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Plakatmotiv: Ein Schuss im Dunkeln (1964)
Slapstik at
at its best
Titel Ein Schuss im Dunkeln
(A Shot in the Dark)
Drehbuch Blake Edwards + William Peter Blatty
nach dem Bühnenstück „Die aufrichtige Lügnerin“ von Marcel Achard in der englischsprachigen Bearbeitung von Harry Kurnitz.
Regie Blake Edwards, UK, USA 1964
Darsteller Peter Sellers, Elke Sommer, George Sanders, Herbert Lom, Tracy Reed, Graham Stark, Moira Redmond, Vanda Godsell, Maurice Kaufmann, Ann Lynn, David Lodge, André Maranne, Martin Benson, Burt Kwouk u.a.
Genre Komödie
Filmlänge 102 Minuten
Deutschlandstart
4. März 1965
Inhalt

Als der Fahrer des Millionärs Benjamin Ballon erschossen gefunden wird, scheint der Täter schnell gefunden zu sein, denn das Haumädchen Maria wird mit der Waffe in der Hand gefunden. Eigentlich ein klarer Fall, nicht aber für Inspektor Closeau, der Maria – ohne Begründung – für unschuldig hält.

Plakatmotiv: Ein Schuss im Dunkeln (1964)Er ist sich sicher: Wenn er sie laufen lässt, wird sie ihn zum wahren Täter führen. Um ihr unerkannt folgen zu können schlüpft er in alle möglichen und unmöglichen Verkleidungen und bleibt ihr auf der Spur.

Trotzdem kommt es weiter zu Morden, und immer ist Maria dabei die Hauptverdächtige …

Was zu sagen wäre

Blake Edwards rückt eine Nebenfigur ins Zentrum und gebiert eine große Komödie. Peter Sellers, der Inspector Clouseau aus Edwards' Der rosarote Panther, muss sich nicht mehr als Mosaiksteinchen in eine Haupthandlung einfügen; er ist die Haupthandlung. Die Morgeschichte drumherum ist notwendiges Beiwerk, um Sellers Kampf mit der Tücke des Objekts auf neue Spitzen zu treiben – ob Billardkö, Schubladenschlüssel, eine zufallende Tür oder der Besuch in einem Nudistencamp, stets lauert die Katastrophe – die kleine wie die große – hinter dem nächsten Bildschnitt.

Eine Verbindung zum Vorgängerfilm hat „Ein Schuss im Dunkeln“ nicht. Kein Diamant, keine untreue Ehefrau, keine Prinzessin. Neue Figuren treten auf, die das Umfeld des ganz und gar unfähigen Inspektors beleben: sein Chef Dreyfus, der nervöses Augenzucken bekommt, wenn er an seinen Inspektor nur denkt, Clouseaus Assistent Hercule, der stoisch alle Beleidigungen und dummen Belehrungen seines Vorgesetzten erträgt – Graham Stark macht aus diesem Hercule eine wunderbare Beamten-Miniatur – und sich augenscheinlich seinen Teil nur denkt, und schlielich noch Kato, Clouseaus Diener, der ihn immerzu angreift, damit Clouseau sich in Karate und gegen Überfälle zu wehren trainieren kann.

Plakatmotiv (US): A shot in the Dark (1964)Das gezeigte Chaos, das ganz und gar künstlich ist und keinen Bezug zur gelebten Realität draußen vor dem Kino beansprucht, wird zusammengehalten von der ordnenden Hand Blake Edward's, der hier wunderbar ein Gespür für Situationen und ihre Möglichkeiten beweist, ohne auf eine logische Auflöung zu dringen.

Mehrmals landet der Inspektor selbst im Gefängnis, weil er Verdächtige beschattet hat, indem er sich als Straßenmaler oder Ballonverkäufer – jeweils ohne Lizenz – verkleidet, einmal, weil er nackt aus einem Nudistencamp fliehen muss und glaubt, mit seinem Auto ungesehen nach Hause zu kommen; prompt verkeilt er sich – mit der ebenfalls nackten Elke Sommer auf dem Beifahrersitz – in den engen Gassen der Stadt in einem unauflösbaren Stau.

Wie er jedesmal aus dem Gefängnis wieder raus kommt, bleibt unerzählt, wohl deshalb, weil Sellers und Edwards dafür kein Gag eingefallen ist – warum es also erzählen? Hauptsache, Clouseau kommt wieder raus und kann weiter über Tische und Assistenten stolpern.

Dieser Film ist die Rückkehr des großen Slapstick-Spaßes, der mit Laurel & Hardy, Buster Keaton und Charles Chaplin ausgestorben schien, und eine tiefe Verbeugung vor dem Großmeister des Scheiterns am Objakt, Jacques Tati – einem Landsmann Clouseaus.

Wertung: 6 von 7 D-Mark
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