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Kinoplakat: Sabrina (Billy Wilder, 1954)
Eine Gesellschaftskomödie
mit unausgegorener Besetzung
Titel Sabrina
(Sabrina)
Drehbuch Billy Wilder + Samuel A. Taylor + Ernest Lehman
nach dem gleichnamigen Theaterstück von Samuel A. Taylor
Regie Billy Wilder, USA 1954
Darsteller Humphrey Bogart, Audrey Hepburn, William Holden, Walter Hampden, John Williams, Martha Hyer, Joan Vohs, Marcel Dalio, Marcel Hillaire, Nella Walker, Francis X. Bushman, Ellen Corby u.a.
Genre Romanze, Komödie
Filmlänge 113 Minuten
Deutschlandstart
16. November 1954
Inhalt

Linus und David Larrabee sind Söhne einer wohlhabenden Familie auf Long Island. Linus, der ältere, geht ganz in seiner Arbeit auf. Er ist damit ausgelastet, das Familienunternehmen zu führen, und hat keine Zeit für eine Frau oder eine eigene Familie. David ist ein Lebemann, der zwar offiziell im Familienunternehmen angestellt ist, sich aber nicht viel aus der Arbeit macht. Er war bereits dreimal verheiratet und lässt keine gesellschaftliche Veranstaltung aus.

Sabrina Fairchild, die junge, schüchterne und unbeholfene Tochter des Chauffeurs der Familie, ist schon von klein auf in David verliebt, der sie aber kaum beachtet hat. Sie geht nach Paris, absolviert dort eine Ausbildung zur Köchin und lernt durch die Freundschaft mit einem betagten französischen Baron die Umgangsformen der besseren Gesellschaft kennen. Als elegante und kultivierte Frau kehrt sie nach zwei Jahren zurück, wo sie prompt David auffällt, der ihr umgehend den Hof macht.

Aus geschäftlichen Erwägungen heraus würde Linus David allerdings gerne mit der Tochter eines Zuckerfabrikanten verheiraten. Um sie von David fernzuhalten, überwindet sich der eingefleischte Junggeselle Linus, mit der lebenslustigen Sabrina auszugehen und romantische Gefühle vorzutäuschen …

Was zu sagen wäre

Wer sie bei Ein Herz und eine Krone (1953) noch abwehren konnte, verfällt spätestens jetzt dem reifen Jungmädchen-Charme Audrey Hepburns; alle Übrigen sind hier ohnehin im falschen Film. Oscar-Preisträger William Holden spielt einen blondierten Millionärssohn und Playboy, ein buchstäblicher Taugenichts, der nicht recht zum Sympathikus taugt. Oscar-Preisträger Humphrey Bogart muss sich laut Script in eine Frau verlieben, die seine spät gezeugte Tochter sein könnte – Audrey Hepburn ist 30 Jahre jünger als Bogart.

Einem Hollywood-OnDit zufolge hätte Bogart auch lieber seine Frau Lauren Bacall in der Rolle der Sabrina gesehen. Die ist zwar nur fünf Jahre älter als Hepburn, aber dass es zwischen ihr und Bogart funkt, haben beispielhaft ihre gemeinsamen Auftritte in Haben und Nichthaben (1944) sowie Tote schlafen fest (1946) unterstrichen. Zwischen Bogart und Hepburn, dem zahlenorientierten, erfolgreichen Vorstandsvorsitzenden eines Multimilliarden Dollar Konglomerats und der entzückenden, erfischenden, strahlenden Tochter des Chauffeurs, zündelt es nur ein wenig, eine echte Sehnsucht stellt sich nicht ein. Gebucht auf die Rolle des Linus allerdings war eigentlich charming Cary Grant („Liebling, ich werde jünger“ – 1952). Der sagte eine Woche vor Beginn der Dreharbeiten ab. Bogarts Qualität zeigt sich in dem Umstand, dass er in die Rolle, die er da überstürzt spielen soll, nicht passt und der Film trotzdem nicht absäuft. Er spielt seine seit Die schwarze Natter (1947) kontinuierlich entwickelte Souveränität aus für ein paar bewegende Auftritte.

William Holden („Stalag 17“ – 1953; Boulevard der Dämmerung – 1950) macht seine Rolle Spaß, das sieht man. Er trägt teure Klamotten, darf Cabrio fahren, verschiedene Frauen küssen und hemmungslos herumalbern. Vielleicht war auch einfach nur sein Kampfgeist – oder Spieltrieb – geweckt, weil sich – noch so ein Gerücht – Bogart und Holden angeblich nicht ausstehen können, weil Bogart gesagt haben soll, er halte Holden für einen schlechten Schauspieler. Der PR für den Films haben diese kleinen Bosheiten sicher nicht geschadet

Audrey Hepburn unterstreicht ihre Ausnahmestellung seit „Roman Holidays“ als bezaubernde, kultivierte, elegante Best Friend Forever, mit der man(n) auf Bäume klettern kann, wo man dann mit ihr Pferde stiehlt. Aber als Liebhaberin, als ernst zu nehmende Partnerin für ein gemeinsames Leben – also jene Bereiche, die eine Romanze im allgemeinen auslässt, für die Emotion des Zuschauers/Lesers aber als bekannt voraussetzt – kann ich mir diese Sabrina nicht vorstellen. Vielleicht verhält sich das anders, wenn der Mann 30 Jahre älter ist, vielleicht sieht der mit einer gewissen väterlichen Gelassenheit auf die wohl geratene junge Frau und blendet deren nervtötende Naivität und herzige Lebensbeschränktheit aus.

Plakatmotiv: Sabrina (Billy Wilder, 1954)

In der Tat ein interessantes Gedankenspiel, Audrey Hepburn mal gegen Lauren Bacall auszutauschen. Klein-Mädchenhaft hat sie drauf, das hat sie in Gangster in Key Largo (1948) bewiesen. Aber wäre sie so harmlos übergriffig wie Hepburn oder hätte sie – mit der Erfahrung aus bald zehn (privaten) gemeinsamen Ehejahren – den alten Mann in die ihm gebührliche Atemnot gebracht?

Auch wenn also der aphrodisierende Funke zwischen Bogart und Hepburn nicht überspringt, auch wenn die Sich-hin-und-her-Verlieberei – erst Sabrina mit David, dann von Linus fasziniert, dann lieber wieder in David verliebt und am Ende springt sich doch Linus entgegen – groteske Züge hat, bleibt dennoch Bogarts Spiel souverän und Hepburns Grazie elegant, ihr Timing präzise.

Charmant überdeckt wird die unglückliche Zusammenstellung von Schauspielern von einer schön inszenierten Aschenputtelstory: wirklich sehr reiche Menschen mit Hang zu wirklich sehr feiner Selbstironie und sehr wohlgefällige Angestellte, dazu ein paar Kalenderweisheiten aus Chauffeursmund („Im Leben ist es wie in einem Auto, es gibt der Vordersitz und die Rückbank und dazwischen eine Scheibe), die man auf der nächsten Party zum Besten geben kann – „Wenn der Reiche eine Kellnerin heiratet, wird er für seine demokratische, Klassenschranken ignorierende Gesinnung gefeiert. Niemand lobt die Kellnerin dafür, abgehobene Reiche durch Ehelichung zu erden.“

Die Produktion stand unter ungünstigem Stern. Wie bei „Boulevard der Dämmerung“ (1950) begannen die Dreharbeiten ohne fertiges Drehbuch. Ernest Lehman arbeitete mit Billy Wilder während der Produktion am Buch weiter. Eines Tages bat Weiler Hepburn, so zu tun, als ob sie ihren Text für eine Szene nicht könnte; sie sollte die besagte Szene so oft schmeißen, damit genügend Zeit blieb, die nächsten Szenen für die Aufnahme am folgenden Tag fertig zu schreiben. Bogart, der darüber nicht informiert war, antwortete auf die Frage, wie er die Arbeit mit Hepburn beurteile: „She´s all right, if you don´t mind a dozen takes.“ („Sie ist in Ordnung, wenn es dir nichts ausmacht, die gleiche Szene ein Dutzend Mal zu drehen“).

Wertung: 4 von 7 D-Mark
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