, derim Hotel nicht ans Telefon geht, aber auch am Flughafen nicht ist. Und dann müssen sie Hoskins dazu bewegen, einen zweiten Versuch mit der Seelenwanderung zu machen.

Plakatmotiv (US): All of Me – Solo für 2 (1984)Es stellt sich heraus, dass diese dem „Budenzauber“ nur zugestimmt hat, weil sie nicht an den Erfolg glaubte, und es lediglich auf das Vermögen von Cutwater abgesehen hatte. Nun versucht sie alles, um die Vollendung des Seelentausches zu verhindern …

Was zu sagen wäre

Körpertausch-Komödien gehören im Hollywood-Kino zum Repertoir. Sohn tauscht mit Mutter, Tochter mit Vater, Macho mit Emanze – der Modelle gibt es viele und sie laufen alle auf das Ziel hinaus, das die zu Beginn widerstreitenden Parteien sich am Ende besser verstehen. Das ist mal rührend, mal doof, nie das große Kino, meist ordentlicher Sapstick. Aber das Subgenre ist nicht tot zu kriegen.

Wie schön, dass Carl Reiner und Steve Martin was Neues probieren. Und damit Erfolg haben. Hier funktioniert der Körpertausch nur halb. Es folgt der grandioase Auftritt eines zum Niederknien guten Clowns. Ja ja, auch hier lernt eines versnobte Misanthropin das Leben mit Menschen lieben, auch hier lernt ein Mann aus kleinen Verhältnissen, dass reich sein nicht immer gleichbedeutend ist mit schlecht sein, auch lernt ein Mann die Frau und die Frau den Mann besser kennen.

Aber vor allem zeigt uns Steve Martin in einer Solonummer („Der Mann mit zwei Gehirnen“ – 1983; „Tote tragen keine karos“ – 1982; „Reichtum ist keine Schande“ – 1979), wie sich Frau und Mann in einem Männerkörper streiten und wie das dann für die Außenwelt aussieht. Was Steve Martin hier vorführt, ist die ganz große Kunst des Clowns. Timing, Körperbeherrschung, Selbstverleugnung, das alles bietet Martin in grandiosen Szenen.

Weil zwischendurch auch die Filmkomödie komische Momente braucht, diskutiert sie am Beispiel eines mächtigen Anwalts im Scheidungsprozess, welche unterschiedlichen Ansichten es geben kann, wenn ein Mann mit lauter Frauen fremd gegangen ist und diesen teure Geschenke gemacht hat – ist das Ehebetrug? Oder doch das sozial motivierte Witwen trösten? Oder vögelt er gar gewinnorientiert im Sinne seiner Gattin?

Die formelhaften Erzählungen aus Hollywoods Kommerzkino geraten in Bewegung. Also, ganz langsam natürlich. Es fällt auf, dass den weiblichen Charakteren in Filmen etwas mehr Respekt gezollt wird, auch die durchschnittliche Love Interest bekommt nun nicht gerade ein eigenständiges, von Männern unabhängiges Leben ins Drehbuch geschrieben. Aber immerhin haben Mann und Frau nicht mehr einen als normal verkauften Altersunterschied von 25 Jahren, und er führt sie auch nicht in der dritten gemeinsamen Szene ins Bett.

Das fällt auf – am Rande. Im Zentrum steht Steve Martin mit seiner großartigen Performance.

Wertung: 7 von 9 D-Mark
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