Kinoplakat: Assault – Anschlag bei Nacht
Ein blutbespritztes Mädchen macht
Regisseur Carpenter unsterblich
Titel Assault – Anschlag bei Nacht
(Assault on Precinct 13)
Drehbuch John Carpenter
Regie John Carpenter, USA 1976
Darsteller Austin Stoker, Darwin Joston, Laurie Zimmer, Martin West, Nancy Loomis, Tony Burton, Peter Bruni, Kim Richards, John J. Fox, Marc Ross, Alan Koss, Henry Brandon, Frank Doubleday, Gilbert De la Pena u.a.
Genre Thriller
Filmlänge 91 Minuten
Deutschlandstart
9. März 1979
Website theofficialjohncarpenter.com/feature-films/
Inhalt

Revier 13 hat ausgedient. Die alte Polizeistation in dem runtergekommenen Bezirk von L.A. soll geräumt werden. Die meisten Cops sind bereits weg, die Telefone gekappt, nur eine Notbesetzung hält die Stellung.

Da tauchen erst ein Transport mit drei verurteilten Mördern und dann der sinneswirre Vater eines ermordeten Mädchens auf. Letzterer hat kurz zuvor an den Tätern Rache geübt und befindet sich jetzt auf der Flucht vor einer zahlenstarken, bestens bewaffneten Streetgang.

Wie eine Partisanenarmee belagern deren Mitglieder die Polizeistation und zwingen die Eingeschlossenen in die Schlacht um Revier 13 …

Was zu sagen wäre

Dieser ebenso brutale wie mitreißende Film markiert den Auftakt für den nur wenige Filme dauernden Höhepunkt im Schaffen John Carpenters. Zwei Jahre zuvor hatte er mit Dark Star eine witzige, philosophisch angehauchte Science-Fiction-Farce inszeniert. Mit „Assault“ startet er durch. Spätestens, als ein Streetgang-Member nach etwa 15 Minuten das kleine Mädchen mit der Eiswaffel erschießt – in Großaufnahme – war Carpenter ein Platz in allen Feuilletons sicher. So konsequent, kalt und close up hatte die Gewalt noch kein Regisseur gezeigt – wenige haben Gewalt als aus der Gesellschaft heraus geboren gebrandmarkt. Anfangs cruisen Gangmember mit ihrem Wagen durch die Straßen des Viertels und zielen durchs Fernrohr auf wahllos daher kommende Passanten – Jeden kann es treffen, jeder ist hier opfer, jeder kann Täter werden. Beklemmend.

Kinoplakat zur Wiederaufführung: Assault – Das EndeEin Kammerspiel mit automatischen, schallgedämpften Waffen

Dieses Kammerspiel ist ein Musterbeispiel für gute Filmdramaturgie und Grundlage vieler Horrorfilme, die Carpenter, vor allem aber viele Regisseure späterer Jahre kopierten: Das Böse sieht man kaum, die Motivation des Bösen wird nicht erklärt – sie ist. Aus der Ausweglosigkeit zieht Carpenter seinen Nektar für sesselkauernde Spannung. In einer Szene liegt das nächtliche Polizeirevier unter dem Kreuzfeuer der Streetgangs. Weil sie ihre Waffen zuvor aus einem Militärlager geklaut haben – wie wir in TV-News zu Beginn erfahren – haben die Gangs hochmoderne automatische Waffen mit Schalldämpfer. Niemand hört die Schüsse; umso brutaler ist die sichtbare Wirkung der ungehörten Schüsse: Fensterscheiben splittern, Papier fliegt auf und tanzt durch die Luft. Das ist grandioses Kino fürs Auge.

In einer anderen Szene kurvt ein Polizeiwagen ums Revier; Anwohner hatten Lärm gemeldet. Die Beamten wollen zum Verdruss der Zuschauer gerade unverichteter Dinge abdrehen, als sie ein regelmäßiges Klopfen auf dem Dach bremst. Einer der beiden steigt aus, schaut sich um, sieht nichts, aber dann einen dunklen Fleck auf dem Wagendach, der größer wird – weil in der Oberleitung ein Toter hängt, dessen Blut in regelmäßgen Abständen aufs Dach tropft. Worte sind in dieser Szene überflüssig.

Die Klasse von Assault erreicht Carpenter nie wieder

Danach drehte Carpenter Halloween, Die Klapperschlange, The Fog und Das Ding aus einer anderen Welt und dann noch einige Filme, die nicht der Rede Wert sind. Die Klasse von Assault erreichte er nie wieder. Nach der Klapperschlange erlebte eine verstümmelte Version von Assault eine Wiederaufführung unter dem Titel „Das Ende“ – auf dem Plakat (siehe links) stand ein großer Schatten über einer Großstadt, deren Umriss deutlich an Kurt Russels Snake Plissken angelehnt war.

Wertung: 9 von 9 D-Mark