Kinoplakat: Amadeus
Das halb-fiktive Wirken eines Genies
der behauptete Neid eines Bewunderers
Titel Amadeus
(Amadeus)
Drehbuch Peter Shaffer
nach seinem eigenen Theaterstück
Regie Milos Forman, USA 1984
Darsteller Tom Hulce, F. Murray Abraham, Elizabeth Berridge, Simon Callow, Roy Dotrice, Christine Ebersole, Jeffrey Jones, Charles Kay, Kenny Baker, Lisabeth Bartlett, Barbara Bryne, Martin Cavina, Roderick Cook, Milan Demjanenko, Peter DiGesu u.a.
Genre Drama, Biografie
Filmlänge 160 Minuten
Deutschlandstart
26. Oktober 1984
Inhalt

Komponist Antonio Salieri ist überzeugt von der göttlichen Herkunft der Musik des jungen Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart. Gerne wäre Salieri auch so gut, wie der junge Tunichgut, um den Herrn mit seiner, Salieris, Musik zu ehren.

Für den alternden Herrn ist es vollkommen unverständlich, warum Gott diese jungen, vulgäre Kreatur Mozart dermaßen bevorzugt hat – diesen kichernd-lüsternen Clown, der in Gaststätten unter dem Tisch mit drallen Blondierten rum macht und eindeutige Späßchen treibt; der Komponist so göttlicher Musik so vulgär, obszön, dieser bärige Rokoko-Punker der Schöpfer so kristallklarer, traumhaft empfindsamer Sonaten und der Kleinen Nachtmusik?

Kinoplakat: AmadeusSalieri zergeht vor Neid und sinnt auf Rache …

Was zu sagen wäre

Im Jahr 2001 hat Milos Forman („Ragtime” – 1981; „Hair” – 1979; „Einer flog über das Kuckucksnest” – 1975) sein Oscar-gekröntes Meisterwerk um 20 Minuten verlängert. Forman verleiht dem Film auf diese Weise mehr Brisanz, indem er auf der einen Seite Mozart noch deutlicher als einen von der Gesellschaft geschnittenen, vom Leben überforderten Verlierer darstellt, andererseits dessen Kontrahenten Salieri noch stärker in seiner Niedertracht karikiert.

Das musikalische Psychodrama ist eine fiktive Biografie, die nicht auf Authentizität Wert legt. Denn dann würde der ganze Film gar nicht funktionieren. Der die Handlung voran treibende Hass Salieris bleibt bloße Behauptung der Filmemacher. Salieri hatte gegenüber Mozart die bessere Position, war beim Publikum sowie bei Kaiser Joseph II. mindestens so hoch, wenn nicht gar höher angesehen als Mozart. Mozart strebte hingegen immer nach einer Anstellung, wie Salieri sie hatte. Ein wirklich belegtes Zerwürfnis entstand kurzzeitig, als Mozart sowohl das Libretto für „Cosi fan Tutte”, das eigentlich Salieri vorgelegt, aber noch nicht zu einer Oper verarbeitet hatte, als auch einen Marsch von Salieri dazu nahm und darum eine eigene Oper (bzw. die Musik dazu) schrieb.

Zeitzeugen berichten, beide würden zwar in Konkurrenz zueinander stehen, jedoch getragen von gegenseitigem, professionellem Respekt. Die Legende, dass Mozart von Salieri vergiftet worden sei, geht auf das 1832 verfasste fiktionale Theaterstück „Mozart und Salieri” des russischen Dichters Alexander Sergejewitsch Puschkin zurück, das die Vorlage für Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakows gleichnamige Oper (1897) war.

Die Acadamy of Motion, Picture, Arts and Sciences spendierte 8 Oscars: „Bester Film”, „Regie” (Milos Forman), „Ausstattung” (Patrizia von Brandenstein, Karel Cerny), „Hauptdarsteller” (Hauptdarsteller), „Drehbuch-Bearbeitung” (Peter Shaffer), „Kostüme” (Theodor Pistek), „Make-Up” (Paul LeBlanc, Dick Smith) und „Ton” (Mark Berger, Tom Scott, Todd Boekelheide, Chris Newman). Die Produktionskosten werden auf rund 18 Millionen US-Dollar geschätzt. Ein spielte der Film in den Kinos der USA bis 1985 rund 52 Millionen US-Dollar; die Wiederaufführung im Jahr 2002 brachte in den US-Kinos nochmals rund 360.000 US-Dollar ein.

Die Musik zum Film (hauptsächlich Kompositionen von Mozart) wurde von der Academy of St. Martin in the Fields unter Sir Neville Marriner aufgenommen. Im Booklet zur Soundtrack-LP erklärt er: „Das Gute an Amadeus ist, dass der Film um die Musik herum produziert worden ist und nicht, wie üblich, andersherum.”)

Wertung: 9 von 9 D-Mark