Kinoplakat (US): Hercules in New York
Eine Film ohne Story um
einen Muskelmann herum
Titel Hercules in New York
(Hercules in New York)
Drehbuch Aubrey Wisberg
Regie Arthur Allan Seidelman, USA 1969
Darsteller

Arnold Stang, Arnold Schwarzenegger, Deborah Loomis, James Karen, Ernest Graves, Tanny McDonald, Harold Burstein, Merwin Goldsmith, George Bartenieff, Taina Elg, Michael Lipton, Jan Adams, Rudy Bond, Lane Carroll u.a.

Genre Fantasy, Abenteuer
Filmlänge 89 Minuten
Deutschlandstart
1. Juli 1985 (Videopremiere)
Inhalt

Der Halbgott Hercules hat genug vom Leben im Olymp. Er will Abenteuer, Herausforderungen, also irgendwie ein richtiges Leben. Er will also die Erde besuchen. Das findet sein vater, der oberste aller Götter, Zeus, ziemlich albern und verbietet es seinem Spross kurzerhand. Aber der lässt nicht locker und irgendwann ist Zeus so genervt, dass er Hercules auf die Erde verbannt.

Ein Schiff findet den im Meer treibenden Hercules und nimmt ihn an Bord. Nachdem das Boot im Hafen von New York City angelegt hat, geht Hercules ohne Erlaubnis von Bord und wird sofort in eine handfeste Prügelei verwickelt, bei der er sich alleine gegen sechs Dockarbeiter behauptet.

Diese Prügelei hat Pretzie beobachtet, ein schmächtiger Typ mit Brille, der so heißt, weil er seinen Lebenshunterhalt mit dem Verkaufen von Brezeln (Prtzels) verdient.

Voller Verwunderung über den starken Fremden schließt er sich Hercules an. Im Verlauf des Tages erreichen sie einen Sportplatz, auf dem ein Universitätsprofessor auf das ungewöhnliche Duo aufmerksam wird, als Hercules den hier trainierenden Athleten mit seinen übermenschlichen Leistungen die Schau stiehlt. Er lädt die beiden zum Tee zu sich nach Hause ein.

Während er sich in der stadt schnell eine Karriere als Ringer aufbaut, verbringt er viel Zeit mit der attraktiven Tochter des Professors und lässt sich die Stadt zeigen. Da wird Pretzie von Kriminellen gezwungen, einen Vertrag für Hercules als Ringer bei ihnen zu unterzeichnen.

Auf dem Olymp beobachtet das Treiben in New York Zeus mit einer Mischung aus Sorge und Verachtung. Die Sorge teilt er mit vielen jungen Göttinnen, die ihren Hercules unverletzt wiedersehen möchten. Die Verachtung wird befeuert durch Zeus‘ Gattin Hera, die mit dem Stiefsohn ohnehin nie warm geworden ist. Durch ihre Intrigen beauftragt Zeus die Götter Nemesis und Pluto damit, Hercules zu bestrafen. Kurz darauf ist der Halbgott seiner göttlichen Kraft auf Erden beraubt.

Jetzt verliert er Wettkämpfe und wird prompt von den gangstern gejagt, die Pretzie den Vertrag abgepresst hatten …

Was zu sagen wäre

Das ist ein Film ohne Dramaturgie, gedreht um einen jungen Österreicher herum, der gerade der jüngste Mr. Universum aller Zeiten geworden ist – das ist der höchste Titel bei Bodybuildern. Arnold Schwarzenegger, 22 Jahre alt, zeigt imposante Muskeln. Darum dreht es sich in diesem Film, der auf abendfüllend gedehnt wurde, indem man ihm Versatzstücke aus Krimiserien verpasst hat. Spannung hat er keine. Er hat auch keine Geschichte, weil Hercules nirgendwohin will, nachdem er einmal die Erde erreicht hat, und da wo er ist, ist er schon unbesiegbar.

A Day in New York with Hercules, so könnte er Film auch heißen. Arnold Schwarzenegger, dessen Name kein US-Amerikaner aussprechen kann, nennt sich hier Arnold Strong und kann nicht spielen. Er sagt Drehbuchsätze auf, lässt sich von Zeus mit einem Blitz aus Drahtgitter auf die Erde schubsen und zieht alle fünf Minuten sein Oberteil aus – da werden sogar die Frauen blass. Dann fährt er mit einem Vierspänner über den Broadway, was spektakulär aussieht und dann ist der Film bald zu Ende.

***

Soweit meine Notizen damals, als ich den Film zum ersten Mal gesehen habe. Der Film wäre längst vergessen, würde Schwarzenegger hier nicht seine erste Rolle spielen; wobei spielen nicht das richtige Wort ist für das, was er da macht. Er schaut imposant aus und legt damit auch schon den Grundstein all seiner folgenden Erfolge, bei denen auch vor allem imposant aussah.

Schwarzeneggers Markenzeichen in der Hochphase seiner Filmerfolge war sein gepflegter österreichischer Akzent und der Humor, mit dem er sich selbst auf die Schippe nahm. Davon gibt es in diesem Film noch nichts. In der Version, die am 25. Februar 1970 in die US-Kinos kam, war Schwarzenegger noch synchronisiert; da spricht Hercules ein kerniges US-Englisch. Und er hieß der Einfachheit halber Arnold Strong – an eine Weltkarriere hatte damals (außer ihm selbst) niemand gedacht, da war der Name egal.

Der Film aus dem Jahr 1969 ist ein gutes Beispiel für die Misere, in die sich die amerikanische Filmindustrie damals gedreht hatte; sie ähnelt der, in die Industry seit den Nuller Jahren des 21. Jahrhunderts steckt. „Hercules in New York“ ist schlecht gespielt, schlecht inszeniert, schlecht fotografiert und von dramaturgischem Schnitt kann man auch nicht sprechen. Darauf haben es die Produzenten aber auch gar nicht angelegt; ihnen hat gereicht, dass es da diesen jungen, attraktiven Österreicher mit dem ausgesprochen markanten Oberteil gibt, dann wird irgendwem der Vergleich zum griechischen Halbgott eingefallen sein – Muskeln weil Kraft, Kraft gleich Hercules – und weil der Film nicht teuer werden sollte, wurde er quasi vor der Haustür gedreht. Die Szenen in der Götterwelt des Olymp wurden im New Yorker Central Park aufgebaut und gedreht – auf der Originaltonspur damals hörte man sogar den Verkehrslärm Manhattans im Hintergrund.

Etwas, das über den Abspann hinaus bleibt, hat der Film nicht. Mit solchen ideenlosen, billig produzierten Filmen überschwemmte Hollywood damals die Kinos. Sie sind der Humus, aus dem spätere Filmemacher wie George Lucas (THX 1138 – 1971), Francis Ford Coppola (Der Pate – 1972), Steven Spielberg (Der weiße Hai – 1975), Martin Scorsese („Taxi Driver“ – 1976) ihren Zorn holten, der ihre Kreativität kitzelte, mit dem sie Filme machen wollten, wie sie sie „selbst als Kind im Kino geguckt haben“.

Motor der Story ist Arnold Stang, ein damals leidlich bekannter Komiker von geringer Körpergröße, der sich auf den scharfzüngigen Brillenclown spezialisiert hatte, der sich in der Großstadt mit schnellen Sprüchen gegen die böse, in allen Fällen stärkere Umgebung behauotet. In diesem Film macht er vor allem große Augen hinter seinen großen Brillengläsern und schiebt den vor der Kamera unerfahrenen Arnold Strong von Szene zu Szene und soll dabei dem Zuschauer als Alter Ego etwas halt geben in dem albernen Chaos.

Immerhin: Schwarzeneggers Muskeln sind wirklich bemerkenswert.

Wertung: 2 von 8 D-Mark