Kinoplakat: Back in the Game
Solide bearbeiteter Schauspieler-
Film ohne größere Überraschungen
Titel Back in the Game
(Trouble with the Curve)
Drehbuch Randy Brown
Regie Robert Lorenz, USA 2012
Darsteller Clint Eastwood, Amy Adams, Justin Timberlake, John Goodman, Robert Patrick, Ed Lauter, Chelcie Ross, Anthony Thomas, Clifton Guterman, Carla Fisher, George Wyner, Bob Gunton, Jack Gilpin, Matthew Lillard, Nathan Wright, Scott Eastwood u.a.
Genre Drama
Filmlänge 111 Minuten
Deutschlandstart
29. November 2012
Inhalt

Gus Lobel ist eine Legende. Als Scout hat er im Baseball so ziemlich jeden Star-Pitcher gefunden, der es in den vergangenen 5.000 Jahren ins Licht der Öffentlichkeit geschafft hat. Er kann hören, wenn ein Schwung des Batters aus flatterigem Handgelenk kommt. Der Mann ist ein Profi. Jetzt ist er alt. Nicht mehr lange, und er kann nichts mehr sehen, er erblindet. Schon jetzt ziert ein unscharfes Feld sein zentrales Blickfeld. Die Geier warten schon. Tom Silver zum Beispiel, jung, respektlos, arrogant, ein Typ mit Laptop, der glaubt, das Spiel zu kennen, weil er Tabellen und Analysen liest. Gus Lobel kann das Spiel lesen.

Was er nicht kann, das ist Familie. Seine Tochter Mickey war sechs, als seine Frau starb. Er zog Mickey alleine groß, aber ein Leben zwischen Baseball, Billardtischen und Bars war nichts für ein kleines Mädchen, Gus gab die Tochter erst zu einer Tante, dann ins Internat. Mickey hat ihm das nie verziehen, hat ihren ganzen Ehrgeiz in die Karriere als Anwältin gesteckt, wo sie kurz vor dem Schritt in die Partnerschaft ist. Es passt ihr gar nicht, als Pete Klein in der Tür steht, Gus' alter Freund und Kollege, und Mickey bittet, Gus auf dessen Scouting-Tour zu begleiten – Pete ahnt, dass Gus mit dem Sehen Schwierigkeiten hat und will dem alten Freund helfen.

Widerwillig lässt sich Amy breit schlagen und setzt sich neben ihren Vater auf die Holzbänke der Schulmeisterschaften, wo Bo Gentry für nervöse Aufmerksamkeit in der Liga sorgt – vielleicht das nächste große Talent? Gus kann mit seiner Tochter nichts anfangen, schon gar nicht, als die ihn gleich mit Vorwürfen über die Zeit ihrer Kindheit überschüttet. Aber Mickey ist zäh – und in Sachen Baseball ihrem Dad allemal gewachsen. Gus ist es gar nicht mal so unangenehm, seine hellsichtige Tochter neben sich sitzen zu haben.

Dass Mickey da sitzt und Ahnung von Baseball hat, findet auch Johnny Flanagan nicht schlecht. Johnny ist auch Talentscout, unterwegs für ein konkurrierendes Team. Er wurde vor Jahren selbst von Gus als zukünftiger Baseballstar entdeckt – und interessiert sich jetzt sehr für Mickey …

Was zu sagen wäre

„Trouble with the curve“ heißt der Film im Original und beschreibt dem US-Zuschauer damit recht deutlich, worum es in etwa geht: ein Film im Baseballmilieu, wo man den „curve ball“ kennt, ein angeschnitten geworfener Ball. Im deutschen heißt der Film nun „Back in the Game“, was völlig abwegig ist. Niemand ist hier zurück im Spiel, weil niemand das Spiel je verlassen hätte. Was soll so ein Titel? Glaubt der Verleih, ein englischer Titel – der allerdings ohne Fachbegriffe wie „curve“ auskommen müsste – lasse den Film cooler wirken? Hipper? Jünger? Also als all das, was der Film nicht ist? Experiment misslungen. Ich habe zum ersten mal an der Kinokasse gestanden und den Filmtitel nicht parat gehabt („Bitte zwei Karten für … äh … dingens. Den Film mit Clint Eastwood.“) „Back in the Game“ ist ein nichtssagender Titel.

Ein routiniert zorniger alter Mann

Zum ersten mal seit Wolfgang Petersens In the line of fire (1993) spielt Clint Eastwood (Gran Torino – 2008; „Million Dollar Baby” – 2004; „Blood Work” – 2002; Space Cowboys – 2000; Ein wahres Verbrechen – 1999) unter fremder Regie. Er tut das routiniert, gibt den zornigen alten Mann, der spät zurück ins familiär geprägte Leben findet und darf dem konservativ geprägten, ur-amerikanischen Sport des Baseball frönen. Ihm gegenüber steht Amy Adams („The Master“ – 2012; Die Muppets – 2011; „The Fighter“ – 2010; „Julie & Julia“ – 2009; „Der Krieg des Charlie Wilson“ – 2007; Catch Me If You Can – 2002), die ihrer auf jung, zäh, schlagfertig und weichherzig getrimmten Tochterrolle nicht für möglich gehaltenes Leben einhaucht. Wenn sonst nichts ist, kann man zwei souveränen Schauspielern bei der lustvollen Ausübung ihres Berufes zusehen.

Der Film ist ein gutes Beispiel dafür, warum Manches im Kino nicht mehr funktioniert. „Back in the Game“ wartet mit einem ausgezeichneten Schauspieler-Ensemble auf, John Goodman gibt präzise den onkelhaft gutmütigen alten Buddy, Justin Timberlake (In Time – 2011; Freunde mit gewissen Vorzügen – 2011; Bad Teacher – 2011; the social network – 2010) liefert das Porträt eines jungen, gut aussehenden Erfolgs-Johnnys glaubhaft und Mathew Lillard (Mörderische Freunde - 1998) ist so hochnäsig-unsympathisch, wie sich das für den Mann gehört, der als Überraschungskiller in Scream! (1996) in die Filmgeschichte einging.

Auch Kameramann Tom Stern liefert sehenswerte Arbeit, Marco Beltramis Musik fällt ebensowenig unangenehm auf wie der Bildschnitt (Joel Cox + Gary Roach). Das Drehbuch ist solide. Aber eben nicht gut genug für den teuren Kinoabend. Als Premiere in der 20.15-Schiene des öffentlich-rechtlichen Fernsehens darf sich jeder Zuschauer über viel kunstvolles Handwerk in diesem Film freuen. Ein Kinoabend zu zweit – für den dieser Film gemacht ist – kostet 30 Euro. Da darf es schon etwas mehr sein, als guten Schauspielern dabei zuzusehen, wie sie – professionell inszeniert – hundertmal gesehenen Figuren Clint-Eastwood- oder Amy-Adams-Charme einhauchen.

Sympathisch. Charmant. Freundlich. Der nächste bitte.

Wertung: 5 von 7 €uro