Plakatmotiv: Die glorreichen Sieben (2016)
Warum dieser Film?
Titel Die glorreichen Sieben
(The Magnificent Seven)
Drehbuch Richard Wenk + Nic Pizzolatto
nach dem Drehbuch zu „Die sieben Samurai“ von Akira Kurosawa + Shinobu Hashimoto + Hideo Oguni
Regie Antoine Fuqua, USA 2016
Darsteller Denzel Washington, Chris Pratt, Ethan Hawke, Vincent D'Onofrio, Byung-hun Lee, Manuel Garcia-Rulfo, Martin Sensmeier, Haley Bennett, Peter Sarsgaard, Luke Grimes, Matt Bomer, Jonathan Joss, Cam Gigandet, Emil Beheshti, Mark Ashworth u.a.
Genre Western
Filmlänge 133 Minuten
Deutschlandstart
22. September 2016
Inhalt

In Rose Creek hat der Geschäftsmann Bartholomew Bogue die Kontrolle und erpresst die Einwohner mit Gewalt zum Gehorsam. Diese suchen in ihrer Verzweiflung die Hilfe von sieben Männern: den Kopfgeldjäger Sam Chisolm, den Spieler Josh Farraday, den Scharfschützen Goodnight Robicheaux, den Fährtenleser Jack Horne, den Auftragskiller Billy Rocks, den Gesetzlosen Vasquez und den Krieger Red Harvest.

Die Sieben setzen alles daran, die Stadt von der Gewaltherrschaft Bogues zu befreien …

Was zu sagen wäre

Seit die Bilder digital sind, sich von ihrer 35-Millimeter-Polyesterbegrenzung befreit haben, wirken die Panoramen, die zu einem Western gehören wie das finale Duell, nochmal großartiger als jene, die Charles Lang 1960 für John Sturges‘ gleichnamiges Original gefilmt hat. Schade, dass Antoine Fuqua das nicht weidlich genutzt hat. Er versendet die (durchaus) großartigen Panoramen als bessere Schnittbilder, um eine Szene von der nächsten zu trennen. Meistens begnügt er sich mit Großaufnahmen sprechender Gesichter, und hätte Denzel Washington nicht einen schwarzen Hut mit breiter Krempe auf, man würde nicht merken, dass er hier in einem Western spielt; es könnte genausogut eine seiner stoischen Einzelkämpfer-Rächer-Rollen in der modernen Großstadt sein, die spielt er auch nicht anders (The Equalizer – 2014; 2 Guns  – 2013; Flight – 2012; Safe House – 2012; Unstoppable – Außer Kontrolle – 2010; Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3 – 2009; Déjà Vu – 2006; Mann unter Feuer – 2004; Training Day – 2001) – stoischer Blick, moralisch-richtige Sätze, überlegene, elegante Waffenführung – der Franz Beckenbauer unter den Wildwestschützen.

Warum er in diese Stadt kommt ist, was ihn antreibt, das erfahren wir in einem kurzen, geschmetterten Dialog während des finalen Shootouts; quasi als das große Geheimnis dieses Films, der so völlig ohne Geheimnis ist. Die Armut des Films unterstreicht die Schlusssequenz, als die Kamera über die Gräber jener der Sieben, die nicht überlebt haben, streift, und uns die einzige Frau auf der Sprechrollen-Besetzungsliste aus dem Off erklärt, „was immer dieser Männer in ihrem Leben zuvor getan hatten. Sie starben glorreich“; als hätte der Zuschauer das nicht gerade in aller Ausführlichkeit und Lautstärke gezeigt bekommen. Der Film traut sich nichts und dem Zuschauer nichts zu. Als der Shootout beginnt, frage ich mich, warum es diesen Film gibt; Antoine Fuquas Motivation ist zunächst so rätselhaft wie die der Sieben.

Die Neuverfilmung des Klassikers wirft ein Schlaglicht auf die Verheerung, die die sehr erfolgreichen Superheldenfilme der vergangenen Jahre im zeitgenössischen Kino angerichtet haben. Dramaturgie, Spannungsbögen, Szenenaufbau … all jene Erzählelemente, die einst zu einem guten Film zwingend dazu gehörten, finden in diesem Western nicht mehr statt. Bei den Comic-Helden mag diese Erzähltechnik noch funktionieren, weil das Gros der Zuschauer weiß, da kommen noch ganz viele Filme nach, bis das große Epos auserzählt ist, da kann man sich die etwas lauwarmen Regeln des seriellen TV-Erzählens schon eher erlauben – und die Avengers kennt ohnehin mittlerweile jeder. Antoine Fuqua wendet dieses Prinzip auf seine Harte-Kerle-Variante – hier welche mit breiten Hüten – an. Er nennt seinen Film „Die glorreichen Sieben“, die kennt man noch – die Älteren aus dem Kino, die Jüngeren aus dem Fernsehen – da spart sich das Drehbuch die umständlichen Einleitungen und kommt gleich zur Sache. Dem Plakatmotiv gibt das Marketing dann noch die Anmutung des Tarantino‘schen Hateful 8 (2015), dann wissen auch alle Übrigen, dass es sich um einen Western handelt.

Plakatmotiv (US): Die glorreichen Sieben (2016)Diese Hau-Ruck-Dramaturgie hat Antoine Fuqua (The Equalizer – 2014; Olympus Has Fallen – 2013;Gesetz der Strasse – Brooklyn's Finest – 2009; „King Arthur“ – 2004; Training Day – 2001; Bait – Fette Beute – 2000; The Replacement Killers – 1998) zwar übernommen aus den 1950er Jahren, aber nicht nur haben sich Kino, Welt und die Menschen um 60 Jahre weiter entwickelt – auch ließen die Charaktere, die Yul Brynner, Steve McQueen oder Charles Bronson damals skizzierten, trotzdem tiefe Blicke in deren Seelen zu. In Fuquas Neuauflage herrschen Oberfläche und coole Sprüche. Hier ist also zu Beginn der Schurke, den Peter Sarsgaard (Green Lantern – 2011; Knight and Day – 2010; „An Education“ – 2009; „Jarhead – Willkommen im Dreck“ – 2005; K-19 – Showdown in der Tiefe – 2002) als gelangweilten, nierenkrank dreinschauenden Schmalhans in Schwarz spielt, der mit Bewaffneten einen Gottesdienst stört, unbescholtene und unbewaffnete Menschen erschießen lässt und das Land der Menschen fordert; er vermutet dort augenscheinlich Gold.

In der nächsten Szene treffen zwei Überlebende aus der geschundenen Stadt auf der Suche nach Hilfe auf Chisolm, der gerade heldenhaft einen Saloon zerlegt hat. Der lässt sich für kleines Geld anheuern („Das ist alles, was wir haben.“ „Man hat mir schon viel angeboten. aber noch nie alles!“), als er den Namen des Schurken hört – offenbar gibt es eine gemeinsame Vergangenheit mit diesem Bartholomew Bogue, die sich wie gesagt am Schluss erklärt (übrigens in erwarteten Gemeinplätzen). In wenigen Bildschnitten sind die anderen sechs Männer gefunden, alle reiten in die kleine Stadt, bauen Fallen, trainieren mit den unbescholtenen Bürgern, dann kommen auch schon die drückend überlegenen Schurken und der sehr lange Showdown beginnt.

Nichts Raffiniertes, kein Spannungsaufbau, etwa indem Schurke und Chisolm mal einen ersten Abtast-Dialog hätten, oder gar, dass einzelne Figuren der Sieben ein wenig tiefer beleuchtet würden, anstatt sie holzschnittartig als ehemaliger-Scharfschütze-und-jetzt-Alkoholiker oder als Kartentrickser-und-lustiger-Glücksritter oder als grimmer-Indianer abzukanzeln. Die Motivation des Antoine Fuqua, diesen Film zu drehen, muss es gewesen sein, mal einen ordentlichen Shootout zu inszenieren.

Als Charles Bronson, den alle Kinder in der kleinen Stadt so liebten, im Original damals erschossen wurde, war ich erschrocken. In dieser Neuauflage tauchen Kinder nur als großäugige, moralische Rechtfertigung fürs Schießen auf. Hier erschreckt mich nichts und langweilt mich vieles.

Wertung: 1 von 8 €uro