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Plakatmotiv: Der Tod kommt zweimal (1984)
Viel Erzähltechnik,
wenig Erzählung
Titel Der Tod kommt zweimal
(Body Double)
Drehbuch Robert J. Avrech + Brian De Palma
Regie Brian De Palma, USA 1984
Darsteller Craig Wasson, Gregg Henry, Melanie Griffith, Deborah Shelton, Guy Boyd, Dennis Franz, David Haskell, Rebecca Stanley, Al Israel, Douglas Warhit, B.J. Jones, Russ Marin, Lane Davies, Barbara Crampton, Larry Flash Jenkins u.a.
Genre Thriller
Filmlänge 114 Minuten
Deutschlandstart
25. Januar 1985
Inhalt

Jake Scully tritt als Schauspieler in B-Movies auf. Als er in einem Horrorfilm einen Vampir spielen soll und während des Drehs in der Kulisse einer Gruft einen Anfall von Klaustrophobie erleidet, wird er vom Produzenten nach Hause geschickt. Zu Hause angekommen erwischt er seine Lebensgefährtin in flagranti mit einem anderen Mann im Bett. Wenig später erfährt er von seinem Agenten, dass er aus dem Horrorfilm gestrichen wurde.

Da Jake nun keine Unterkunft mehr hat, bittet er einen Schauspielkollegen, vergeblich, um Hilfe. Den Hilferuf bekommt jedoch dessen Bekannter Sam Bouchard mit und bietet Jake eine exklusive Bleibe eines Bekannten an, auf die Sam eigentlich aufpassen soll, der jedoch verreisen muss: ein futuristisches Haus mit Ausblick auf die Hollywood Hills. Um ihm den Aufenthalt noch angenehmer zu gestalten zeigt Sam Jake durch ein Fernrohr eine Nachbarin, die sich täglich um die gleiche Zeit entkleide. Als Jake am nächsten Tag erneut durch das Fernrohr schaut, bestätigt sich dies. Allerdings fällt ihm dabei auch ein Indianer auf, der die Frau ebenfalls beobachtet.

Tags darauf sieht Jake, dass der Indianer der Frau, als sie ihre Wohnung verlässt, folgt. Jake nimmt seinerseits die Verfolgung auf und beobachtet die beiden. Er kann in der Stadt allerdings nicht verhindern, dass die Frau ihrer Handtasche beraubt wird. Als der Täter in einen Tunnel flieht, muss Jake seine Verfolgung aufgrund seiner Klaustrophobie aufgeben. Der Dieb entnimmt der Handtasche lediglich eine Karte und lässt den Rest zurück. Die Bestohlene, die sich als Gloria Revelle vorstellt, führt Jake aus dem Tunnel. In einem romantischen Moment kommt es zwischen den beiden zu einem leidenschaftlichen Kuss.

Als Gloria am Abend von einem Polizisten nach Hause begleitet wird, sieht Jake einen Einbrecher, augenscheinlich den Indianer, in ihrer Wohnung. Er versucht vergeblich Gloria telefonisch zu warnen, denn der Indianer versucht sie zeitgleich mit der Telefonschnur zu erwürgen. Jake rennt aus dem Haus und eilt zu Gloria. Zwei Jogger, die ihm unterwegs begegnen, bittet er kurzerhand ihm zu folgen. Jake schafft es nicht rechtzeitig bei Gloria einzutreffen und sie zu retten; er muss mitansehen, wie sie mit einer großen Bohrmaschine brutal ermordet wird.

Der in dem Fall ermittelnde Detective Jim McLean hat von Beginn den Ehemann der vermögenden Gloria im Verdacht. Aufgrund Jakes Zeugenaussage, einen Indianer beim Mord gesehen zu haben, kann er dem Ehemann jedoch nichts nachweisen. Als Jake nachts zufällig im Fernsehen einen Ausschnitt aus einem Pornofilm sieht, fällt ihm auf, dass sich die Hauptdarstellerin Holly Body auf die gleiche Art und Weise auszieht, wie die von ihm durchs Fernrohr beobachtete Nachbarin. Daraufhin besucht er ein Casting ihrer Produktionsfirma und erhält eine Rolle in einem Film mit ihr.

Plakatmotiv: Der Tod kommt zweimal (1984)Als sie sich auch außerhalb des Filmsets näherkommen, erfährt er von ihr, dass sie für zwei Abende für den von ihm beobachteten Striptease engagiert wurde. Jake zählt eins und eins zusammen, und als er zufällig Sam am Telefon hat, lässt er Holly ihn als denjenigen identifizieren, von dem sie den Auftrag für die Stripteaseeinlagen erhalten hatte …

Was zu sagen wäre

Boah … was'n Brett. Brian De Palma legt den ultimativen Technikfilm vor. Die Story? An den Haaren herbeigezogen. Aber trotzdem sitzen wir im Kinosessel und wissen weder ein noch aus vor lauter Spannung. Guckt man sich diesen Film aber ein zweites Mal an, ist er so durchsichtig, wie der Seidenslip, der in diesem Film eine gewichtige Rolle spielt. Aber es gilt natürlich der erste Blick. Da liefert Brian De Palma bestes Fingernägelkau-Kino.

Beim zweiten Blick bleibt nichts, was noch erwähnenswert wäre. Während Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum, Leones Spiel mir das Lied vom Tod, Spielbergs Weißer Hai auch beim zehnten Blick noch interessant ist, ist „Body Double“ sehr rasch auserzählt: eine supertolleextraordinäre Achterbahnfahrt. Und dann geht man aber auch ins nächste Bierzelt. Prost. Die handwerklichen Schludrigkeiten sind evident: Der Bildschnitt, nachdem Jake seine Freundin beim Sex mit einem anderen erwischt, ist ziellos: Er guckt betroffen. Sie guckt, als wolle sie ihm nun erst recht noch einen einschenken. Aber statt dessen franst die Szene einfach aus; mit Schauspielern hat es De Palma offenbar nicht so: „Ihr Gesicht hat geglüht.“ sagt Jake später. In der entsprechenden Szene sieht man kein Glühen.

Später schaut Jake Scully seiner „Nachbarin“ durchs Fernglas zu, die einen Strip vollführt (und im mitteleuropäischen Kinosessel frage ich mich, welche Frau tut so etwas, wenn augenscheinlich niemand zuschaut? Und warum wundert sich Jake nicht ebenso?). So thrilling der Film ist, bleibt er ein Konstrukt: De Palma, ein erklärter Fan des Hitchcock'schen Suspense, übersieht, dass die Kinozuschauer sich weiter entwickelt haben – Hitch war modern in den 40er, 50er Jahren, und damals war seine Erzähltechnik neu. Wenn De Palma ihn in den 80er Jahren einfach interpretiert, wirkt das wie ein Regisseur in der Zeitschleife, der sein älter gewordenes Publikum aus den Augen verloren hat.

Ich muss De Palmas Kunst zugute halten, dass er Bilder schafft, Schärfe-Unschärfe-Situationen, Plansequenzen, dass er grundsätzlich weiß, wie Kino im ausgehenden 20. Jahrhundert funktioniert. Aber es fehlt ihm die spannende Geschichte. Jake leidet unter Platzangst, ist also der Cousin von James Stewarts Cop aus Hitchcocks Vertigo, der unter Höhenangst litt und dabei diverse Frauen durcheinander bekam; in gewisser Weise ist „Body Double“ nur eine Zweitverwertung von Vertigo – wie ein gefüllter Kaffeefilter, der nochmal eingesetzt wird. Und auf dem Höhepunkt der Hitchcock-Epigonie wird Bei Anruf Mord amüsant neu interpretiert.

De Palmas Film ist Achterbahn – inhaltlich leer, aber inszenatorisch wirkungsvoll. Aber dann spiegelt sich das Kamerateam im Spiegel einer sich schließenden Tür??? Ist das Kunst oder kann das weg? Da wird der an Story arme, an Effekten reiche Film endgültig zum Problem: Die Geschichte, also die Charaktere in dieser Geschichte interessieren De Palma nicht wirklich und ganz nebenbei erzählt der Film über das Drama, Filme zu besetzen – das Drama, in dem einfache Mädchen und Jungen Weltstars werden wollen, aber von Produzenten und Stimmungen abhängig sind. Schließlich explodiert der Film in lauter Träumchen, die zerplatzen.

<Nachtrag1995>Mit dem Abstand von zehn Jahren ergibt der Film so gar keinen Sinn mehr. Aber die Kunst des Spannung-um-der-Spannung-willen-Thrillers beherrscht De Palma großartig.</Nachtrag1995>

Wertung: 6 von 9 D-Mark
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