Plakatmotiv: Winchester 73
Ein Repetiergewehr als Roter Faden
durch ein Portrait der Wildwest-Prairie
Titel Winchester 73
(Winchester '73)
Drehbuch Robert L. Richards + Borden Chase + Stuart N. Lake
Regie Anthony Mann, USA 1950
Darsteller James Stewart, Shelley Winters, Dan Duryea, Stephen McNally, Millard Mitchell, Charles Drake, John McIntire, Will Geer, Jay C. Flippen, Rock Hudson, John Alexander, Steve Brodie, James Millican, Abner Biberman, Tony Curtis u.a.
Genre Western
Filmlänge 92 Minuten
Deutschlandstart
9. Februar 1951
Inhalt

1876 im Südwesten der Vereinigten Staaten: Lin McAdam und sein Begleiter „High-Spade“ Frankie Wilson verfolgen einen Verbrecher, mit dem Lin eine alte Rechnung offen zu haben scheint.

Die Freunde finden, wie erhofft, den Gesuchten und zwei seiner Kumpane in Dodge City, wo er unter dem Falschnamen Dutch Henry Brown Station gemacht hat, um an einem Schießwettbewerb zum „Centennial“ (Hundertjahrfeier) der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung teilzunehmen. Eine blutige Konfrontation der Männer wird zunächst verhindert, da in der Stadt ein Verbot privater Waffen vom charismatischen Sheriff Wyatt Earp durchgesetzt wird. Siegespreis des Wettbewerbs ist ein legendäres Präzisionsgewehr – eine „Winchester ’73“ in der Spezialanfertigung „Eine unter Tausend“.

Lin McAdam siegt im spektakulären Stechen gegen Dutch Henry Brown. Der Verlierer täuscht eine eilige Abreise vor und Lin muss deswegen auf die übliche, einen Tag in Anspruch nehmende Gravur seines Sieges auf dem Gewehr verzichten, denn er will seinem Widersacher keinen Vorsprung lassen. Ein Duell außerhalb der Stadt scheint unvermeidlich. Doch Dutch Henry Brown schlägt Lin hinterrücks in dessen Hotelzimmer nieder, nimmt ihm die gerade gewonnene Winchester ab und flieht mit seiner Bande, nachdem der Sheriff eingegriffen hat.

In einer Spelunke am Rand der Wüste verliert Dutch die Winchester beim Kartenspiel an einen dubiosen Waffenhändler, dem sie bei einem Geschäft mit den Indianern von Häuptling Young Bull abgenommen wird. Lin und High-Spade folgen währenddessen Dutchs Spur durch die Wüste nach Tascosa. Eine Indianerattacke zwingt sie zur Flucht in eine Wagenburg der US-Kavallerie, wo auch das junge Paar Lola Manners und Steve Miller Schutz gesucht hat.

Mit Hilfe der Neuankömmlinge und ihrer schnell schießenden Repetiergewehre kann am nächsten Morgen ein weiterer Indianerangriff endgültig abgewehrt werden. Der Anführer, kein anderer als Young Bull, kommt ums Leben, aber die Waffe wird erst gefunden, nachdem Lin und High-Spade schon weitergeritten sind. Die Kavalleristen schenken sie ahnungslos Steve zum Schutz von Lola …

Plakatmotiv: Winchester 73

Was zu sagen wäre

Die Männer, die in Anthony Manns Western keine Waffen tragen, fühlen sich „nackt“. Sie leben in einer rauen Welt, bevölkert von Falschspielern, Ganoven, Indianern auf Kriegspfad und schießwütigen Revolvermännern. Als die titelgebende Winchester ins Spiel kommt, „eine unter tausend“, werden die harten Männer ganz weich, streicheln selig mit der schartigen Hand über die elegante Waffe. Dass ihr jeweiliger Besitzer deren Besitz nice lange überlebt, ist die tragische Ironie dieser Geschichte, die der Einen unter Tausend durch die Weiten der Landschaft folgt. Dabei entfaltet Mann ein vielfältiges Portrait der amerikanischen Welt zu jener Zeit.

Plakatmotiv: Winchester 73James Stewart korrigiert in diesem Film sein eingeübtes, beim Publikum beliebtes Image (s.u.). Aus dem freundlichen Jedermann wird hier ein freundlicher Westerner mit Vergangenheit und dem Hang zum Gewaltausbruch. Zusammen mit Millard Mitchell als „High Spade“ gibt Stewart eine wunderbare Buddy-Performance. Was die beiden einst zusammenbrachte, bleibt lange offen; wir lernen sie kennen als Freunde, die gemeinsam durch Dick und Dünn gehen, wobei Lin die Richtung vorgibt, aber seine Zukunft aus den Augen verloren hat, die eigentlich beginnen soll, wenn seine Jagd endlich vorbei ist.

Eine besondere Rolle spielt Shelley Winters als einzige Frau zwischen lauter schießwütigen Männern; dass sie zu Beginn mit dem einzigen Feigling durch die Prairie in eine mutmaßlich gemeinsame Zukunft reitet, ist der traditionellen Rolle der „ehrbaren“ Frau zu dieser Zeit geschuldet, nach der auch Winters Lola strebt. Sie erweist sich als taffer, als alle Männer und träumt weiterhin vom Leben auf einer fruchtbaren Farm – wenn der richtige Mann des Wegs kommt, als der sich Lin erweist, sozusagen der Eine unter Tausend Männern.

Zwei Schauspieler, die später sehr erfolgreiche Hollywoodstars werden sollten, hatten ihre ersten Filmauftritte in kleinen Rollen: Tony Curtis spielt einen jungen Soldaten und Rock Hudson ist mit Schminke und Perücke als Indianer Young Bull zu sehen.

Wertung: 5 von 6 D-Mark