Plakatmotiv (US): Der letzte Akt – The Humbling
Al Pacino und Greta Gerwig in
einem enttäuschenden Film
Titel Der letzte Akt
(The Humbling)
Drehbuch Buck Henry + Michal Zebede
Philip Roth
Regie Barry Levinson, USA, Italien 2014
Darsteller Al Pacino, Greta Gerwig, Nina Arianda, Dylan Baker, Charles Grodin, Dan Hedaya, Billy Porter, Kyra Sedgwick, Dianne Wiest, Mary Louise Wilson, Lance Roberts, Li Jun Li, Victor Cruz, Derrick Arthur, Steve Rosen u.a.
Genre Drama
Filmlänge 112 Minuten
Deutschlandstart
10. November 2016 (direct to DVD)
Inhalt

Der in die Jahre gekommene Schauspiel-Star Simon Axler hadert mit seinem eigenen Niedergang – dem seiner Karriere und dem seines alternden Körpers. Er ist suizidgefährdet.

Nach einem Zwischenfall bei einer Theateraufführung und anschließender psychiatrischer Behandlung zieht er sich auf seinen abgeschiedenen Wohnsitz im ruhigen, ländlichen Connecticut zurück. Hier hat er des Öfteren Besuch von Pegeen, der wesentlich jüngeren Tochter seines Freundes Asa. Peegan, die seit ihrer Kindheit für den Star schwärmt, lebt seit 16 Jahren in wechselnden lesbischen Beziehungen – und verführt jetzt Simon. Der Schauspieler und die junge Frau kommen sich näher und gehen eine sowohl sexuelle als auch spirituelle Beziehung ein.

Während Asa und seine Frau sich nur um ihre Tochter sorgen, haben Simons Freunde eher Angst um den instabilen Schauspieler, zumal niemand sicher weiß, was überhaupt Pegeens Absichten sind …

Was zu sagen wäre

Alt werden ist nichts für Anfänger, aber für große Schauspieler. Al Pacino (An jedem verdammten Sonntag – 1999; Insider – 1999; Im Auftrag des Teufels – 1997; City Hall – 1996; Heat – 1995; Der Duft der Frauen – 1992; Dick Tracy – 1990; Hundstage – 1975; Der Pate – 1972) hier zuzusehen, wie er sehenden Auges in sein eigenes Verderben rennt, weil er nicht zur Kenntnis nimmt, dass er alt, schwach und leer ist und sich also in das nächste große, sexuell erfüllende romantische Abenteuer stürzt, ist ein Geschenk. Der Film insgesamt ist es weniger.

Barry Levinson („Inside Hollywood“ – 2008; Banditen! – 2001; Sphere – Die Macht aus dem All – 1998; Wag the Dog – 1979; Sleepers – 1996; Enthüllung – 1994; „Rain Man“ – 1988; „Good Morning, Vietnam“ – 1987; Der Unbeugsame – 1984; American Diner – 1982) hat einen kurzen Roman von Philip Roth verfilmt, „Die Demütigung“, der in einem Kontext von insgesamt vier Romanen die Thematik von Altern und Tod, von Schmerz, Krankheit und der eigenen Vergänglichkeit durchdekliniert. So kompromisslos das Roth in seinen Romanen macht, so schönfärberisch übersetzt der Filmemacher das für die Leinwand, es sind die Auslassungen, die den Film verraten. Wo Roth seinen alten Schauspieler mit seiner jüngeren Geliebten in erotische Ausschweifungen schickt, macht der Film daraus den Tagtraum eines alten Mannes – die Buch-Pegeen ist Anfang 40, zehn Jahre älter als ihre Filmversion. Eine 40-Jährige mit einem 65-Jährigen ist auch ungewöhnlich, die geschilderte Komplexität ist aber glaubhafter, als bei einer 30-Jährigen mit einem 65-Jährigen – die wunderbare Greta Gerwig macht das Beste draus („Frances Ha“ – 2012; Lola gegen den Rest der Welt – 2012; To Rome with Love – 2012; Freundschaft Plus – 2011).

Blu-ray-Cover: Der letzte AktUmgekehrt macht der Film aus einer Nebenhandlungen einen Hauptstrang mit Crime-Touch: Simon soll den Ehemann einer Mitpatientin töten, der beider Tochter missbraucht. Im Buch ist das Teil der literarischen Auseinandersetzung mit Sex zwischen Jung und Alt (ohne Mordauftrag), der Film macht daraus eine Stalking-Nummer, die zuverlässig im Nirgendwo strandet, dem Film aber über die Zeit hilft. Sexuelle Ausschweifungen raus, Crime-Story rein, auf diese Weise macht man aus einem interessanten Philip-Roth-Roman eine Kinofarce über einen albernen Mann.

Levinson erzählt verschachtelt, springt vor allem zu Beginn vorwärts und rückwärts in der Zeit, um seine Zuschauer auf das verwirrte Niveau seines Protagonisten zu bugsieren. Das gelingt gut und balanciert den fortschreitenden Film, kompromisslos aus Simons Perspektive erzählt, in ein Wechselspiel aus Wahn und Realität; so richtig weiß ich bis kurz vor Schluss nicht, ob eigentlich stimmt, was ich da die ganze Zeit gesehen hat – denn, was ich gesehen habe, ist schon weit ausgeholt und kaum nachzuvollziehen. Was der Alte von der Jungen will, ist klar. Was aber im Ernst die Junge von dem Alten will, für den sie als Backfisch einst geschwärmt hat, bleibt ewige Behauptung. Wir sehen die Tragödie eines lächerlichen Mannes.

Das Pfund, mit dem der Film wuchern kann, ist sein Ensemble. Pacino und Gerwig als das ungleiche Paar, umgeben von Legenden in Kleinstrollen: Dan Hedaya (Zivilprozess – 1998; Alien – Die Wiedergeburt – 1997; Lebe lieber ungewöhnlich – 1997; Die üblichen Verdächtigen – 1995; Blood Simple – 1984) und Dianne Wiest (Der Pferdeflüsterer – 1998; Edward mit den Scherenhänden – 1990; „The Lost Boys“ – 1987; Radio Days – 1987; „Hannah und ihre Schwestern“ – 1986) als Pegees Eltern, Charles Grodin als Simons Freund und Agent („Dave“ – 1993; „Ein Hund namens Beethoven“ – 1992; „Midnight Run“ – 1988; „Ein Single kommt selten allein“ – 1984) oder Kyra Sedgwick als Pegees abgelegte Geliebte. Da scheue ich gerne zu, auch wenn der Film als solches mit dem Gerne gucken eher nichts zu tun hat.

Wertung: 3 von 8 €uro