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Plakatmotiv: A Star is born (2018)
Bradley Cooper und Lady Gaga
verschmelzen Kino und Musik
Titel A Star is born
(A Star is born)
Drehbuch Eric Roth + Bradley Cooper + Will Fetters
nach einer Geschichte von William A. Wellman + Robert Carson
Regie Bradley Cooper, USA 2018
Darsteller Lady Gaga, Bradley Cooper, Sam Elliott, Andrew Dice Clay, Rafi Gavron, Dave Chappelle, Marlon Williams, Brandi Carlile, Ron Rifkin, Barry Shabaka Henley, Michael D. Roberts, Michael Harney, Rebecca Field, Alec Baldwin u.a.
Genre Drama, Musik
Filmlänge 136 Minuten
Deutschlandstart
4. Oktober 2018
Inhalt

Längst sind die großen Zeiten des einstigen Country Stars Jackson Maine vorbei, in denen er gigantische Hallen füllte und die Massen zum Jubeln brachte. Seine mittlerweile stagnierende Karriere bringt ihn mehr schlecht als recht über die Runden.

Das ändert sich, als er eines Tages die talentierte Nachwuchssängerin Ally kennenlernt und sich beinah schlagartig in sie verliebt. In ihr scheint er nicht nur sein privates Glück gefunden zu haben, sondern auch eine neue berufliche Perspektive, denn Allys Musik zieht die Menschen ebenso in ihren Bann, wie es einst Jacksons tat.

Bald überflügelt Allys Karriere die von Jackson um Längen – ein Zustand, der dem einstigen Superstar stärker zusetzt, als er selbst erwartet hätte, und die junge Liebe der beiden auf eine harte Probe stellt …

Was zu sagen wäre

Die Frage Warum schon wieder diese Geschichte?, nachdem sie schon dreimal auf der Leinwand erzählt worden ist (1937, 1954, 1976), stellt sich nicht mehr ernsthaft. This is Hollywood, Darling. Da wird produziert, was sich verkauft und A Star is Born ist eine eingeführte Marke und Lady Gaga, eine der angesagtesten Popkünstlerinnen der laufenden Dekade, in der Hauptrolle Argument genug.

Bevor ich meinen Zynismus im Kinosessel so richtig ausleben kann, bin ich scon verstummt und den Tränen nahe. Nicht nur klingt Bradley Cooper gleich in der ersten Szene als Rockstar Jackson Maine – er singt selbst – ein bisschen wie Jim Morrison für The Doors (und ich gebe zu, dass ich von Musik nicht wirklich Ahnung habe). Sobald Cooper auf Lady Gaga trifft, knistert die Leinwand, die Chemie zwischen den beiden ist Wohlfühlkino.

Plakatmotiv: A Star is born – Lady Gaga ist Ally (2018)Sie haben sich gerade kennengelernt und wir wissen schon, dass sie eine leidenschaftliche Liebe verbinden wird (das gehört in diesem A-Star-is-Born-Kosmos ja zwingend dazu), da verbringen sie die Nacht auf einem Begrenzungsstein auf einem Parkplatz vor einem dieser 24/7-Supermärkte. Sie reden, sie singt, sie kommen sich näher. Die Szene ist so schön, dass spätere Schwächen in der Nachbetrachtung gleich wider vergessen sind.

Zumal es weitere solcher Szenen gibt. Warum liebe ich Kino? Weil ich mich gerne von Emotionen mitreißen lasse. Als Ally zum ersten mal auf großer Bühne einen ihrer Songs präsentiert, auf spontane Einladung Jacksons, und sie schüchtern loslegt und Jacksons Band, die den Song nur oberflächlich und die Sängerin aber gar nicht kennt, sofort den Groove findet, ist das eine Gänsehautszene. Sie ist das auch, weil Bradley Cooper, der hier zum ersten Mal auch Regie führt, zeigt, dass er das Momentum eines solchen Auftritts verstanden hat: wie er überhaupt erstaunliche Souveränität ausstrahlt – vor und hinter der Kamera.

Die ersten zwei Drittel des Films, in denen das Drama noch abwendbar scheint, der Film also vor allem Spaß macht, weil er mich mit in die Welt der erfolgreichen Künstler, der abgedrehten Stars nimmt, wirken, als habe der Regisseur Bradley Cooper eine Wohlfühlzone für alle Beteiligten geschaffen. Nichts wirkt da angestrengt, anstrengend oder kompliziert.

Lady Gaga, der große MegaSuperStar aus dem Radio, spielt ihre Rolle so natürlich, als wäre sie dieses Mädchen mit dem Talent, der Sehnsucht, dem großen Herzen. Ihre Ally ist von jenem Powerstar Lady Gaga, der sich einst ein Kleid aus rohem Rindfleisch überstreifte, so weit entfernt, wie ihre frühere Kollegin Madonna von einem Oscar; anders als diese aber offenbart Gaga schauspielerische Qualitäten.

Singen als Botschaft. „Sing, was Du zu sagen hast!“ ist die Triebfeder der Künstlerinnen und Künstler in diesem Film. Und da fängt es an, kompliziert zu werden. Während sich Jack und sein Halbbruder über diese Frage in eine existenzielle Krise getrieben haben, lässt sich Ally, nachdem sie ihre ersten Songs mit Jack performt hat, von einem Produzenten managen, der ihr so ein Hupfdolen-Image verpasst, wie es Janet Jackson ein paar Jahre erfolgreich verkaufte. Mit Tänzerinnen im Bühnenhintergrund und jeder Menge Synthesizer. Das hat nur gar nichts mehr mit dem „… was Du zu sagen hast“ zu tun; es irritiert mich, dass Ally das nicht auffallen will.

Plakatmotiv: A Star is born – Bradley Copper ist Jackson Maine (2018)Denn Jackson Maine verzweifelt daran fast noch mehr, als an seinem eigenen, Tinitus- und in der Folge alkoholbedingt, sinkenden Stern. Würde Ally, die ihren Mann aufrichtig liebt, sich und ihre Danceperformance-Kunst nicht hinterfragen?

Ich habe von Musik nicht so viel Ahnung und vielleicht ist Soul, also das Singen darüber, was man empfindet, was aus der Seele kommt, manchmal auch einfach gute Dancemusic. Und wäre da nicht der Song „Shallow“, den Lady Gaga für diesen Film beigesteuert hat, würde ich wahrscheinlich sagen: Ja, manchmal ist Soul auch einfach Dancefloor.

Dafür aber ist „Shallow“ zu schön, zu gut, zu – für diesen Film – programmatisch. „Tell me something girl, are you happy in this modern world?“, fragt er sie. „Tell me something boy, aren’t you tired tryin' to fill that void?“, fragt sie ihn. Das ist das Drama dieses Films in zwei Sätzen zusammengefasst. Zudem: Wer Lady Gaga bisher lediglich als Pop-Tante abgetan hat (Stichwort Kleid aus rohem Rindfleisch), wird hier über den Umfang des Stimmvolumens der Lady belehrt. Kulturkritiker bescheinigen dem Song Hitqualitäten, wie es zuletzt Whitney Houston für Bodyguard (1992) mit einem Filmsong geschafft hat.

Als das Drama des aufstrebenden Sterns und des alkoholisch stolpernden Stars 1937 zum ersten Mal auf die Leinwand kam, spielte es in der Filmbranche. In den weiteren Verfilmungen haben die Studios, als seien sie über ihren brancheneigenen Zynismus verschreckt, es ins Musikgeschäft verlegt. Seitdem gilt: Das Showbusiness übt eine Anziehungskraft aus, der der Mensch nicht stand halten kann. Sei es, weil er liebt, sei es, weil er die Liebe der Massen mit wahrer Liebe verwechselt.

Liebe hin, Leidenschaft her: Bradley Cooper als Regisseur/Schauspieler und Lady Gaga als Musikerin/Schauspielerin zeigen in diesem Film, wie unprätentiös sich beide Gerwerke verbinden lassen.

Wertung: 7 von 8 €uro
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