Plakatmotiv: Das Todesspiel (1988)
Die Zeit des Harry Callahan ist vorbei.
Die Welt ist eine andere geworden.
Titel Dirty Harry – Das Todesspiel
(The Dead Pool)
Drehbuch Steve Sharon + Durk Pearson + Sandy Shaw
mit Charakteren und Material von Harry Julian Fink + Rita M. Fink
Regie Buddy Van Horn, USA 1988
Darsteller Clint Eastwood, Patricia Clarkson, Liam Neeson, Evan C. Kim, David Hunt, Michael Currie, Michael Goodwin, Darwin Gillett, Anthony Charnota, Christopher P. Beale, John Vick, Jeff Richmond, Patrick N. Van Horn, Sigrid Wurschmidt, Jim Carrey u.a.
Genre Acton, Thriller
Filmlänge 91 Minuten
Deutschlandstart
19. Januar 1989
Inhalt

Regisseur Peter Swan hat ein Spiel erfunden, bei dem er und sein Filmteam auf den Tod bekannter Personen wetten, die nicht ganz ungefährlich leben. Die sogenannte „Todesliste“ ist im Besitz jedes seiner Mitarbeiter. Doch das Spiel wird blutiger Ernst, als der Hauptdarsteller von Swans neustem Film, der Rockstar Johnny Squares, und sein Produktionsleiter ermordet werden.

Nun muss sich der altgediente Inspektor Harry Callahan mit dem Fall auseinandersetzen. Harry findet schnell heraus, dass auch er in Gefahr ist, da sein Name ebenfalls auf der Liste ist. Zusätzlich trachten ihm auch noch die Killer eines Mafiabosses, der gerade durch seine Aussage verurteilt wurde, nach dem Leben. Während er dem Täter auf der Spur ist, werden immer wieder Anschläge auf ihn verübt, denen er meist nur um ein Haar entgehen kann. Nach dem Mord an einer Filmkritikerin ist Harry der Nächste im Visier des Mörders …

Was zu sagen wäre

Harry Callahan ist ja schon immer überzeugt gewesen, dass die Welt wahnsinnig ist. Früher waren es breitärschige Bürokraten im Chefsessel oder friedensbewegte Politiker von der verhassten Ostküste, die meinten, Penner, die mit Waffen auf Leute losgehen, seien irgendwie durch die Verfassung geschützte Leute, die Rechte haben. Davon war er 1971 nicht überzeugt, davon ist er heute nicht überzeugt. Killer, die ihn angreifen, erschießt er, ohne lange zu fragen Wer und Warum. Und wenn sie flüchten, schießt er ihnen halt auch in den Rücken – anders als sein junger Partner mit asiatischen Wurzeln, der die Punks mit ein paar gezielten Tritten ausschaltet.

Heute ist die Welt noch wahnsinniger, als vor 17 Jahren. Heute wollen alle ins Fernsehen und gehen dafür über Leichen – und sei es die eigene. Seine Welt ist das schon lange nicht mehr. Sein befremdeter Blick auf sie ist Clint Eastwoods Blick auf diese Welt, in der Filme mit bizarren, blutigen Special Effects die großen Budgets bekommen und der Kriminalfilm, sein Genre, zur TV-Serie verschnurrt wird.

Die Serie um Harry Callahan hat sich ein neues Thema gesucht: die Medien. Fernsehen, Film und die Sucht nach Ruhm. Die Beschäftigung mit diesem hochaktuellen Thema lässt die eigentliche Mörderjagd zu einem notwendigen Erzählübel werden. Callahan sieht sich plötzlich als Medienliebling missverstanden, weil er einen Mafiaboss hinter Schloss und Riegel gebracht hat. Früher, vielleicht etwa vor 17 Jahren, hätte der Mafioso entweder seine Anwälte nach einem Verfahrensfehler schnüffeln lassen oder seine Killer geschickt, damit Callahan nicht vor Gericht die entscheidende Aussage machen kann. Heute schickt er Killer, die Regisseur Buddy Van Horn, im Hauptberuf Stuntman, im Zehn-Minuten-Rythmus rumballern und sterben lässt, und macht sich dann vor Angst in die Hose, weil Callahan eine Drohung ausspricht und schickt ihm Leibwächter hinterher, auf dass Callahan nicht passiert, aif dass dem Mafiosi nichts passiert. Die Welt ist wahnsinnig. Mafiabosse sind Hosenscheißer, die Medien haben die Macht übernommen.

Das Police Department, sonst Callahans ernsthaftester Gegner, ist jetzt sein Freund, weil die Medien ihn lieben; das sei gut fürs Image. Callahan/Eastwood schaut sehr befremdet ob dieser Entwicklung, die seine Arbeit behindert. Er lernt die Reporterin Samantha Walker kennen, die erst Prototyp jener Blut-und-Sperma-Jäger ist, sich dann zu Callahans Love Interest entwickelt – ihre Darstellerin Patricia Clarkson (Die Unbestechlichen – 1987) ist 29 Jahre(!) jünger als er – und dann am eigenen Leib erfährt, wie es ist, im Fokus der Die-Öffentlichkeit-hat-ein-Recht-alles-zu-erfahren-Meute zu stehen. Einer steckt sich sogar in Brand, um endlich die Beachtung der Öffentlichkeit zu finden.

Und die Filmkritiker, die mit den Dirty-Harry-Filmen nie sonderlich gnädig waren, bekommen auch ihr Fett ab.

Callahan/Eastwood schaut sich das Treiben der Irren da draußen mit einer gewissen Skepsis, mit Befremden an. Killer, die ihn mit einem ferngesteuerten Modellauto quer durch die Straße San Franciscos jagen, sind nicht mehr seine Welt. Wie gut, dass er am Ende, als der Serienkiller mit der Todesliste ihm seine 44. Magnum weggenommen hat, nochmal beweisen kann, dass allein die Größe zählt – Harry Callahan sich also einfach eine größere Wumme besorgt, um während der Schlusstitel mit seiner neuen Freundin, der Reporterin, in den Abend spazieren zu können.

Seine Zeit ist vorbei.

Wertung: 5 von 8 D-Mark