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Plakatmotiv: Die Schwestern des Bösen
Bei Siamesischen Zwillingen wird Handlung
Nebensache einer effektvollen Inszenierung
Titel Die Schwestern des Bösen
(Sisters)
Drehbuch Brian De Palma + Louisa Rose
Regie Brian De Palma, USA 1972
Darsteller Margot Kidder, Jennifer Salt, Charles Durning, William Finley, Lisle Wilson, Barnard Hughes, Mary Davenport, Detective Kelly, Bobby C. Collins
Genre Thriller
Filmlänge 93 Minuten
Deutschlandstart
19. August 1977
Inhalt

In der Hoffnung auf eine heiße Nacht folgt ein junger Mann dem Fotomodell Danielle Breton nach Hause. Als er am Morgen in Danielles Appartement erwacht, wird er bestialisch ermordet. Die Journalistin Grace Collier beobachtet den Mord vom gegenüberliegenden Fenster aus, doch die alamierte Polizei findet keine Spuren.

Plakatmotiv: Die Schwestern des BösenCollier beauftragt den Privatermittler Joseph Larch mit weiteren Nachforschungen. Larch findet heraus, dass Breton einen siamesischen Zwilling hatte, von dem sie getrennt wurde – Dominique. Angeblich starb Dominique dabei …

Was zu sagen wäre

Der junge Regisseur Brian De Palma macht keinen Hehl daraus, ein großer Bewunderer des Werks von Alfred Hitchcock zu sein. So erklärt sich einerseits seine generelle Lust auf vertrackt konstruierte Thriller sowie andererseits seine Lust, dem britischen Regisseur in ganzen Szenen seine Reverenz zu erweisen.  Eine in jeder Facette logisch aufgebaute Story ist De Palma – ähnlich wie seinem großen Vorbild – weniger wichtig, als perfekter Szenenaufbau.

DePalma schert sich nicht ums Timing. Da fahren Grace, die Zeugin, und ihre Mutter minutenlang mit dem Auto für eine Strecke, die das spätere Opfer am Morgen eben mal schnell zu Fuß erledigt hat. Aber De Palma braucht diese Szene, um die familiäre Situation der Journalistin und die sie fesselnden Zwänge zu beschreiben und das gelingt hier besser, als in aufwändig, aber die Story bremsenden Situationskonstruktionen.

Später steigt der engagierte Privatdetektiv Larch in Danielles Wohnung ein und wir im Kinosessel werden an den Fingenägel kauend an Hitchcocks „Rear Window“ erinnert.

Plakatmotiv: Die Schwestern des BösenIn seinen besten Momenten greift der Film seinem Zuschauer direkt an die Kehle, musikalisch unterstützt von Hitchcocks Haus- und Hofkomponisten Bernard Herrmann.

Es beginnt ein wenig lahm, wenn TV-Sternchen Danielle einen Statisten verführt, mit aufs Zimmer nimmt, sich ihrem (angeblichen) Ex-Mann widersetzt. Das dauert alles und man fragt sich, wo das hinführen soll – als es in einem brutalen, ausgesprochen blutigen Mord endet. Das ist im Hollywoodkkino des Jahres 1972 durchaus ungewöhnlich, dass eine Weiße einen Schwarzen verführt, der dann bei ihr die Nacht verbringt; prompt muss der der Schwarze dafür schmerzhaft bluten und büßen.

De Palma setzt hier eine Technik namens Split-Screen ein, das heißt, er teilt das Bild auf der Leinwand in zwei Hälften – rechts sehen wir den Todeskampf des Opfers, links sehen wier, wie das die Nachbarin von gegenüber aus ihrem Fenster sieht; eine ebenso gruselige wie verstörende Situation, weil sich die Töne mit anhaltender Dauer der Szene nicht mehr zuordnen lassen.

Dennoch denkt die Polizei zunächst gar nicht daran, beim 911-Notruf „Murder“ sofort loszurasen. Sie benimmt sich wie bei Alfred Hitchcock ein wenig bräsig. Immerhin gibt De Palma ihr dafür einen Grund, indem die Zeugin eine Journalistin ist, die immer wieder Artikel gegen Polizeigewalt schreibt.

Die Story ist anheimelnd vertrackt, stellt sich aber dennoch ein Bein – schon im Titel. Es gibt Schwestern? Spätestens, wenn von Zwillingen, ja gar von Siamesischen Zwillingen die Rede ist, kann sich der Zuschauer gut einen Reim auf die Lösung des Falls machen.

De Palma braucht aber diese Story eben auch nur, um großartige Szenen zu generieren mit fließenden Kamerabewegungen, blutigen Überraschungen aus dem Nichts und schicksalshaften Wendungen, die die Handlung insgesamt zur Nebensache, zu einem spannenden Vehikel großartiger Insezenierungen macht.

Wertung: 5 von 7 D-Mark
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