Kinoplakat: Anna Karenina
Eigentlich überflüssig
aber mit Sophie Marceau
Titel Anna Karenina
(Anna Karenina)
Drehbuch Bernard Rose
nach dem gleichnamigen Roman von Leo Tolstoi
Regie Bernard Rose, USA 1997
Darsteller ophie Marceau, Sean Bean, Alfred Molina, Mia Kirshner, James Fox, Fiona Shaw, Danny Huston, Saskia Wickham, Phyllida Law, David Schofield, Jennifer Hall, Pjotr Schelochonow u.a.
Genre Drama, Romanze
Filmlänge 108 Minuten
Deutschlandstart
1. Mai 1997
Inhalt

Anna Karenina ist die schöne und kluge Frau des reichen, gefühllosen und viel älteren Fürsten Alexei Alexandrowitsch Karenin. Trotz ihres glanzvollen Daseins und der Nähe zum russischen Zarenhof führt sie ein einsames, unerfülltes Leben, ist unglücklich in ihrer Ehe und vom Leben enttäuscht. Ihr Gatte, ein hoher Regierungsbeamter, sieht in einer erfolgreichen Karriere das höchste Lebensziel und hat für seine junge Frau kein Verständnis. Als pflichtbewusste und treue Ehefrau und liebevolle Mutter eines neunjährigen Sohnes ist sie zwar zufrieden, aber wahre Leidenschaft hat sie nie erlebt.

Eine Reise von Sankt Petersburg nach Moskau ändert dies, denn sie begegnet dort dem attraktiven jungen Kavallerieoffizier Graf Wronski, der seine Mutter Gräfin Wronskaja vom Zug abholt. Liebe auf den ersten Blick und Beginn einer tragischen Beziehung.

Nach anfänglichem Zögern lässt sich Anna Karenina schließlich doch auf eine Affäre mit Wronski ein und verstrickt sich dadurch in den klassischen Strudel von Pflicht und Neigung. Anna erwartet von ihrem Geliebten ein Kind und gesteht ihrem Mann ihr außereheliches Verhältnis. Karenin verweigert die Scheidung und verlangt von ihr, dass sie den Geliebten nie wieder sehen dürfe und sich in Hinkunft standesgemäß verhalten solle, ansonsten würde er ihr den Sohn entziehen …

Was zu sagen wäre

Anna Karenina ist ein opulent ausgestattetes Romantik- und Historien-Epos um die Adelsschicht im imperialen Russland. Die Leo-Tolstoi-Verfilmung wurde als erste westliche Produktion von „Anna Karenina“, die tatsächlich an Originalschauplätzen in St. Petersburg (von Februar bis Juli 1996) in Szene gesetzt wurde. Der Film ist ein Star-Vehikel ohne tiefere Ambitionen. Bernard Rose verfilmt die Buchstaben eines Romanklassikers. Man erfährt aber nicht, warum. Wahrscheinlich mag er Kostümfilme.

Möglich auch, dass er in Sophie Marceau verliebt ist („Jenseits der Wolken“ – 1995; Braveheart – 1995; „D'Artagnans Tochter“ – 1994; „Fanfan“ – 1993; Der Bulle von Paris – 1985), der die Rolle der verboten Verliebten (nicht unbedingt die Rolle der Anna K.) auf den Leib geschrieben scheint; wenn La Marceau etwas beherrscht, dann das vor Erotik glühende, bebend-melancholische Vollweib. Sean Bean („Immer wieder Samstags“ – 1996; James Bond 007 – GoldenEye – 1995; Die Stunde der Patrioten – 1992) wählte Bernard Rose für die Rolle von Graf Vronski, nachdem er ihn im britischen Fernsehen gesehen hatte und fortan der Auffassung war, dass Bean in einer zeitgenössischen Militäruniform ganz und gar natürlich wirken würde und die Idealbesetzung sei.

Alles andere ist jene giftige Beschreibung der russischen Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts, die Leo Tolstoi formuliert hat – der Film ist einigermaßen werkgetreu; so gut man Werktreue in 100 Filmminuten packen kann. Wer die Geschichte nicht kennt, weil er weder das Buch gelesen noch eine der vielen Verfilmungen gesehen hat, wird einigen Erkenntnisgewinn über Herrschaftsstrukturen mitnehmen, die sehr schön verpackt worden sind.

Wertung: 7 von 11 D-Mark