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Kinoplakat: Backdraft – Männer, die durchs Feuer gehen
Harte Kerle, atemberaubende Feuersbrünste,
schmierige Politiker, bangende Frauen
Titel Backdraft – Männer, die durchs Feuer gehen
(Backdraft)
Drehbuch Gregory Widen
Regie Ron Howard, USA 1991
Darsteller
Kurt Russell, William Baldwin, Robert De Niro, Donald Sutherland, Jennifer Jason Leigh, Scott Glenn, Rebecca De Mornay, Jason Gedrick, J.T. Walsh, Anthony Mockus Sr., Cedric Young, Juan Ramírez, Kevin Casey, Jack McGee, Mark Wheeler u.a.
Genre Drama, Action
Filmlänge 137 Minuten
Deutschlandstart
22. August 1991
Inhalt

Ein gefährlicher Brandstifter und Mörder ist in Chicago unterwegs. Drei Tote gibt es schon; dass es allerdings Mord war, das weiß bislang nur Chief Donald 'Shadow' Rimgale, leitender Ermittler beim Chicago Fire Departement – er will sein Wissen für sich behalten, bis er stichhaltige Beweise hat, „der Brandstifter soll nicht vorher abhauen“. Seine Technik weist auf einen Könner seines Fachs und einen Kenner des Feuers hin. Aufgrund der durch den Lokalpolitiker Swayzak durchgesetzten Einsparmaßnahmen bei der Feuerwehr kommt Rimgale bei den Untersuchungen jedoch nur langsam voran.

Bei der Feuerwache 17 tritt zu dieser Zeit Brian McCaffrey seinen Dienst an, jüngerer Bruder des Chiefs dieser Station, Stephen McCaffrey. Auch ihr Vater war Feuerwehrmann und ist bei der Ausübung seines Berufs ums Leben gekommen. Stephen nimmt seinen Bruder hart ran, er zweifelt an dessen eignung, im Feuer kühlen Kopf zu bewahren und immer ein Auge auf seine Kameraden zu haben. Beim nächsten Einsatz zögert Brian, in die Flammen zu gehen. Er zweifelt an sich und weiß nicht mehr, ob dies der richtige Job für ihn ist. Er redet mit seiner Ex-Freundin Jennifer, die mittlerweile im Rathaus für Swayzak arbeitet. Er bekommt daraufhin einen Job bei Rimgale und wird so in dessen Ermittlungen zu den Explosionen gezogen.

Rimgale weiht ihn in seinen Verdacht, dass ein Mörder hinter der Sache steckt, ein. Es kommt zu einer weiteren Explosion in einem Theater. Wieder wird ein Mann dabei getötet. Rimgale findet die Feuerquelle. Es stellt sich heraus, dass es zu einer sogenannten Rauchgasexplosion (engl. Backdraft) gekommen ist. Sein Verdacht erhärtet sich.

Kinoplakat (US): Backdraft – Männer, die durchs Feuer gehenBei der Obduktion der Leichen finden sie weitere Hinweise auf Brandstiftung. Sie entdecken die verwendeten Brandbeschleuniger. Es handelt sich dabei um Magnesium und eine relativ seltene Substanz. Nach einigen Experimenten ist endgültig klar, dass es sich um Brandstiftung handelt. Allerdings scheint es aufgrund der Vorgehensweise kein typischer Pyromane gewesen zu sein, sondern jemand, der das Feuer hasst …

Was zu sagen wäre

Großes Drama. Brillante Action. Großartige Feuersequenzen. Dünne Handlung. Ron Howard („Willow“ – 1988; Cocoon – 1985; Splash: Jungfrau am Haken – 1984) hat eine Heldensage inszeniert – der deutsche Untertitel sagt alles, was zu erwarten ist. Dazu hat er ein Personentableau aufgestellt, das Leben und Job der Feuerwehrleute von allen Seiten beleuchtet. Geschickt nähert er sich den Männern quasi als Insider von außen – mit einer Rückblende. Vor 20 Jahren wird der junge Stephen McCaffrey Zeuge, wie sein Feuerwehrvater im Feuer umkommt. Mit stephen erleben wir den Kampf gegen das Feuer nur als zuschauer von außen.

20 Jahre später tritt Stephen, der Neuling, seinen Feuerwehr-Job an. William Baldwin („Flatliners – Heute ist ein schöner Tag zum Sterben“ – 1990; „Internal Affairs“ – 1990; Geboren am 4. Juli – 1989) spielt ihn als Mischung Hallodri und Ich-will‘s-Euch-beweisen-Typ und könnte damit genauso gut in einem Rennfahrer-, Piloten-, Stahlwerk- oder Sonstwas-Film auftreten, Baldwins Spiel ist austauschbar. Als Stephen trifft auf seinen hartgesottenen, mit allen Wassern gewaschenen, älteren Bruder Brian. Der ist für die markanten Heldensätze da und Kurt Russell („Tango und Cash“ – 1989; Tequila Sunrise – 1988; „Overboard – Ein Goldfisch fällt ins Wasser“ – 1987; „Big Trouble in Little China“ – 1986; „Silkwood“ – 1983; Das Ding aus einer anderen Welt – 1982; Die Klapperschlange – 1981) gibt mal wieder sein Bestes als Mann, für den das Leben, nachdem sein Vater früh starb und er sich um Bruder Stephen kümmern musste, als Erwachsener eigentlich so einfach sein sollte – „Du gehst da raus, bekämpfst das Feuer und passt auf die Kameraden auf!“, deshalb liebt er seinen Job. Aber das Leben außerhalb des Departements funktioniert so einfach nicht, deshalb liebt ihn seine Frau nicht mehr, Brian lebt in Scheidung. Eine weitere Klischeefigur in diesem Film, aber glaubhaft gespielt.

Robert De Niro schließlich („Schuldig bei Verdacht“ – 1991; „Zeit des Erwachens“ – 1990; GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia – 1990; „Midnight Run – 5 Tage bis Mitternacht“ – 1988; Die Unbestechlichen – 1987; Angel Heart – 1987; Mission – 1986; Brazil – 1985; Es war einmal in Amerika – 1984; Der letzte Tycoon – 1976; Taxi Driver – 1976; Der Pate II – 1974), der langsam in die elder-statesman-Rollen hineinwächst, gibt den Brandermittler Rimgale; auch der eine Klischeefigur, die De Niro aber souverän vergessen lässt. Dieser Rimgale ist eine coole Socke, hart, aber fair, clever und kaltschnäuzig.

Seinen Antipoden spielt Donald Sutherland („Weiße Zeit der Dürre“ – 1989; „Lock Up – Überleben ist alles“ – 1989; „Die Nadel“ – 1981; „Eine ganz normale Familie“ – 1980; „Bäreninsel in der Hölle der Arktis“ – 1979; „Die Körperfresser kommen“ – 1978; Ich glaub', mich tritt ein Pferd – 1978; Kentucky Fried Movie – 1977; Der Adler ist gelandet – 1976; „Fellinis Casanova“ – 1976; „Der Tag der Heuschrecke“ – 1975„Wenn die Gondeln Trauer tragen“ – 1973) in einer schönen Gastrolle als inhaftierter Pyromane Ronald, der Stephen später einen entscheidenden Hinweis geben wird. Mit Lust stürzt sich Sutherland auf den Wahnsinn des Brandstifters, dessen Lächeln einen frieren lässt, dem die Lust am und gleichzeitig die Angst vor dem Feuer aus den Augenwinkeln blitzt.

Wie immer in solchen Kerle-Filmen haben es die Frauen schwer. Jennifer Jason Leigh („Letzte Ausfahrt Brooklyn“ – 1989; „Hitcher, der Highway Killer“ – 1986; Ich glaub' ich steh' im Wald – 1982) als William Baldwins Love Interest wirkt mit dünnem Stimmchen in dünner Sekretärinnen-Rolle überfordert, Rebecca De Morney („Runaway Train“ – 1985; „Lockere Geschäfte“ – 1983) hingegen ist gut gewählt. Sie hat Statur genug, um Ex-Gatten Kurt Russell glaubwürdig tough auf liebevoll-melancholische Distanz zu halten. Die heimliche Hauptrolle hat das Feuer. Hier haben sich Ron Howard und vor allem sein SFX-Supervisor Bill Allen großartige Bilder einfallen, bei denen Kameramann Mikael Salomon mehrfach mitten hinein musste ins Flammenmeer – gut abgesichert, aber effektvoll für den Zuschauer. Das macht den Film, dem Hans Zimmer mit seinem Soundtrack effektvoll-melodramtisch den Rücken stärkt, so sehenswert.

Mit dem Abspann haben wir eine ganze Menge erfahren über Brandbekämpfung, Brandermittlung, Feuerwehrleute und Brandstifter und wie die alle zusammenhängen. Oben drüber stehen knappe Budgets, in denen bösartige Politiker auch noch herumstreichen – auch das ein Klischee, aber ein dem Leben abgeschautes. „Backdraft“ besteht aus lauter guten Einzelarbeiten und ist am Ende tatsächlich mehr, als die Summe dieser einzelnen Jobs – eben: Großes Drama. Brillante Action. Großartige Feuersequenzen. Dünne Handlung.

Wertung: 9 von 10 D-Mark
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