Kinoplakat: Angel Heart
Die Hitze des Südens
ist das Feuer der Hölle
Titel Angel Heart
(Angel Heart)
Drehbuch Alan Parker
nach einem Roman von William Hjortsberg
Regie Alan Parker, UK, Kanada, USA 1987
Darsteller

Mickey Rourke, Robert De Niro, Lisa Bonet, Charlotte Rampling, Stocker Fontelieu, Brownie McGhee, Michael Higgins, Elizabeth Whitcraft, Eliott Keener, Charles Gordone, Dann Florek, Kathleen Wilhoite, George Buck, Judith Drake, Gerald Orange u.a.

Genre Horror, Mystery
Filmlänge 113 Minuten
Deutschlandstart
3. September 1987
Inhalt

1955 ist das Leben noch in Ordnung. Zumindest das Leben von Harry Angel, einem schmierigen New Yorker Privatdetektiv, den die ständigen Fälle von Ehebruch ein wenig langweilen. Aber sie sichern sein Auskommen, so, what the hell … Da kommt ihm dieser ziemlich vornehme, wenn auch bedrohlich wirkende neue Kunde gerade recht, zumal der auch noch mit den Dollars winkt.

Dieser Kunde, Louis Cyphre, beauftragt ihn, einen Schuldner aufzuspüren. Der Gesuchte ist ein Musiker namens Johnny Favorite und gilt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs als verschollen. Die Spur führt in ein Krankenhaus, in dem Favorite nach einem Gehirnschaden und der daraus resultierenden Amnesie behandelt wurde. Angel bricht in das Haus des behandelnden Arztes ein, der, drogenabhängig, bestätigt, dass er gegen eine Bezahlung von 25.000 Dollar den durch eine Kriegsverletzung entstellten Johnny Favorite schon zwölf Jahre zuvor heimlich in die Obhut eines Mannes und einer Frau gab, er aber nicht wisse, wohin die beiden ihn verbrachten. Wenige Stunden später findet Angel den Arzt erschossen auf seinem Bett.

Die Spur führt Angel nach New Orleans zu Margaret Krusemark, einer in okkulten Riten unterwiesenen Wahrsagerin, zu Toot-Sweet, einem alten schwarzen Jazz-Musiker und zum Grab von Evangeline Proudfoot, der ehemaligen Geliebten von Johnny Favorite. Dort angekommen, beobachtet er eine junge Frau mit ihrem Kind am Grab von Evangeline Proudfoot.

Kinoplakat (US): Angel HeartDie junge Frau heißt Epiphany, ist die Tochter von Evangeline Proudfoot und Johnny Favorite. Ihre Mutter sei verstorben, während sie auf die Rückkehr des Sängers wartete. Angel findet offensichtlich Gefallen an ihr, kann aber keine näheren Informationen zu Johnny Favorite in Erfahrung bringen. Daraufhin fährt er zurück nach New Orleans, wo er Toots Sweet in einer Bar antrifft, in der er immer noch auftritt.

Er beobachtet Sweet dabei, wie er einem Voodoo-Ritual beiwohnt – dort sieht er überraschenderweise auch Epiphany, die offenbar als Schamanin eine Hauptrolle spielt. Angel folgt Sweet zu dessen Wohnung und überwältigt ihn dort. Er schüchtert Sweet solange ein, bis der ihm den Namen einer Voodoo-Priesterin – Evangeline Proudfoot – nennt, die angeblich ein Verhältnis mit dem Sänger Favorite hatte. Die Polizei teilt ihm anderntags mit, dass Toots Sweet grausam ermordet wurde, kurz nachdem ihn Angel zuhause befragt hatte. Angel beschließt, Margaret Krusemark nochmals einen Besuch abzustatten, findet diese aber ebenso ermordet und mit herausgeschnittenem Herzen in ihrem Hause auf.

Der fast ganz normale Fall wird für Angel zur mörderischen Falle. Noch schlimmer wird es jedoch, als Angel entdeckt, wer sein Auftraggeber wirklich ist …

Was zu sagen wäre

Der Film Noir folgt strengen Regeln. eine dieser Regeln lautet, dass innerhalb deren Grenzen alles möglich ist. Dazu gehören ein Privatdetektiv, undurchsichtiger Auftraggeber (meistens, aber nicht zwingend, eine mondäne Frau), ein Auftrag, der ganz einfach scheint und ins Monströse wächst; schwarze Schlagschatten in hohen Treppenhäusern gehören dazu wie Lichtkegel in wabernder Nacht. Große Vertreter des Noir an der Schreibmaschine, hinter und vor der Kamera waren Raymond Chandler, Humphrey Bogart, Dashiell Hamett, Barbara Stanwyck oder Billy Wilder.

Alan Parker belebt das Genre neu und findet ein paar neue Kapitel. Harold Angel, Privatdetektiv soll Johnny Favorite finden, der irgendwann zwischen Zweiten Weltkrieg und Silvester 1943 verschwunden ist. Wo normalerweise die rätselhafte Schöne diesen Suchauftrag erteilt, ist es hier Louis Cyphre, der, lässt man ihn sich auf der Zunge zergehen, lautmalerisch schnell als Lucifer enttarnt ist; ein langhaariger Rätselmann mit manikürten Fingernägeln, güldenem Gehstock und einer sehr eigenen Art, ein Ei zu pellen („Wussten Sie, dass in einigen Kulturen das Ei die Seele verkörpert?“). Robert De Niro spielt ihn und man merkt ihm an, dass es ihm, verzeihung, diabolischen Spaß macht, mal eine weniger kunsthistorisch bedeutende Rolle zu spielen („Mission“ – 1986; Brazil – 1985; Es war einmal in Amerika – 1984; „Wie ein wilder Stier“ – 1980; Der Pate II – 1974), statt dessen einfach mal nur zu spielen.

Alan Parker („Birdy“ – 1984; „Pink Floyd – The Wall“ – 1982; „Fame“ – 1980; „Midnight Express“ – 1978; „Bugsy Malone“ – 1976) entfacht für seinen Farb-Film Noir eine optische Sahneschnitte – sein langjäriger Kameramann Michael Seresin („Birdy“ – 1984; „Fame“ – 1980; „12 Uhr nachts – Midnight Express“ – 1978) übersetzt die Hitze der Südstaaten in Blut schwitzende Bilder, legt Pastellfarben über große Landschaftstotalen und taucht sterbende Straßenzüge in strömenden Regen. Mickey Rourke unterstreicht seinen Status als Ausnahmetalent in der Schauspielergilde (9 1/2 Wochen – 1986; Im Jahr des Drachen – 1985; „Der Pate von Greenwich Village“ – 1984; Rumble Fish – 1983; American Diner – 1982; „Heißblütig – Kaltblütig“ – 1981; „Heaven's Gate“ – 1980; „1941 – Wo bitte geht's nach Hollywood“ – 1979). Er übersetzt Parkers Irritation eins zu eins in seinen Charakter.

Parker legt Fährten für den Zuschauer: Im Umfeld eines jeden Toten tauchen Ventilatoren auf, die rückwärts laufen, bei jedem Mord hat Harry vorher die jeweilige Waffe berührt, Hunde reagieren nervös in Harrys Gegenwart – eine Anspielung darauf, dass Hunde einen sechsten Sinn haben und Harrys Natur erkennen. Und jedes Mal, wenn Harry in einen Spiegel sieht, erlebt er Rückblenden des verhängnisvollen Neujahrsabends; diese Flashbacks werden von einem Herzschlaggeräusch begleitet. 

Parker taucht seinen Film in eine irritierende Stimmung, irgendwann sitzt es sich im Kinosessel nicht mehr bequem. Lisa Bonet hat da Anteil dran. Man kennt sie als Sängerin seifiger Lieder und als Denise Huxtable, süßer Teenager im Hause der Cosby-Show. Die plötzlich sexuelle Konnotation ihrer aktuellen Rolle verstört. Die 20-Jährige strahlt eine Reife und Kraft aus, die ein junger Mensch eigentlich nur unter Schmerzen erlangt haben kann.

Der Film Noir bleibt seinem Ruf treu – ein Auftrag gerät zum rätselhaften Albtraum, der den Privatdetektiv nicht ungeschoren da raus kommen lässt.

Wertung: 9 von 10 D-Mark