Kinoplakat: Arlington Road
Klar. Präzise. Zwingend.
Ein großer Thriller
Titel Arlington Road
(Arlington Road)
Drehbuch Ehren Kruger
Regie Mark Pellington, USA 1999
Darsteller

Jeff Bridges, Tim Robbins, Joan Cusack, Hope Davis, Robert Gossett, Mason Gamble, Spencer Treat Clark, Stanley Anderson, Viviane Vives, Lee Stringe, Darryl Cox, Loyd Catlett, Sid Hillman, Auden Thornton, Mary Ashleigh Green u.a.

Genre Thriller
Filmlänge 117 Minuten
Deutschlandstart
1. April 1999
Inhalt

Michael Faraday ist Professor für Geschichte an der George Washington University und unterrichtet dort über Terrorismus innerhalb der USA. Nachdem seine Frau Leah, eine ehemalige FBI-Agentin, bei einem schiefgelaufenen Einsatz gegen vermeintliche Terroristen ums Leben gekommen ist, welche sich als unschuldige Bürger herausstellten, wird die Nachforschung auf diesem Gebiet für Faraday zur Obsession.

Als er dem Sohn des vor kurzem in die Nachbarschaft gezogenen Bauingenieurs Oliver Lang das Leben rettet, freundet er sich mit Oliver und dessen Frau Cheryl an. Das durch eine Explosion schwer verletzte Kind wurde von Faraday ins Krankenhaus gebracht, seine Verletzungen als dummer Jungenstreich mit Feuerwerkskörpern erklärt.

Doch in Faraday, keimt ein Verdacht: Er hält die Langs für gesuchte Terroristen, die hinter der bürgerlichen Fassade einen neuen, perfiden Anschlag planen.

Birgt sein Misstrauen tödliche Wahrheit, oder ist Faraday durch den gewaltsamen Tod seiner Frau ein Opfer seiner eigenen Paranoia ..?

Was zu sagen wäre

„Kompromisslos“ ist das erste Adjektiv, was mir zu diesem Thriller einfällt. Wenn ich aus einem Film nach Hause gehe und denke, „Oh Gott, wie furchtbar“, und damit das Schicksal einer der Hauptfiguren des Films meine, dann gibt es weiter – für mich – nichts zu sagen.

Der Terror des 11. September 2011 stand wohl, als der vorliegende Paranoia-Thriller konzipiert und gedreht wurde, noch nicht mal auf einem Papyrus, die USA hatten aber 1999 die ersten Terror-Erfahrungen gemacht und dabei vor allem verstanden, dass Ihr Gottes-eigenes-Land künftig nicht ohne Feuerball-Terror werde auskommen können. Der Unabomber (university and airplane bomber) hatte Schlagzeilen gemacht, der Anschlag auf das Murrah Federal Building in Oklahoma City im April 1995 war die jüngste Erinnerung der US-Bürger; im Film wird ein Anschlag auf die Steuerbehörde in St. Louis erwähnt, der augenfällige Parallelen zu Oklahoma City hat.

Kinoplakat: Arlington Road

Sehr schön kann man an diesem Film das System Hollywood erkennen. Nachdem die Zeiten der schweigsamen Einzelkämpfer (SchwarzeneggerWillisStallone) zu Ende geht, setzt die Industry hier nicht mehr auf den Rache-Aspekt, sondern blickt auf den Nachbarn. Es gibt Explosionen auch in diesem Thriller. Aber Geschichten über Menschen wir Du und Ich in Situationen, in die Du und Ich niemals kommen möchten, eignen sich für großen Kinostoff – die Filmgeschichte ist voll großartiger, explosionsarmer Thriller, die Kasse machten: Psycho, Malice – Eine Intrige (1993),  Die Unbestechlichen (1976) u.v.a. – das verkauft sich gut! Ist mit dem Kassen-notwendigen Override inszeniert und stellt darunter richtige Fragen: Was heißt es denn eigentlich, wenn man so dahin sagt, „Haltet die Augen offen!“? Was passiert denn eigentlich, wenn ich glaube, tatsächlich was zu bemerken und zur Polizei gehe? Glaubt die mir? Und was passiert, wenn ich damit leben muss, neben einem Nachbarn zu leben, den ich zu Unrecht angeschwärzt habe? Und vor allem: Ist das noch die Welt, in der ich leben möchte?

In Mark Pellingtons Thriller leben die Menschen nebeneinander her und gehen sich aus dem Weg. Oliver Lang, der neue Nachbar, begrillt in Abständen ein paar anonyme Menschen in seinem geräumigen Garten, aber mehr Geselligkeit hat der Film dann auch nicht. Die Liebesbeziehung zwischen Jeff Bridges als alterndem Professor (The Big Lebowski – 1998; Liebe hat zwei Gesichter – 1996; White Squall – Reißende Strömung – 1996; Starman – 1984; Tron – 1982; „Heaven's Gate“ – 1980; „King Kong“ – 1976; Mr. Universum – 1976; Die Letzten beißen die Hunde – 1974; Die letzte Vorstellung – 1971) und Hope Davis als dessen junge Geliebte Brooke ist mehr Behauptung als gelebt. Die einzig glücklichen Menschen – oder wenigstens: die ausgeglichensten – sind Herr und Frau Teufel, Tim Robbins mit unbewegtem Gesicht bedrohlich und Joan Cusack in einer wunderbaren Kleinrolle; einmal lässt sie uns teilhaben, wie ihr ein Lächeln im Gesicht gefriert … große Schauspielkunst.

Die guten Schauspieler werden gestützt durch ein wortgewaltiges Drehbuch, ununterbrochen wird gesprochen in diesem Film, es ist eine Flut an Informationen, die das Bild überflüssig machen. Kameramann Bobby Bukowski verzichtet auf gefällige Kameraflüge, die Optik bleibt auf Augenhöhe und zeigt leere Straßen, leere Häuser, leere Menschen, eine leere Welt, in der Angst vor Mord und Totschlag und Desinteresse am anderen die Menschen in ihre Häuser treibt.

Dieser auf der Höhe seiner Zeit spielende Paranoia-Thriller ist: Gut! Gut geschrieben! Gut besetzt. Gut gespielt!

Wertung: 10 von 11 D-Mark