Kinoplakat: Big Game
Als Script eine gute Idee.
Als Film eine Enttäuschung.
Titel Big Game
(Big Game)
Drehbuch Jalmari Helander
nach einer Originalstory von Jalmari Helander + Petri Jokiranta
Regie Jalmari Helander, Finnland, UK, Deutschland 2014
Darsteller Samuel L. Jackson, Onni Tommila, Ray Stevenson, Victor Garber, Mehmet Kurtulus, Ted Levine, Jorma Tommila, Risto Salmi, Felicity Huffman, Jim Broadbent, Rauno Juvonen, Jaymes Butler, Jason Steffan, Jean-Luc Julien, Erik Markus Schuetz u.a.
Genre Action
Filmlänge 90 Minuten
Deutschlandstart
18. Juni 2015
Inhalt

Oskari, ein schüchterner 13-jähriger Junge, der in Finnland lebt, muss aufgrund einer Tradition seines Dorfes eine ganze Nacht allein im Wald verbringen. Dort soll er beweisen, dass er ein echter Mann ist, indem er nur mit Hilfe von Pfeil und Bogen ein wildes Tier erlegt. Zur selben Zeit wird die Air Force One des US-amerikanischen Präsidenten von Terroristen attackiert und zum Absturz gebracht.

Nur sehr knapp kann Präsident William Alan Moore dem Flugzeug entfliehen und in Sicherheit gebracht werden. Oskari findet ihn schließlich in einer Rettungskapsel mitten im Wald. In den nächsten Stunden sind die zwei auf sich allein angewiesen und für sie beginnt ein Überlebenskampf, den sie nur gemeinsam bewältigen können.

Bald wird klar, dass der Wald nicht die einzige Gefahr ist, sondern auch die Attentäter ihre Spur gefunden haben und ihnen auf den Fersen …

Was zu sagen wäre

Ein schüchterner Junge aus dem Wald rettet den Präsidenten der Vereinigten Staaten vor schwer bewaffeten Terroristen. Diese Drehbuch-Idee klingt, als habe man sie aus einer Schublade gezogen, auf der „Restbestände 80er Jahre“ steht; eine Steilvorlage für damalige Regierecken wie Renny Harlin. Die heutige Generation Filmemacher kann dieser as-bad-as-bad-can-be-Idee wenig abgewinnen, aber nichts hinzufügen.

In Filmen wie diesen gilt fein justiertes Schauspiel als eher nicht notwendiger Zugewinn. Die Action muss stimmen, die immer gleichen Schießereien, Explosionen und Prügeleien müssen überraschend inszeniert, witzig erzählt sein (als Referenz mag da ein anderer Samuel-L.-Jackson-Film dienen, Tödliche Weihnachten von – sic! – Renny Harlin). Anstatt das bündig zu gestalten, nimmt Regisseur Jalmari Helander immer wieder Schlenker, um die Gefühlswelt des Jungen ins Zentrum zu holen – ganz der Ansatz des good european cinema, wenn schon ein reiner Actionfilm, dann gesellschaftlich eingebettet: In eine graue Welt mit grauen Männern hinter grauen Waffen bringt ein Junge mit roter Jacke und gelbem Hoodie Leben und Liebe zurück. Nach diesem Schema liefen Eventfilme in den 1980er Jahren durchaus mal ab.

„Big Game“ nimmt schulterzuckend Anleihen bei Genreklassikern wie Cliffhanger (1993, schon wieder Renny Harlin) oder Last Action Hero (1993) in Kauf. Aber in den Stellen, in denen Sylvester Stallone oder Arnold Schwarzenegger dann lustig oder wenigstens beeindruckend gebaut waren, sind hier nur das grimmige Sweetface Onni Tommila als Oskari und Samuel L. Jackson in einer Ich-habe-gerade-Zeit-und-diese-Europäer-zahlen-wirklich-a-fucking-lot-of-money-Rolle zu sehen. Das menschelt hier und da, ist auch lustig und sogar mal Tränen ziehend. Aber niemals überraschend.

Aber womöglich ist die Zeit für solche Filme auch einfach vorbei, alle Versionen dieser Art Actionabenteuer auserzählt. Sicher aber fehlt Regisseur Jalmari Helander das taugliche Händchen für diese Art Kino.

Wertung: 4 von 8 €uro