Kinoplakat: Avatar – Aufbruch nach Pandora
James Cameron legt
die Latte höher
Titel Avatar – Aufbruch nach Pandora
(Avatar)
Drehbuch James Cameron
Regie James Cameron, USA, UK 2009
Darsteller Sam Worthington, Zoe Saldana, Sigourney Weaver, Stephen Lang, Michelle Rodriguez, Giovanni Ribisi, Joel Moore, CCH Pounder, Wes Studi, Laz Alonso, Dileep Rao, Matt Gerald, Sean Anthony Moran u.a.
Genre Science Fiction, Abenteuer
Filmlänge 162 Minuten
Deutschlandstart
17. Dezember 2009
Website avatarmovie.com
Inhalt

Der Mond Pandora. Mögliche Zufluchtsstätte der Menschheit. Dereinst. Noch lebt sie auf einer Erde, die aber, so ist zu hören, bald unbewohnbar sein wird.

Noch ist Pandora ein unzumutbarer Planet. Eine giftige Atmosphäre, unfreundlich gesonnene, drei Meter große Eingeborene – das Volk der Na'vi – und ein wertvoller Rohstoff: Unbotainium. Deswegen sind die Menschen trotzdem hier. Wissenschaftler, Bohrer. Und Soldaten. Die Abbau-Gesellschaft von der Erde hat sich zum Schutz ihrer Schürfrechte (die sie gar nicht haben) eine private Armee mitgebracht.

Eher zufällig hierhin hat es Jake Sully verschlagen. Der Marine sitzt im Rollstuhl und soll auf Pandora am „Avatar“-Programm teilnehmen. Das sollte eigentliche Jakes Zwillingsbruder machen, aber der ist gerade ums Leben gekommen. Zwillingsbruder Jake, der über dieselbe DNA verfügt, kommt da wie gerufen, zumal er seine Beine bei diesem Einsatz nicht braucht – er wird andere haben. Das Avatar-Programm besteht in erster Linie aus einem künstlich gezeugten Na'vi, exakter: Aus einem aus Menschen-DNS und Na'vi-DNS geklonten Körper, der aussieht, wie der eines Na'vi, aber gelenkt wird von seinem Wirt – in diesem Fall von Jake. Jake wird in einen trance-ähnlichen Zustand versetzt, wenn der den Hybriden … den Avatar bewegt.

Sein militärischer Vorgesetzter, Colonel Miles Quaritch, erwartet von Sully, die Na'vi zu infiltrieren, etwaige Geheimnisse zu finden und vor allem die Na'vi zum Umzug zu bewegen. Unter dem Dorf der Einwohner, einem mehrere hundert Meter hohen Baum, wird das größte Vorkommen von Unbotainium des ganzen Mondes vermutet, jenem wertvollen Mineral.

Seine wissenschaftliche Vorgesetzte, Grace Augustine, interessiert sich ausschließlich für das Leben der Na'vi. Sie erwartet von Sully detaillierte Berichte über den Zusammenhalt des Volkes. Mit seinem Einsatz wollen die Wissenschaftler versuchen, eine „Brücke des Vertrauens“ zu den Na’vi aufzubauen. Sie sind der Meinung, dass man dieses Ziel eher erreicht, wenn die von Menschen gesteuerten Avatare sich im Äußeren den Na’vi anpassen.

Kinoplakat: Avatar – Aufbruch nach Pandora

Sully taucht ein in eine fremde Welt, in der er keine zehn Minuten überleben würde, hätte er nicht einen Schutzengel: die Na'vi-Kriegerin Neytiri …

Was zu sagen wäre

Hurra! Ich habe verstanden, warum es 3D im Kino gibt. In diesem Meisterwerk von James Cameron sehe ich zum ersten Mal 3D-Bilder, die mehr sind, als einfach ein lustiger Effekt. Cameron komponiert Bilder mit Tiefe; ob das der Mond Pandora mit seinem üppigen Planzenwuchs, der heranrauschenden Fauna oder den schwebenden Bergen ist, oder die Station Hell's Gate mit ihren Gängen und Ebenen, auf der die Menschen ein Leben in tristem Panzergrau leben.

James Cameron und die Härte der Frauen

„Avatar“ ist kklassisches James-Cameron-Kino. Mit Neytiri, Grace und der Pilotin Trudy präsentiert er gleich drei seiner Amazonen-Charaktere, die in früheren Filmen Sarah Connor, Helen Taster, Lindsey Brigman oder Ellen Ripley hießen. Seine Militärs sind gewohnt metallisch-krachend und einsilbig („… konzentriert Euch in der Schlacht, ich will zum Abendessen zu Hause sein!“). Die Machart – wie immer – großartig. Cameron setzt mit „Avatar“ einen neuen Maßstab in der Kinotechnik, er versöhnt die Trickfilmer der abendfüllenden Comicals (die Pixarfilme sind ein Beispiel, ein anderes Filme wie Shrek oder Madagascar) mit denen von Transformers oder Star Wars I – Eine dunkle Bedrohung. Jetzt kann der Computer auch ernste Fantasy-Wesen mit perfekt plastischer Mimik zeigen; ob das ein Fluch ist oder Segen, der Untergang des Schauspieler-Kinos oder eine neue Ebene der Spielkunst, werden wir erfahren. Cameron missbraucht diese Technik (die er selbst mit erschaffen hat) nicht, er nutzt sie, um dem Zuschauer seine sehr spezielle Vision zu zeigen.

Dabei zieht er seine Cameronesken zu Hilfe, wo er kann: Wieder agieren die Frauen im Ernstfall konsequenter als die Männer neben ihnen. Wieder ist alles Militärische von Übel, getrieben von der Habgier eines seelenlosen Konzerns, der hier RDA (Resource Development Agency) heißt. Und – schon im Titel – Camerons Hybriden sind dabei; was früher eine Maschine war, die Mensch sein sollte, ein Alien war und gleichzeitig liebende Mutter, ein Mann, der geheimer Geheimagent und langweiliger Ehemann zugleich war, ist hier der Avatar – der Hybride aus Na'vi- und Mensch-DNS. Damit liefert Cameron uns eine ansprechende Allegorie auf Aggression, Bush-Regierung und geldgierige Banker in hinreißenden Bildern.
Eines der schönsten: In einem kurzen Schwenk sehen wir Neytiri und Jake, die nach einem gemeinsamen Flug durch die Berge von Pandora über das richtige „Windsurfen“ fachsimpeln – darüber, ob der Wind besser von rechts oder von besser von links genommen werden solle. Das Bild macht augenscheinlich lediglich deutlich, dass die beiden mehr miteinander haben, als den verliebten Blick ins Katzenauge. Es zeigt die Verbundenheit der beiden zueinander, es zeigt, wie tief Scully längst eingedrungen ist in Leben und Philosophie der Na'vi. Das Bild signalisiert: „Angekommen, zuhause!“

                   Szenenbild aus Avatar – Aufbruch nach Pandora

Poser im Pixelpark

Zwölf Jahren nach Titanic lässt der Regisseur die Versuche jüngerer SFX-, Science-Fiction und Fantasy-Versuche im Kino aussehen, wie von früher. Emmerichs „2012“: War da was? Terminator – Erlösung: Action in tristem Endzeit-Grau. Harry Potter VI? Zauberstabgefuchtel und schwebend pubertierende Teenager. Cameron ist der Poser im Pixelpark, der Halbstarke, der als „King of the world“ ins Rampenlicht tritt, mit dem erfolgreichsten Film aller Zeiten im Rücken und dem (wie immer) teuersten Film aller Zeiten in der Hand, und die Latte um, naja, einen halben Meter höher legt. In Camerons Alien-Welt dampft es. Die Luft vibriert. Jedes Augenzwinkern tut Dir leid, weil Du Bilder dieses seltsamen Mondes Pandora verpassen wirst, an dessen realer Existenz Du übrigens kaum einen Moment zweifelst – die Bilder beweisen ja seine Existenz. Die gewohnte Cameron-Perfektion kommt so selbstverständlich daher, dass man sie als arrogant missverstehen könnte.

Dafür lässt er uns einen Blick in seine Sehnsucht werfen. Ein vernetzter Kosmos: Flora, Fauna, Na'vi kommunizieren über ihre Haarspitzen – über zarte Fühler in diesen – miteinander. Der erfolgreiche Jäger trauert um den Tod der Beute. Alles hängt mit allem zusammen. Der Drachenvogel, der Dich töten will ist der Drachenvogel, der Dich zum Ritt einlädt. Im Wilden, Urtümlichen, im Natürlichen liegt die wahre Kraft. Camerons Paradies ist so schön, dass nur der Computer Bilder davon produzieren kann. Man kann ihm Naivität unterstellen. Abgehoben auf seinem Thron. Interessiert sich nicht mehr für die Welt, aus der er kommt. Wird Cameron, dem Poser, aber egal sein.

Kinoplakat zur Wiederaufführung: Avatar – Aufbruch nach Pandora

Eine wertvolle Vision

Genau genommen hat er sich für die reale Welt in seinen anderen Filmen auch nicht interessiert. Er hat seine Vision vorgelegt. Der Zuschauer wird entscheiden, ob sie massentauglich ist oder nicht. Eines ist Camerons Avatar-Vision aber bestimmt: Wertvoll!

Wertung: 7 von 7 €uro