Kinoplakat: Big
Der Traum von ewiger Kindheit
Tom Hanks war nie besser
Titel big
(big)
Drehbuch Gary Ross + Anne Spielberg
Regie Penny Marshall, USA 1988
Darsteller

Tom Hanks, Elizabeth Perkins, Robert Loggia, John Heard, Jared Rushton, David Moscow, Jon Lovitz, Mercedes Ruehl, Josh Clark, Kimberlee M. Davis, Oliver Block, Erika Katz, Allan Wasserman, Mark Ballou, Gary Howard Klar u.a.

Genre Komödie
Filmlänge 104 Minuten
Deutschlandstart
29. September 1988
Inhalt

Für Cynthia ist Josh zu klein. Das wurmt den 13-Jährigen, dass seine Klassenkameradin mit dem netten Lächeln immer mit den Jungs aus den oberen Klassen ausgeht. Auf einem Jahrmarkt stolpert er über einen Wunscherfüller-Kasten, „ZOLTAR erfüllt Wünsche“. Eher er sich‘s versieht, oder auch nur darüber nachdenkt, wieso die Maschine rattert und klingelt und ZOLTARS Augen leuchten, obwohl der Stecker gar nicht in einer Steckdose steckt, hat Josh schon einen Nickel eingeworfen und der Automat eine Karte ausgespuckt: „Your Wish was granted“.

Am nächsten Morgen steckt Josh im Körper eines ausgewachsenen Mannes. Seine Mutter treibt ihn, den vermeindlich Fremden aus dem Haus, vermutend, dass der ihren Sohn entführt habe. Erst Billy, sein bester Freund, erkennt den Kumpel im Fremden und hilft ihm, nach Manhattan zu kommen; dort findet Josh bald einen Job in der EDV-Abteilung eines großen Spielwarenkonzerns – mit Computern kann Josh gut umgehen, vor allem mit Computerspielen.

Im Unternehmen fällt er bald MacMillan, dem Firmenpatriarchen auf. Weil Josh leidenschaftlich gerne spielt, überhaupt der einzige in MacMillans Unternehmen scheint, der sich für die Spielsachen, die dort erfunden und produziert werden, auch wirkich interessiert. Josh macht schnell Karriere, bekommt als Tester der neuen Spielsachen ein eigenes Büro mit Sekretärin und eine schnieke Wohnung mitten in der Stadt. Und bald hat er eine Freundin – Kollegin Susan findet ihn süß und Josh macht so manche Erfahrung, von denen er bislang nicht mal eine Ahnung hatte.

Bald hat er vergessen, dass er eigentlich erst 13 ist, steckt voll im New Yorker Terminstress und hat für Billy, seinen besten Freund keine Zeit mehr …

Was zu sagen wäre

„Was ist so Besonderes an dem Typen?“ „Er ist erwachsen!“, faucht Susan ihren Kollegen an, den sie als Lover gerade abseviert hat. Früher war alles schöner, als Kind die Welt leichter und während Kinder sich immer wünschen, endlich groß zu sein, um all die Sachen machen zu dürfen, die ihnen heute verboten sind, dabei aber Kind bleiben wollen, wünschen sich die Erwachsenen – bisweilen jedenfalls – zurück in diese Kindheit, als Kind; in die Zeit, an die sie so schöne Erinnerungen haben – die nicht so schönen verblassen ja bald. Als Josh Susan fragt, ob sie nicht mitkommen, nocht auch wieder jung werden wolle, glänzen deren Augen, aber dann erinnert sie sich; das (Alter) einmal zu durchleben, sei schon schwer genug, sagt sie und lehnt ab.

Penny Marshall findet für diese Verklärung schöne goldene Herbstlaubbilder. Joshs Kindheit spielt in einem immerwährenden Spätsommer, der noch nach großen Ferien riecht. Die Sonne steht tief und strahlt auf das segelnde Herbstlaub. Manhattan hingegen, seine Häuser, die Büros sind in Grautöne verpackt; nur die Spielzeuge und die Frauen sind bunt. Penny Marshall, Schwester von Garry Marshall (Nothing in Common – 1986; „Küss mich, Doc“ – 1982) drückt voll aufs Gefühl; das haben die Macher des Films buchstäblich im Blut: Am Script hat Anne Spielberg mitgeschrieben, Schwester von Steven.

Die Story entwickelt sich schnell. Es ist etwas seltsam, dass es in Joshs Familie kaum eine Rolle zu spielen scheint, dass er verschwunden ist. Aber dem Drive des Films tut dieses Weglassen gut, denn es lenkt von der eigentlichen Story nur ab. Ergänzung: 2007 erschien auf Blu-ray ein 26 Minuten längerer Director‘s Cut – s.u. – der unter anderem die Suche nach Joch ausweitet. Die Geschichte des Simplicissimus, der nach Manhattan kommt und durch seine Naivität und offene Freundlichkeit bald bei den Großen mitmischt, funktioniert erstaunlich gut – Fragen, wie eben jene nach der ausbleibenden Suche nach Josh, blendet die wunderbare Ernsthaftigkeit der Regie elegant aus. Penny Marshall nimmt ihren Film und dessen Hauptdarsteller immer ernst. Und was das für ein Hauptdarsteller ist.

Tom Hanks hat hier – früh in seiner Karriere – seine Rolle gefunden, einen Markstein gesetzt, an dem ergemessen werden wir. Seine bisherigen Erfolgsrollen (Schlappe Bullen beißen nicht – 1987; Nothing in Common – 1986; „Geschenkt ist noch zu teuer“ – 1986; Bachelor Party – 1984; Splash – Jungfrau am Haken – 1984) hat er sich erarbeitet – spielen hätten sie andere gute Schauspieler auch; die Rolle des 13-jährigen Josh hat Hanks verinnerlicht, sich zu eigen gemacht. Jeder Blick, jede Geste, das zaghafte Winken, das unsichere zum Grinsen verrutschende Lächeln, das hemmungslose Rumalbern lassen in Tom Hanks den 13-Jährigen erkennen, der im falschen Körper festsitzt, obwohl er sich als festsitzend gar nicht empfindet – was schön ist, denn wollte er einfach nur zurück und derweil sein Erwachsenenleben durchleiden, wäre es eine öde Angelegenheit ohne Inhalt geworden.

Einen großen Auftritt hat auch Robert Loggia als Spielzeug-Mogul MacMillan. Loggia, der meist wahlweise bärbeißige Gangster oder Cops spielt („Das Ritual“ – 1987; „Over the Top“ – 1987; Das Messer – 1985; „Die Ehre der Prizzis“ – 1985), zeigt sich hier von seiner freundlichen Großvater-Seite. Sein MacMillan ist ein – bärbeißiger – Geschäftsmann, dem man seine Kindheit noch anfühlt. Die anderen Schauspieler stecken in dem Dilemma, dass ihre Rollen vor allem Funktionsrollen sind. Elizabeth Perkins ist die Frau an seiner Seite, die sich ihre Position, wie einmal angedeutet wird, mit den richtigen Männern erschlafen hat, und steht dabei nicht im Weg. John Heard („Das siebte Zeichen“ – 1988; „Milagro – Der Krieg im Bohnenfeld“ – 1988; „Die Zeit nach Mitternacht“ – 1985), der sowas wie den Schurken spielt – obwohl es einen Schurken im klassischen Kinosinne erfreulicherweise nicht gibt – kann wenig mehr anstellen, als Josh zu ärgen und sich über Josh und dessen Karriere zu ärgern.

„big“ ist ein Märchen, wunderbar strukturiert, erzählt mit viel Sinn für kleine Szenen und Gesten und von Tom Hanks unsterblich gemacht.

Wertung: 10 von 10 D-Mark