Kinoplakat: Baymax – Riesiges Robowabohu
Bunter Unterhaltungsfilm mit
unbekannten Marvel-Helden
Titel Baymax – Riesiges Robowabohu
(Big Hero 6)
Drehbuch Jordan Roberts + Daniel Gerson + Robert L. Baird + Paul Briggs + Joseph Mateo
nach den Charakteren des Comics „Man of Action“ von Duncan Rouleau + Steven T. Seagle
Regie Don Hall & Chris Williams, USA 2014
Stimmen Ryan Potter, Amadeus Strobl, Scott Adsit, Bastian Pastewka, T. J. Miller, Andreas Bourani, Jamie Chung, Nora Hütz, Damon Wayans, Jr., Daniel Zillmann, Génesis Rodriguez, Maria Hönig, James Cromwell, Ronald Nitschke, Daniel Henney, Daniel Fehlow, Maya Rudolph, Vera Teltz, Alan Tudyk,  Peter Flechtner, Katie Lowes, Christina Ann Zalamea u.a.
Genre Animation
Filmlänge 102 Minuten
Deutschlandstart
22. Januar 2015
Website WaltDisney.org
Inhalt

Nach dem tragischen Tod seines Bruders hat der 14-jährige Hiro nur noch seine Tante als Familie – und einen aufblasbaren Roboter namens Baymax. Den hatte sein Bruder an der Uni als Experiment gebaut; Baymax ist ein perfekt ausgebildeter Mediziner, findet jedes Wehwehchen und hilft, wo er kann. Hiro ist das ein bisschen zu wenig. Und weil Hiro ein technisches Genie ist, baut er ihn ein wenig um.

Weit gekommen ist er noch nicht, da stellt er fest, dass sein bruder offenbar nicht bei einem zufälligen Brand an der Uni ums leben kam, sondern dass das Feuer absichtlich gelegt wurde, nwchdem er, Hiro, eine bahnbrechende Erfindung vorgestellt hatte: Microbots, die mittels eines Stirnbands gesteuert werden und sich zu jeder beliebigen Form strukturieren. Ein machtvolles Werkzeug. Diese Microbots sind – so dachte Hiro – in jenem Feuer zerstört worden, aus dem sein großer Bruder den fest sitzenden Professor Callaghan befreien wollte.

Tatsächlich aber hat Jemand, der die Microbots stehlen wollte, das Feuer gelegt. Und Hiro weiß auch bald, wer: Der Mann mit der Kabukimaske, der in einem Lagerhaus am Hafen Millionen dieser Microbots nachgebaut hat und wohl böse Pläne hegt.

Hiro ist über den Verlust seines Bruders nicht hinweg, Baymax kann ihm nicht so recht helfen, gegen psychische Wehwehchen ist er machtlos. Aber Hiros Freunde, eine Bande Nerds, die mit Hiros Boroder studiert und lustige Gimmicks erfunden haben, können helfen.

Sie alle haben Erfindungen gemacht, die sie mit speziellen Kräften ausstatten, wenn sie ein wenig Training bekommen. Hiro verbessert die Geräte jedes einzelnen, sie trainieren, wie sie den Kabukimann besiegen können und … ziehen als eine Gruppe junger, bunter Helden in den Kampf gegen den übermächtigen Kabukimann …

Was zu sagen wäre

Als John Lasseter noch seine unabhängigen Pixar-Filme machte, galt er als die große Innovation auf dem Trickfilmmarkt. Dann kaufte Disney Pixar und machte daraus so etwas wie die Kinderabteilung der Disney-Trickfilme und holte Lasseter an Bord, um die großen Disney-Trickfilme zu neuen Höhen aufzuschwingen. Heraus kamen so wunderbare Filme wie Küss den Frosch (2009), Ralph reicht's (2012) und Die Eiskönigin (2013). Auch so Sachen wie „Tinkerbell und die Piratenbraut“ hat er als Executive Producer verantwortet; und jetzt also „Big Hero 6“.

Die Figuren basieren auf dem unerschöpflichen Figurenfundes des Marvel-Verlags, den Disney vor einigen Jahren gekauft hat und seither für die Leinwand aufbereitet – Iron Man, Thor, die Avengers heißen die Ergebnisse. Mit „Big Hero 6“ haben sie jetzt den Superhelden-Actionkosmos für die Kleinen eröffnet.

Der Film ist fluffig, der Roboter goldig – sogar mit Symptomen eines Schwipps‘, als ihm der Akku ausgeht –, die Heldenfiguren angemessen bunt und jugendgemäß (aber erwachsenenfreundlich) rebellisch, was sich in bunten Strähnen im Haar und Lederjacke manifestiert, die Story flott, allerdings aus dem Baukasten des jugendfreien Actionmovies. Die deutsche Synchronisation ist – mit Ausnahme von Bastian Pastewka als Baymax – daneben gegangen. Einem der Charaktere, Wasabi, der im Original von Damon Wayans gesprochen wird, spricht mit Berliner Dialekt, wenn die Teenager etwas cool finden, klingt, wie wenn ein Erwachsener versucht, Jungsprech zu reden.

So wenig innovativ, ja enttäuschend die vorhersehbare Dramaturgie ist, so rasend schön sind die Bilder. Die Computer der Disneystudios zaubern Farben und Spiegelungen auf die Leinwand, die dem Fotorealismus nahe kommen. Da merkt man die aufmerksame Hand des John Lasseter wieder, der Filme wie Toy Story (1995), Die Monster AG (2001), Findet Nemo (2003) oder Die Unglaublichen (2004) entscheident geprägt und zu Klassikern gemacht hat.

Die Animatoren sind erstklassig – wie man das bei Disney erwarten darf; was die ihren Figuren an Mimik und Körpersprache beibringen, bleibt eine Klasse für sich – das konnte Disney schon, als die Animatoren noch Zeichner waren und Bild für Bild gemalt haben. Im Zeitalter der Computer sieht das natürlich alles flüssiger aus (prompt gab es auch für „Baymax“ wieder einen Oscar); dafür spart offenbar auch Disney am Drehbuch, das ebenfalls wirkt wie aus dem Computer. „Baymax“ wirkt, wie die aufgepumpte Version einer ordentlichen TV-Serie. Für die große Leinwand fehlt das große Herz — und das schafft, ebenso wie ein gutes Drehbuch, bis heute kein Computer.

Und John Lasseter ist vielleicht zu lange im Geschäft und hat darüber die familiäre Stimmung, die naive Freude seiner frühen Produktionen verloren.

Wertung: 5 von 8 €uro