Kinoplakat: American Sniper
Ein patriotisches Heldendrama. Clint 
Eatswood ist nicht nach Zwischentönen.
Titel American Sniper
(American Sniper)
Drehbuch Jason Hall
nach dem Tatsachenroman von Chris Kyle + Scott McEwen + Jim DeFelice
Regie Clint Eastwood, USA 2014
Darsteller

Bradley Cooper, Sienna Miller, Max Charles, Luke Grimes, Kyle Gallner, Jake McDorman, Sam Jaeger, Cole Konis, Ben Reed, Elise Robertson, Luke Sunshine, Troy Vincent, Brandon Salgado Telis, Keir O'Donnell, Marnette Patterson, Jason Hall, Billy Miller, Leonard Roberts, Jason Walsh, Reynaldo Gallegos u.a.

Genre Biografie, Krieg
Filmlänge 132 Minuten
Deutschlandstart
26. Februar 2015
Inhalt

Chris Kyle ist Scharfschütze der Navy Seals. Sein neuester Auftrag ist es, im Irak die anderen Soldaten bei ihren Einsätzen zu sichern und jegliche Gefahren auszuschalten.

Doch dieses Leben an der Front hat einen Preis, denn seine Frau Taya und seine Kinder sehen ihn nur selten und können sich nie sicher sein, ob Chris lebend zurückkehren wird von seinen Einsätzen. Kurz nach der Hochzeit der beiden wird er erstmals in den Irak geschickt. In Falludscha wird er als Scharfschütze eingesetzt. Bereits nach kurzer Zeit ist er als „die Legende“ bekannt, denn er hat mehr Abschüsse aufzuweisen als alle anderen Scharfschützen der Kompanie zusammengenommen.

Er verbringt insgesamt vier längere Einsatzzeiten im Irak. Zwischen den Einsätzen fügt er sich zu Hause nur oberflächlich in das zivile Leben mit Familie und Freunden ein. Er wird sehr verschlossen. Die Beziehung zu seiner Frau wird zunehmend schwieriger, da sich Kyle in ihren Augen immer mehr verändert und von den Kriegserlebnissen vereinnahmt wird.

Kinoplakat (US): American Sniper

Im Irak hat er es sich zu seinem persönlichen Ziel gesetzt, die als der Schlächter bekannte mutmaßlich rechte Hand des Al-Qaida-Terroristen Abū Musʿab az-Zarqāwī zu jagen. Dabei liefert er sich ein Duell mit Mustafa, dem besten Scharfschützen der irakischen Aufständischen. Um den anderen Scharfschützen auszuschalten, entscheidet sich Kyle bei seinem letzten Irakeinsatz zu einer riskanten Aktion …

Was zu sagen wäre

Am Ende gehen Clint Eastwood dann doch etwas die Gäule durch und so liefert er seinen Zuschauern, was die wohl erwarten: Es gibt eine ordentliche Schießerei drüben im Irak. Bis dahin war es der Film über einen Sniper in der Tonalität des Snipers – eher ruhig, langsam, unaufgeregt.

Manchmal rasselt der Mann ohne Namen noch mit dem Säbel

Eastwood (s.u.) hat immer mal wieder seinem Hang zum Hau-Drauf nachgegeben. In jüngeren Jahren eher mit kritischem Blick auf die Vergangenheit seines Landes, wie etwa 2006 in dem Double Feature „Letters from Iwo Jima“ und „Flags of Our Fathers“. Als er noch eher bekannt war als Mann ohne Namen oder Dirty Harry Callahan, hat er auch gerne den knorrigen Offizier gefeiert, der tut, was ein Mann tun muss; schaut man sich heute – 30 Jahre später – seinen „Heartbreak Ridge“ (1986) an, staunt man über die nicht hinterfragte miltärische Seligkeit.

Es war Eastwood offenbar ein Anliegen, diese Geschichte auf diese Weise zu erzählen. Offensichtlich wollte er seinen von unverständlichen Kriegen in unbekannten Ländern und von bärtigen Terroristen und korrupten Washingtonians  verstörten Landsleuten etwas geben, an dem sie sich aufrichten können: endlich mal ein veritabler Held in diesen unübersichtlichen Kriegen. Seine Heldengeschichte ist gnadenlos subjektiv und unreflektiert. Clint Eastwood ist kein Filmpraktikant, er weiß genau, was er tut; also wollte er eine Ikone schaffen.

Eastwood schönt frech die Historie

Übel nehme ich Eastwood seinen zu arg verengten Blick auf die jüngere Geschichte. Er tut so, als sei der Irak-Krieg eine direkte Folge der Al-Kaida-Anschläge am 11. September 2001. Dabei wurde dieser Krieg im richtigen Leben mit einer infamen Lüge begründet. Außenminister Colin Powell hatte vor der UNO Fotos gezeigt, die angeblich belegten, dass Irak über Massenvernichtungswaffen verfügt; die Fotos waren Fälschungen und so etwas passt dann eher nicht in ein Heldenepos.

Erzählt wird die Geschichte eines einfachen Mannes aus dem Mittelwesten – „I'm from Texas“ – der einfach tut, was er für das beste für sein Land hält. Am Ende, nachdem er längst zur Legende geadelt wurde, macht er sich immer noch mehr Sorgen um all jene, die er nicht habe retten können, als um die, die durch ihn weiter leben. Er ist angemessen angeknackst durch seine Erlebnisse im Krieg, die Ehe kriselt ein wenig, aber er ist ein guter Soldat, ein guter Ehemann und ein guter Vater – er kriegt alles hin. Und dann wird er von diesem Veteranen erschossen (Eastwood erzählt eine wahre Geschichte). Das kann ich alles furchtbar kitschig, übertrieben patriotisch, albern naiv nennen. Aber erstens gibt es ja diese Menschen, tausende US-Bürger, die jedes Jahr in irgendeinen fernen Krieg ziehen und es wird nicht einfach die Bezahlung sein, die sie dahin treibt – und, wie gesagt, Clint Eastwood ist kein Filmpraktikant, bei ihm lohnt sich das Hinschauen immer.

Ein zermürbend langatmiger Film

Und wie ist dann also der Film? Auf Dauer zermürbend langatmig. Ein unkritischer Kriegsfilm im Gewand einer Biografie „nach der wahren Geschichte des Scharfschützen Chris Kyle“. Aber der rote Faden, der die vielen Einsätze Kyles zusammenhält, das Duell mit dem feindlichen Scharfschützen Mustafa, ist dann frei erfunden, ebenso hinzugedichtet wie die Behauptung, dass Kyle an lebensgefährlichen Hausdurchsuchungen teilgenommen hätte – aber beides ist natürlich wunderbar für einen Film einsetzbar. Also wird das Heldentum ein wenig überzogen.

Bradley Cooper (Serena – 2014; American Hustle – 2013; Silver Linings – 2012; The Place Beyond the Pines – 2012; Ohne Limit – 2011; Das A-Team – Der Film – 2010; Valentinstag – 2010; „Hangover“ – 2009) als angedickter War-Hero liefert einen weiteren Beleg dafür ab, dass er keine Eintagsfliege ist. Er ist in jeder Einstellung präsent und gibt trittsicher den Cowboy vom flachen Land, der sich nicht beirren lässt. Die eigentliche Show aber liefert Sienna Miller („Foxcatcher“ – 2014; „iLove: geloggt, geliked, geliebt“ – 2013; „G.I. Joe – Geheimauftrag Cobra“ – 2009; „Interview“ – 2007; „Factory Girl“ – 2006; „Layer Cake“ – 2004), die Kyles Ehefrau Taya spielt. Sie lässt ihr schaut-mich-an-ich-bin-hübsch-Blondhaar zurück und spielt eine eingangs verhärmte, desillusionierte Frau, die sich zur sorgenden Ehefrau wandelt; Miller ist eine Überraschung.

Aber alles andere wurde mir im Kino schon mehr als einmal erzählt: Krieg macht Dich fertig. Im Einsatz zählt Dein Kamerad und das Adrenalin. Der Feind ist böse. Zuhause kriegst Du die Bilder nicht aus Deinem Kopf. Das meiste davon kann man natürlich nicht oft genug sagen. Aber ich will mich dafür nicht mehr 132 Minuten ins Kino setzen, wenn es dann so wenig mehr gibt, als eben das und das dann mich auch noch so wenig berührt.

Wertung: 3 von 8 €uro