Kinoplakat: Aliens – Die Rückkehr
James Cameron macht
die Schreie hörbar
Titel Aliens – Die Rückkehr
(Aliens)
Drehbuch James Cameron + David Giler + Walter Hill
mit Charakteren von Dan O'Bannon + Ronald Shusett
Regie James Cameron, USA, UK 1986
Darsteller Sigourney Weaver, Carrie Henn, Michael Biehn, Paul Reiser, Lance Henriksen, Bill Paxton, William Hope, Jenette Goldstein, Al Matthews, Mark Rolston, Ricco Ross, Colette Hiller, Daniel Kash, Cynthia Scott, Tip Tipping u.a.
Genre Scince Fiction, Action
Filmlänge 137 Minuten
Deutschlandstart
13. November 1986
Inhalt
Nach 57 Jahren Irrflug durchs All wurden sie gefunden: Ripley, einzige Überlebende der Nostromo-Katastrophe und ihr Kater. Niemand glaubte ihr die Geschichte, warum sie den Frachter sprengen musste. Jetzt hat sie dauernd Alpträume.

Der Planet, auf dem Ripley und die Besatzung der Nostromo jene schicksalhaften Eier gefunden hatten („Tausende davon!”), ist mittlerweile besiedelt. LV-426 – dorthin bricht jetzt der Funkkontakt ab. Ein Trupp schwer bewaffneter Marines wird losgeschickt. Ripley begleitet sie.

Auf LV-426 findet das Platoon eine tote Station. Ihre Bewohner wurden in Kokons eingesponnen – sie vegetieren zwischen Leben und Bewusstlosigkeit. Mehr können die Marines nicht mehr feststellen, weil aus allen Ecken mörderische Kreaturen hervorbrechen, die Jagd auf sie machen; nach wenigen Minuten ist ein Drittel der frisch eingetroffenen Kampftruppe tot, der Rest in Panik und im Labor der Station ohne wirksamen Schutz.

Hier treffen sie auf ein kleines Mädchen: Rebecca, die ihre Freunde nur Newt nennen. Aber ihre Freunde sind alle tot. Newt lebt hier seit Wochen alleine unter Monstern. Aber jetzt haben die Erwachsenen das Kommando. Und die urteilen nicht immer klug.

Auf ihrer chaotischen Flucht fällt Newt in die Klauen der fremden Organismen. Nun kann Ripley nicht mehr weg vom Planeten. Sie hatte Newt versprochen, dass ihr nichts geschehen würde. Ripley schultert Laserblaster, Granaten und Flammenwerfer und zieht in den Kampf.

Sie muss ins Herz des Alien-Nestes. dort, wo das Mutter-Alien seine Brut bewacht …

Was zu sagen wäre

Als die Marines aus ihrem Mutterschiff springen, an Bord der Landefähre, schwer bewaffnet, kernige „We are Marines“-Sprüche auf den Lippen und ein Lächeln im Gesicht – die Pilotin hat den Spruch „We fly the friendly Skies“ auf ihren Helm geschrieben – da wollen wir irgendwie glauben, dass das schon nicht schief gehen wird, diese Mission. Aber irgendwie, vielleicht, weil eine Kamera an der Montur nicht recht funktioniert, wissen wir schon: Das geht schief. Mit einem Alien würden die schwer Bewaffneten wohl fertig. Aber dieser Film heißt „Aliens“. Plural. Und vom ersten Teil sind eine Menge Eier übrig geblieben auf diesem vermaledeiten Planeten. Und der Commanding Officer befehligt hier seinen erst zweiten Kampfeinsatz und auch die toughen Marines freuen sich beseelt auf eine „Wanzenjagd“ – während wir es ja schon besser wissen.

Sieben Jahre nach dem erfolgreichen ersten Teil dreht der junge Regisseur James Cameron den Spieß um:

  1. Aus einem Alien macht er viele Aliens.
  2. Aus einer unbewaffneten, überraschten Gruppe machte er einen Kommandotrupp bis an die Zähne bewaffneter Soldaten.
  3. Aus dunklen Schächten zieht er um in das weite Areal einer Siedlung.
  4. Aus der Stille der dunklen Schächte wechselte er in lärmende Kakophonie.

Cameron liefert einen intelligenten, genial choreographierten Actionfiilm. In gewisser Weise komplettiert erst dieser Film Ridley Scotts brillantes Original – was eine an Frechheit grenzende Anmerkung bezüglich Scotts epochalen Stand-alone-Meisterwerks ist. Cameron vertieft den wirtschaftlichen Zynismus, den Ridley Scott in seinem Original eher angedeutet hat, und entwirft eine Welt, in der nichts schön ist. Die einzigen Grünpflanzen sind aus Plastik, oder werden als Naturersatz an die Wohnzimmerwand projiziert. In seinen Actionszenen stärkt Cameron einer im Kinobusiness unterschätzen Berufsgruppe den Rücken: dem Sounddepartment. Das Sounddesign dieses Films, die Stereomischung ist neu; dieses Rundum-Geschepper hatten wir so noch nicht. Man kann bei Camerons Version der Alien-Bedrohung nicht den klassischen Zweiter-Teil-Spruch aufsagen, von wegen „der erste Teil ist besser“. Camerons neues Alien-Abenteuer ist ein ganz neuer Film, der mit dem anderen von 1979 Sigourney Weaver, den Kater Jones und den Xenomorph teilt. Mehr nicht.

Doch, eins noch: Ripley schießt sich auch hier wieder aus der zweiten Reihe nach vorne, um am Ende zu überleben. Der Commanding Officer erweist sich als Weichei, die harten Kerle als leichte Brüter für die Aliens; nur die Beraterin behält kühlen Kopf und die Rumpftruppe beisammen. Hier kommt Paul Reiser ins Spiel, 29 Jahre alt, der den Vertreter der Company, Carter Burke, spielt. Gruseliger, als der Xenomorph, ist dieser Carter Burke. Ein Mensch, der über Leichen geht, ist allemal gruseliger als ein … fremder Organismus der über humanoide Leichen geht; bei solch einem fehlt gegebenenfalls die Bösartigkeit und im vorliegenden Fall der Aliens gehört das Einspinnen und spätere Töten von lebenden Organismen einfach zur Überlebensstrategie. Bei Carter Buke gehört das Einspinnen und Töten von lebenden Organismen zur Gewinnmaximierung seines Arberitgebers. Reiser spielt diesen Ich-tue-doch-nur-meine-Pflicht-Angestellten passgenau.

Cameron führt seine Helden ins Heart of Darkness, bis in die tiefste Höhle, bevor er eine Erlösung verspricht. Und in dieser Hölle muss die Heldin wider Willen alles aifs Spiel setzen. Um die Fallhöhe vor dieser letzten Hölle noch ein wenig zu steigern, deutet der Film eine Liebesbeziehung zwischen Hicks und Ripley an – „Dwayne. Ich heiße Dwayne.“ „Ellen. Mein Name ist Ellen.“ Das ist für die Spannung nicht mehr nötig. Diese kleine Szene aber gibt dem Film mehr Persönlichkeit.

<Nachtrag 1995>„Aliens – Die Rückkehr“ wurde ein Monolith innerhalb der Serie. Sein Regisseur (Terminator) wird später berühmt werden durch sein dreistündiges Drama Titanic. Einige Jahre nach ”Aliens“ publizierte Cameron einen um rund 20 Minuten ergänzten Director's Cut, der das Spektakel auf 152 Minuten aufbläst. Und keine der zusätzlichen Minuten fließt in mehr Action. Mit den hinzugefügten Szenen vertieft Cameron seinen Alien-Film zu einem Krieg der Mütter, in dem alles erlaubt ist – Ripley versus Alien-Organismus.

Das neue Personal, dass sich eine zu kleine Lebensfläche mit zu vielen Xenomorphen teilt, weist neben den schon erwähnten, augenscheinlich unbezwingbar bewaffneten Marines ein junges Mädchen, Newt, auf. Sie wird für Ripley zu jener Tochter, die sie verloren hat, der sie versprochen hatte, zu deren elften Geburtstag wieder zuhause zu sein. Im DC erzählt Cameron von Ripleys Tochter Amanda, eine Szene nur, in deren Zentrum eine verpixelte Fotografie dieser „Amy“ steht, die sie im Alter von 66 Jahren zeigt, kurz, bevor sie starb, „vor zwei Jahren“. Dann taucht auf LV-426 die blonde Newt auf. Ripley nimmt sie – ohne dass das Drehbuch das nach der einen Szene nochmal explizit erwähnen muss – an Tochter statt. Und Sigourney Weaver spielt diese innere Transformation, indem sie … ihre Ripley gar nichts tun lässt, nichts anderes; sie bleibt die kühle Amazone, die gestern ein Alien besiegt und heute ein kleines Mädchen erweicht. Dieses kleine Mädchen spielt Carrie Henn – und wieder frage ich mich, woher die Hollywood-Studios diese fantastischen Kinderdarsteller bekommt. Karrieregeile Eltern mögen ein Aspekt sein. Aber die machen aus kleinen Mädchen nicht das, was Carrie Henn aus Newt macht. Wie machen solche speziell begabten Kinder das? Wie verkörpern sie Leid und Tod und Einsamkeit im Alter von zehn Jahren (Henn wurde 1976 geboren)? Vielleicht eben, weil sie sich von Karrieregheilen Eltern allein gelsaan fühlten; weil sie das Gefühl gut kennen?</Nachtrag 1995>

Ripley trifft auf Mother-Alien. Die Schlacht der Mütter und James Cameron macht keine Gefangenen, die Mütter schenken sich nichts; einmal verkohlt Ripley mit dem Flammenwerfer die gesamte Brut der Xenomorphen.

Wertung: 10 von 10 D-Mark