Kinoplakat: Aus Mangel an Beweisen
Eine teure
kalte Welt
Titel Aus Mangel an Beweisen
(Presumed Innocent)
Drehbuch Frank Pierson + Alan J. Pakula
nach dem gleichnamigen Roman von Scott Turow
Regie Alan J. Pakula, USA 1990
Darsteller
Harrison Ford, Brian Dennehy, Raul Julia, Bonnie Bedelia, Paul Winfield, Greta Scacchi, John Spencer, Joe Grifasi, Tom Mardirosian, Anna Maria Horsford, Sab Shimono, Bradley Whitford, Christine Estabrook, Michael Tolan, Madison Arnold u.a.
Genre Thriller
Filmlänge 127 Minuten
Deutschlandstart
13. Dezember 1990
Inhalt

Rozat Sabich, genannt Rusty, ist ein erfolgreicher und angesehener Staatsanwalt in Kindle County. Sabichs geordnetes Leben gerät aus den Fugen, als seine Kollegin Carolyn Polhemus in ihrer Wohnung ermordet aufgefunden wird – Rusty hatte mit ihr mal eine mehrwöchige Affäre.

Ausgerechnet Sabich soll auf Geheiß des Oberstaatsanwalts Raymond Horgan die Ermittlungen in dem Fall leiten. Seine private Beziehung zum Mordopfer bringt ihn in eine schwierige Lage. Eine unvoreingenommene Beweissicherung kann er nicht durchführen, da er sich dadurch selbst in Bedrängnis bringen könnte. Als Polhemus' Liebhaber hat Sabich natürlich zahlreiche Spuren in der Wohnung hinterlassen.

Doch dann wechselt der Posten des Oberstaatsanwalts. Nico Della Guardia, der neue Mann an der Spitze, nimmt Sabich unter Beschuss, nachdem erste Spuren in dessen Richtung deuten. Schließlich sieht sich Sabich einer Mordanklage ausgesetzt und muss seine Unschuld beweisen …

Was zu sagen wäre

Alan J. Pakulas Welt der gehobenen Jurisprudenz ist eine kalte Welt mit egoistischen Typen, miesen Tricks und Korruption im Maßanzug. Es gilt das abgesprochene Wort. Das Gesetz ist nicht mehr für alle gleich; kommt ein neuer Sheriff, gibt‘s ein neues Gesetz – als der Oberstaatsanwalt wechselt, wechselt die Moral und unser Vorzeigeheld mit dem Vorzeige-Vorstadtidyll und der Vorzeige-Affaire gerät in Schwierigkeiten. Das ist das Lieblingsthema des Regisseurs: Korruption im Amt, Kumpanei gegen den Bürger. Alan J. Pakula wirft regelmäßig einen prüfenden Blick in die geschlossenen Welten der Staatsapparate („Sophies Entscheidung“ – 1982; „Das Rollover-Komplott“ – 1981; Die Unbestechlichen – 1976; „Zeuge einer Verschwörung“ – 1974; „Klute“ – 1971).

„Presumed Innocent“ ist eine Hochglanzproduktion. Erlesen gefilmt, hochkarätig besetzt, und wuchtig geschrieben – natürlich feuern vor allem die Auftritte vor Gericht rhetorische Glanzsalven. Harrison Ford muss die Hauptrolle ausfüllen, müsste der strahlende Rhetor sein, der elegante Verführer, der liebevolle ehemann, der am Boden zerschmetterte Liebhaber – tatsächlich ist er vor allem missmutig und mit jeder Minute frage ich mich dringlicher, wie dieser Mann mit dem Charme einer angerosteten Büroklammer es jemals so weit hat bringen können. Reicht es, Harrison Ford zu sein? Greta Scacchi ihrerseits ist so isnzeniert, dass sie in jeder Sekunde wirkt wie die perfekte Begründung für einen Seitensprung; sie wirkt wenig geheimnisvoll. Hier beginnt das Problem. Diese wunderbare Verpackung des films hat nichts zu enthüllen. Was Pakula hier vermeintlich thematisiert, Kumpanei unter hohen Beamten, intrigante Karrierespielchen, hat längst Einzug gefunden ins US-Serienfernsehen, da tauchen mit schöner Regelmäßigkeit korrupte Polizisten auf.

Es wäre hilfreich gewesen, bei diesem Kinofilm mehr auf die Bildsprache zu setzen. Filme, die sich um Gerichtsverfahren drehen, sind häufig, Dialog-Opern, Filme, bei denen das Zuhören allein schon Spaß macht. Aber dunkel getäfelte Hinterzimmer mit wuchtigem Ledermöbel ohne die Dramen, die sich dort abspielen, machen noch keinen hintergründigen Film. So ist es ein in Ehren ergrauter, ach was, schon grau zur Welt gekommener Film, der aussieht, als sei er zehn Jahre zu spät dran.

Wertung: 5 von 10 D-Mark