Plakatmotiv: Rebecca (1940)
Hitchcocks Albtraum-Romanze
Titel Rebecca
(Rebecca)
Drehbuch Philip MacDonald + Michael Hogan + Robert E. Sherwood + Joan Harrison
nach dem gleichnamigen Roman von Daphne du Maurier
Regie Alfred Hitchcock, USA 1940
Darsteller Laurence Olivier, Joan Fontaine, Judith Anderson, George Sanders, Nigel Bruce, Reginald Denny, C. Aubrey Smith, Gladys Cooper, Florence Bates, Melville Cooper, Leo G. Carroll, Leonard Carey, Lumsden Hare, Edward Fielding, Philip Winter u.a.
Genre Drama, Thriller
Filmlänge 130 Minuten
Deutschlandstart
30. Oktober 1951
Inhalt

Die schüchterne Gesellschafterin hält sich mit ihrer Arbeitgeberin Mrs. Van Hopper in Monte Carlo auf, als sie den wohlhabenden Maxim de Winter kennenlernt. Maxim steht noch unter dem Eindruck des Todes seiner Frau Rebecca, die ein Jahr zuvor beim Segeln ums Leben gekommen ist. Maxim und die junge Gesellschafterin verlieben sich und verbringen die Zeit fortan miteinander.

Überraschend macht Maxim ihr einen Heiratsantrag und nimmt sie nach den Flitterwochen mit zu seinem großen Anwesen Manderley in Cornwall. Zwar gilt Manderley als berühmtes Anwesen, doch der Ort wirkt düster, insbesondere wegen der Haushälterin Mrs. Danvers. Diese verehrte Rebecca abgöttisch und macht der neuen Hausherrin klar, dass sie niemals den Platz der schönen, begabten und allseits beliebten Rebecca werde ausfüllen können.

Zwar erweckt die zweite Mrs. de Winter bei Maxims Schwester Beatrice sowie Maxims Verwalter Frank Crawley Zuneigung, doch gelingt es ihr kaum, ihre Schüchternheit zu überwinden. Nach und nach zweifelt sie auch an Maxim, der offenbar immer noch Rebecca liebt. Auf ihr Drängen hin klärt Crawley die neue Mrs. de Winter über die Umstände des Todes Rebeccas auf, über den niemand in Manderley sprechen möchte. Sie war an einem stürmischen Abend mit ihrem Segelboot „Je reviens“ aufs Meer hinausgefahren und nicht wieder zurückgekehrt. Einige Zeit später wurde in Edgecombe eine Wasserleiche gefunden, die Maxim als Rebecca identifizierte.

Für den Maskenball von Manderley bringt Mrs. Danvers die zweite Mrs. de Winter auf die Idee, Kleid und Frisur einer Vorfahrin Maxims zu imitieren, deren Porträt in der Galerie hängt. Als sie jedoch das Kostüm trägt, sind alle darüber entsetzt, und Maxim fordert sie brüsk auf, sich sofort umzuziehen. Es stellt sich heraus, dass auf dem letzten Maskenball Rebecca das gleiche Kleid trug. In ihrer Verzweiflung sucht die zweite Mrs. de Winter die Haushälterin auf, um sie zur Rede zu stellen. Mrs. Danvers will sie dazu bringen, sich aus dem Fenster des früheren Schlafzimmers der de Winters zu stürzen, doch eine Leuchtrakete von einem Schiff in Seenot in der nahen Bucht bringt Mrs. de Winter wieder zur Besinnung. Während der Seenotrettung wird zufällig das Wrack mit dem Leichnam von Rebecca gefunden.

Maxim führt mit seiner Frau ein klärendes Gespräch, es kommt heraus, dass er Rebecca in Wahrheit hasste …

Was zu sagen wäre

Fish out of Water. Oder: Plötzlich Prinzessin. Dieser verbreitete Mädchentraum wird unter Alfred Hitchcocks einfühlsamer Regie unter Tonnen alter Architektur und dem Schatten der wahren Prinzessin und deren böser Dienerinnen erdrückt: „Ich bin doch nur ein Aschenbrödel gegen Ihre Schönheit und Intelligenz.“

Joan Fontaine ist hinreißend schüchtern und verklemmt, vor allem als Hasuswirtschafterin der herrischen Mrs. van Hopper und es wird für sie nicht besser, als sie als neue Herrin von Manderlay nach einer Cabriofahrt durch strömenden Regen als begossener Pudel der ebenso herrischen Mrs. Danvers gegenübertritt. Dass Fontaine so überzeugend verschüchtert wirkt, mag daran liegen, dass Alfred Hitchcock sie arg kujoniert haben soll, ihr weiß gemacht haben soll, dass bis auf ihn keiner am Set sie mag, insbesondere nicht Laurence Olivier. Dies führte bei ihr zu einer depressiven Verstimmung. Ob von Hitchcock beabsichtigt oder nicht, spielte Joan Fontaine in dieser Verfassung die Rolle der unscheinbaren und eingeschüchterten zweiten Ehefrau äußerst überzeugend. Judith Anderson erhielt von Hitchcock die Anweisung, während des Drehs möglichst nicht zu blinzeln, um die emotionale Kälte der Mrs. Danvers zu unterstreichen.

Wie so häufig im Kino wird auch hier wieder nicht klar, warum Maxim und die junge Hauswirtschafterin eigentlich heiraten – Liebe und Erotik spielen keine Rolle. Er mag auf junge, romantisch verspielte Mädchen stehen, aber für eine Ehe – oder gar als Rolemodel der Herrin von Manderlay – wäre das verschreckte Rehlein doch etwas wenig Grund für eine ernsthafte Beziehung. Dass – umgekehrt – sie auf Maxim steht, ist wiederum nachvollziehbar. Laurence Olivier gibt diesen trauernden Witwer mit dem jungenhaften Charme eines großen Bruders und augenzwinkerndem Adel, der die große Geste des Hausherrn mit lässiger Nonchalance beherrscht. Aber der erotische Teil, irgendeine knisternde Anziehung – Fehlanzeige.

Hitchcock schafft es, mit subtilen Mitteln eine bedrohliche Atmosphäre zu erzeugen – er lässt Hintergründe plötzlich im Dunkeln verschwimmen, um die Einsamkeit der neuen Mrs. De Winter zu unterstreichen, die überall im Haus auf das Monogramm der unbekannten Vorgängerin stößt; Komponist Franz Waxman betont mit schrillen Streicherpassagen die ewige Fremdheit der Neuen.

Mit Kamerafahrten, die in der Halbtotalen auf der neuen Mrs. de Winter beginnt und dann zurückfährt und die schüchterne Person von der massiven Architektur erdrücken lässt und natürlich die schweigsam bittere Mrs. Davners, die „Rebecca abgöttisch verehrt hat“.

<Nachtrag 2011>„Rebecca“ ist der erste US-amerikanische Spielfilm von Alfred Hitchcock, der zugrundeliegende Roman „Rebecca“ von Daphne du Maurier aus dem Jahr 1938 ein weltweiter Bestseller. Mit Daphnes Vater Gerald du Maurier waren die Hitchcocks persönlich bekannt und auch Hitchcocks vorangegangener Film „Riff-Piraten – Die Taverne von Jamaica“ sowie der 1963 entstandene Thriller Die Vögel wurden nach Erzählungen du Mauriers gedreht.

Bereits Anfang 1938 schlug Hitchcock dem Produzenten David O. Selznick „Rebecca“ als möglichen ersten gemeinsamen Film vor; die Rechte an dem Buch waren Hitchcock zu diesem Zeitpunkt zu teuer, sonst hätte er selbst zugegriffen. Selznick war begeistert und sicherte sich umgehend die Filmrechte, im Jahr darauf begann Hitchcocks Vertrag mit Selznick.

Das erste ausgearbeitete Drehbuch stieß bei Selznick auf heftige Ablehnung. Hitchcock war deutlich von der Romanvorlage abgewichen. Er veränderte sowohl die Handlung als auch die Charaktere und Schauplätze, er brachte Humor ins melodram. Selznick war verärgert und schickte Hitchcock ein sehr langes Memorandum, in dem er sein Missfallen ausdrückte. So schrieb er unter anderem: „(Wir wollen) nicht die verzerrte und vulgarisierte Version eines Werks, das sich doch bereits als erfolgreich erwiesen hat.“

Unter den zahlreichen Unterschieden zur Romanvorlage und einiger sich daraus ergebender logischer Inkonsistenzen in der Handlung erscheint am augenfälligsten, dass Rebeccas Tod im Film als Unfall dargestellt wird; in der Romanvorlage erschießt Maxim jedoch Rebecca im Affekt. Die Darstellung eines „Mörders, der davonkommt“ ließ jedoch der in Hollywood herrschende moralische Kodex der Produzenten nicht zu. Der Motion Picture Production Code schrieb die gängigen Moralvorstellungen für Filmproduktionen verbindlich fest. Hitchcock fügte sich, und so wurde das bereits fertige Drehbuch von Michael Hogan, Alma Reville und Joan Harrison von Hitchcock, Selznick und dem dafür eigens engagierten Bühnenautor Robert E. Sherwood in gemeinsamer Arbeit angepasst.</Nachtrag 2011>

Wertung: 6 von 6 D-Mark