Plakatmotiv: Die Mumie (2017)
Grusel von der Stange mit
Zombies im Karibik-Look
Titel Die Mumie
(The Mummy)
Drehbuch David Koepp + Christopher McQuarrie + Dylan Kussman + Jon Spaihts + Alex Kurtzman + Jenny Lumet
Regie Alex Kurtzman, China, Japan, USA 2017
Darsteller Tom Cruise, Sofia Boutella, Russell Crowe, Annabelle Wallis, Jake Johnson, Courtney B. Vance, Marwan Kenzari, Simon Atherton, Stephen Thompson, James Arama, Matthew Wilkas, Sohm Kapila, Sean Cameron Michael, Rez Kempton, Erol Ismail u.a.
Genre Horror, Komödie
Filmlänge 110 Minuten
Deutschlandstart
8. Juni 2017
Inhalt

Vor mehr als 3000 Jahren, zur Zeit des Neuen Reiches, wurde die ägyptische Prinzessin Ahmenet tief unter der Erde eingesperrt, mumifiziert in eisigem Quecksilber – aus gutem Grund!

Heute, 3000 Jahre später, entziffert die Ägyptologin Jennifer Halsey aus Hieroglyphen, dass Ahmenet als Anwärterin auf den Königsthron ausgebootet wurde, als ihr Vater, Pharao Meneheptre, mit einer Nebenfrau einen Sohn zeugte. Ahmanet verlor, obwohl Erstgeborene, ihren Erbschaftsanspruch, denn gemäß altägyptischer Tradition erbt stets der älteste Kronprinz den Thron (und Meneheptre hatte bis dato keinen Sohn). Die Prinzessin fühlt sich betrogen und schließt einen dunklen Pakt mit dem ägyptischen Gott Seth.

Durch die Mumifizierung und eine meterdicke Sandschicht sollte die Welt vor der Macht der Gaschassten geschützt werden, doch nun wurde ihr Grab durch eine Luftschlag im heutigen Irak freigelegt – und Ahmenet, die Mumie, erwacht zu neuem Leben.

Der GI und Glücksritter Nick Morton, sein Begleiter Chris Vail und Jenny Halsey steigen hinab, bergen den darin gefundenen Sarkophag, nicht ahnend, was darin enthalten ist, und bringen ihn nach London, wo Dr. Jekyll, Erforscher des Mystischen und Ewig Bösen schon mit seiner Delta Force darauf wartet, den Fluch der Ahmenet engültig zu beenden.

Der Doktor plant tatsächlich, das Ritual, mit dem die Prinzessin Seth, dem Gott der Toten, Nicks Körper übergeben will, gegen Ahmenet zu wenden und Seth zu seinem eigenen Verbündeten zu machen.

Die Prinzessin hingegen schafft es allerdings, sich aus Jekylls Gefangenschaft wieder zu befreien und ein Katz-und-Maus-Spiel durch ganz London beginnt. …

Plakatmotiv (US): Die Mumie (2017)

Was zu sagen wäre
Die besten Monster sind die, die eine tragische Geschichte mit sich tragen. So wie die Mumie, die ihre x-te Leinwandgeburt erlebt – erstmals im Gewand einer Frau. Betrogen, ausgeflippt, darob zu ewiger Dunkelheit verdammt, sucht sie 3000 Jahgre später eigentlich nur Erfüllung. Und es ist eine nette Ironie, dass ihr Wunschpartner zur Paarung Tom Cruise ist, seit 30 Jahren Sunnyboy des US-Kinos erst für Mädchen, dann für junge Frauen, der hier in dieser vor allem von asiatischem Geld bezahlten Produktion nun eine 3000 Jahre alte Furie becirct.

Eine Frau also. Da mögen die Studiobosse bei Universal, die mit diesem Film ein ähnlich breit gefächertes, „Dark Universe“ genanntes Franchise aufbauen wollen, wie vor ihnen MARVEL und DC mit ihrem jeweiligen Superhelden-Kosmos, die Zeichen der Zeit richtig gedeutet haben, kurz bevor der #MeToo-Tsunami in Hollywood althergbrachte – männliche –  Hierarchien ins Wanken brachte. Hier ist es die Prinzessin Ahmenet, die die morderne Welt ins Wanken bringt – wieder mal London, das in den zurückliegenden Kinojahren etwa zehn Mal zu Staub zerstört worden ist. Sofia Boutella, Kinokämpferin der Stunde („Atomic Blonde“ – 2017; Star Trek: Beyond – 2016; Kingsman: The Secret Service – 2014; „Monsters: Dark Continent“ – 2014), gibt eine prächtige Mumie ab, gleichzeitig verletzlich und unzerstörbar, verfüherisch und abstoßend. Schauspielkunst ist hinter Kontaktlinsen und Maske kaum erforderlich – Boutella ist einfach eine gute Type.

Tom Cruise ist ganz in seinem Element (Jack Reacher: Kein Weg zurück – 2016; Mission: Impossible – Rogue Nation – 2015; Edge of Tomorrow – 2014; Oblivion – 2013; Jack Reacher – 2012; Knight and Day – 2010; „Operation Walküre“ – 2008; Krieg der Welten – 2005; Collateral – 2004; Last Samurai – 2003; Minority Report – 2002; Magnolia – 1999; Mission: Impossible – 1996; Eine Frage der Ehre – 1992; Tage des Donners – 1990; Cocktail – 1988; Die Farbe des Geldes – 1986; Top Gun – 1986; Legende – 1985; Der richtige Dreh – 1983; Die Outsider – 1983): erst mit kesser Lippe, und dann rennend, prügelnd und leicht neben der Spur, solche Rollen produziert er im Schlaf, für anderes wird er nicht mehr gebucht und an dewr Kinokasse auch nicht nachgefragt. Vom Regiestuhl aus inszeniert Alex Kurtzman dem einstigen Megastar die obligatorischen Oben-ohne-Szene, die den 51-Jährigen in bemerkenswerter Verfassung zeigt, was will man mehr? Wenn man schon in einen Film geht, in dem eine ägyptische Prinzessin nach 3000 Jahren aus ihrem Grab steigt und Hollywood dafür die SFX-Computer heißlaufen lässt?

Russell Crowe gibt den geheimnisvollen Chef im seriellen Überbau, den charismatischen Dr. Henry Jekyll, von dem Kinogänger ohne lange nachzudenken wissen, dass sich darin noch jener böse Mr. Hyde verbirt – der prompt ein stelldichein gibt und Tom Cruise ordentlich vermöbelt. Crowe spielt die facettenarme Figur wunderbar leichtfüßig, seinen Jekyll als arroganten, gnadenlosen Wissenschaftler und seinen Hyde als Proleten mit Cockney-Akzent. Herrlich in seiner Simplizität.

Der Horror, der einst das genuine Genre der mumifizierten Prinzen war, ist auf den heute verbreiteten Hui-Buh-Thrill solcher Filme eingedampft. Es istn Grusel von der Stange mit Zombieskeletten im Pirates of the Caribbean-Look. Aber als Auftakt zur groß geplanten Reanimation der Universal-Gothics – Dracula, Frankenstein, Swamp Thing, Jekyll/Hyde usw. – reicht es zunächst mal. In den USA ging die 125-Millionen-Dollar-Produktion baden, schaffte am weltweiten Box-Office aber dann zufriedenstellende 409 Millionen.

Bier, Nachos, Füße hochlegen und es dann ordentlich stauben lassen.

Wertung: 4 von 8 €uro