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Kinoplakat: Sprengkommando Atlantik
Ein Nägelbeißer mit Roger
Moore, der Frauen hasst
Titel Sprengkommando Atlantik
(North Sea Hijack)
Drehbuch Jack Davies
nach seinem Roman „Esther, Ruth and Jennifer“
Regie Andrew V. McLaglen, UK 1979
Darsteller Roger Moore, James Mason, Anthony Perkins, Michael Parks, David Hedison, Jack Watson, George Baker, Jeremy Clyde, David Wood, Faith Brook, Lea Brodie, Anthony Pullen Shaw, Philip O'Brien, John Westbrook, Jennifer Hilary u.a.
Genre Action, Thriller
Filmlänge 100 Minuten
Deutschlandstart
23. Mai 1980
Inhalt
Rufus Excalibur ffolkes ist ein exzentrischer und offenbar sehr reicher Mann, der in Schottland ein kleines privates Sonderkommando aus ehemaligen Marinesoldaten der Royal Navy für maritime Spezialeinsätze trainiert. ffolkes ist wortkarg, direkt und menschenscheu; Er hasst Frauen, liebt dafür aber Katzen und „hasst Menschen, die es nicht tun“. Außerdem hasst er Raucher, trinkt gerne Scotch pur und stickt, um sich zu konzentrieren, ist aber dafür ein hochintelligenter, effizienter und gewiefter Taktiker.

ffolkes wird von der Lloyd's-Versicherung angeregt, einen Plan für den Fall der Besetzung einer Bohrinsel durch Terroristen zu entwickeln ("Es gibt zu viele davon im Nordatlantik und wir versichern fast alle !").

Nur wenige Monate später geht eine Gruppe von Gangstern um einen cholerischen Anführer, der sich Lou Kramer nennt, als Journalisten getarnt an Bord eines Versorgungsschiffes für eine Reihe von Ölbohrinseln im Nordatlantik. Die Verbrecher bringen das Schiff in ihre Gewalt und platzieren Haftminen an zwei Bohrinseln, um anschließend die britische Regierung (als Hauptaktionär der Betreiberfirma) zu erpressen: Sie fordern 25 Millionen Pfund und drohen, andernfalls diue beiden Plattformen zu sprengen. Da die Royal Navy sich für einen Einsatz gegen die Entführer nicht ausreichend vorbereitet sieht, beauftragt die Regierung in Absprache mit Lloyd's ffolkes, das Schiff zu kapern und die Besetzer auszuschalten.

ffolkes will Kramer in ein psychologisches Zermürbespiel verwickeln, indem er erstens die Lösegeldzahlung soweit hinauszögert wie möglich, zweitens die Sprengung der ersten Plattform vortäuscht, um Kramer seinerseits von deren Zerstörung abzuhalten, und drittens sich zusammen mit dem Admiral of the Fleet der Royal Navy, Sir Francis Brindsen an Bord beordern zu lassen und zusammen mit seinen Männern, die das Schiff von der See her entern sollen, die Chefs der Verbrecher, die den Zündschalter in ihrer Gewalt haben, auszuschalten.

ffolkes begibt sich zusammen mit Admiral Brindsen und dem Lordsiegelbewahrer zur Bohrinsel, um den Plan vorzubereiten. Zunächst klappt auch alles wie besprochen, doch als ffolkes sich mit dem Admiral und King, dem Direktor der zweiten Bohrinsel, an Bord des Schiffes begibt, misstraut Kramer dem Neuankömmling – dessen Gesicht ihm nicht gefalle - und lässt ihn wieder von Bord bringen.

Damit sieht ffolkes sich zu einer Planänderung gezwungen: Er überzeugt die Premierministerin, statt des Lösegelds eine Bombe vom Hubschrauber abwerfen zu lassen, um die Sprengung der Plattform zu verhindern, falls es ffolkes und seine Männer nicht schaffen sollten, die Verbrecher in der Zwischenzeit zu überwältigen …

Was zu sagen wäre

Er trinkt seinen Scotch aus der Flasche – „so, wie er getrunken werden sollte. Pur. Ohne Eis.“ Seine Männer trainiert er im gelben Ostfriesennerz unter weiß-rot gestreifter Bommelmütze. Reisen tritt er in feinstem britischen Tweed in der Ersten Klasse an, Nichtraucher. Frauen, die dennoch zur Zigarette greifen, weist er mit Autorität auf ihre Missetat hin. Aus seinem Londoner Club ist er ausgetreten, als der beschloss, Frauen als Mitglied aufzunehmen. Und wenn es um seine Berufung geht, die Bekämpfung von Terroristen – und da sollte sich niemand vertun – ist dieser ffolkes ein präzise arbeitender Erfolgsgarant; und „präzise“ heißt, seine Terrorbekämpfungspläne sind auf die Sekunde genau ausgearbeitet. ffolkes ist ein britischer Exzentriker, wie das Klischee ihn schreibt. Für Roger Moore („Flucht nach Athena“ – 1979; „Die Wildgänse kommen“ – 1978; „Abrechnung in San Franzisko“ – 1976) eine Traumrolle.

Sein Gegenspieler ist Anthony Perkins, der seinen Erpresse Lou Kramer als Choleriker anlegt, der sich gerne reden hört. Wo knappe Befehle reichen sollte, hängt er immer komische Bemerkungen an. Verlangt er Lösegeld in fünf Währungen, fügt er die Erklärung an, der Devisenmarkt seid ja zurzeit sehr schwankend. Nennt er in Verhandlungen seinen Namen, sagt er auch, man solle sich nicht die Mühe machen, den Namen zu überprüfen, er habe ihn aus dem Telefonbuch Manhattans und alle hätten jetzt besseres zu tun, als Namen zu checken.

Kinoplakat (UK): ffolkes – Sprengkommando Atlantik

So geht das dauernd; da ist von Anfang an klar: Jemand, der sich gerne reden hört, ist kein Gegner für Rufus Excalibur ffolkes, den Mann der Katzen liebt und Frauen hasst: „Sehen Sie, ich bin zusammen mit meinen fünf älteren Schwestern bei einer unverheirateten Tante aufgewachsen. Meine beiden Eltern habe ich tragischerweise nie kennen gelernt. Bis zu meinem zehnten Lebensjahr wurde ich gezwungen, die abgelegten Kleider meiner Schwestern zu tragen. Und als ich verheiratet war, stellte ich zu meinem Entsetzen fest, dass meine Frau auch fünf Schwestern hatte. Und zwar alle unverheiratet, und alle erwarteten, dass ich sie unterstütze. Ich finde, Katzen sind dagegen eine weit überlegene Rasse.

Roger Moore geht in dieser Rolle richtig auf. Nach vier Einsätzen als James Bond, der mit Maßanzug und Martini Frauen reihenweise becirct, gibt er als ffolkes einen knurrigen Dickschädel, der sein Eremitentum auf einem schottischen Castle mit Katzen auslebt – und einer privat finanzierten Truppe ehemaliger SAS-Kämpfer, die er in der Terrorabwehr schult; Charaktertyp hart aber herzlich. Das von Terrorangst und Emanzipation der 1970er Jahre beseelte Drehbuch lässt dem Anti-Terror-Macho viel Platz für Unhöflichkeiten, lässt dasnn aber eine junge Frau ffolkes das Leben retten; und die Premierministerin ist – angedenk Margaret Thatcher – auch eine Frau.

Sein Antagonist ist das glatte Gegenteil: um Coolness nur bemüht merkt man Lou Kramer immer an, dass er nervös ist. Anthony Perkins, der im Kino auf die Rolle des Psychopathen festgelegt ist (Das schwarze Loch – 1979; „Philadelphia Clan“ – 1979; „Du wirst noch an mich denken“ – 1978; Mord im Orient-Express – 1974; „Das war Roy Bean“ – 1972; Psycho – 1960), spielt die wenigen Nuancen, die die Rolle ihm zugestehen, präzise und mit grimmig hartem Gesichtsausdruck. Leute zu töten ist ihm offensichtlich eine Freude.

Der deutsche Titel suggeriert Altherrenaction im Geiste solcher Filme wie McLaglans letzten Film Die Wildgänse kommen. Tatsächlich aber konzentriert sich McLaglen („Geier kennen kein Erbarmen“ – 1973; „Chisum“ – 1970; Bandolero – 1968; „Das Teufelsweib von Texas“ – 1967; Der Mann vom großen Fluss – 1965) hier auf Psychokrieg und die Spannung, die der dauernde Zeitdruck erzeugt. Der treibende Soundtrack von Michael J. Lewis (Der Schrecken der Medusa – 1978; „Die Verrohung des Franz Blum“ – 1974) tut ein Übriges. Der Film ist ganz auf seinen großen Höhepunkt hin inszeniert. Das Finale mit schnellen Schnitten zwischen Männern in Taucheranzügen, Geiselnehmern, tickenden Sekundenzeigern und einer nahenden Bombe gerät zum Nägelbeißer. Und alles hängt am altehrwürdigen James Mason („Blutspur“ – 1979; „The Boys from Brazil“ – 1978; „Steiner – Das Eiserne Kreuz“ – 1977; „Mandingo“ – 1975; Der Mackintosh Mann – 1973; Lolita – 1962; Der unsichtbare Dritte – 1959; Julius Caesar – 1953), der als näselnder Admiral nicht nur auf die Sekunde genau Zigaretten anbieten muss, sondern seiner Figur wunderbar britische Understatement-Melancholie verleiht.

Wertung: 7 von 9 D-Mark
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