Kinoplakat: Alarm im Weltall
Adam befreit Eva
aus dem Paradies
Titel Alarm im Weltall
(Forbidden Planet)
Drehbuch Irving Block + Allen Adler + Cyril Hume
inspiriert durch William Shakespeares „Tempest / Der Sturm“
Regie Fred McLeod Wilcox, USA 1956
Darsteller

Walter Pidgeon, Anne Francis, Leslie Nielsen, Warren Stevens, Jack Kelly, Richard Anderson, Earl Holliman, Robby the Robot, George Wallace, Robert Dix, Jimmy Thompson, James Drury, Harry Harvey Jr., Roger McGee, Peter Miller u.a.

Genre Science Fiction
Filmlänge 98 Minuten
Deutschlandstart
5. Februar 1957
Inhalt

Jahr 2200: Mit Lichtgeschwindigkeit jagt das Raumschiff C57D unter dem Kommando von Captain Adams dem Planeten Altair 4 entgegen. Sein Auftrag: Vor rund 20 Jahren ist das Raumschiff Belerophon auf Altair verschollen und Adams Mannschaft soll die Usache dafür aufklären.

Als sie den Orbit des Planeten erreichen, meldet sich über Funk ein Mensch; es ist Dr. Morbius, der sich als einziger Überlebender der Belerophon identifiziert und Adams und seine Besatzung beschwört, kehrt zu machen und zur Erde zurückzukehren. Aber Adams hat Regierungsbefehl und besteht darauf, empfangen zu werden.

Morbius und seine Tochter Altaira, die auf dem Planeten geboren wurde, sind die einzigen Überlebenden. Morbius erklärt Adams, dass die Anwesenheit einer Rettungsmannschaft nicht erforderlich sei, da er und seine Tochter durch den von Morbius selbst konstruierten Roboter „Robby“ mit allem versorgt würden, was sie bräuchten. Die Kolonisten seien alle durch eine unerklärliche Kraft getötet worden. Nur Morbius und seine Frau seien gegen diese Kraft immun gewesen, die jedoch wenige Monate nach der Geburt der Tochter Altaira eines natürlichen Todes gestorben sei.

Adams traut Morbius nicht, der den Neuankömmlingen schließlich widerwillig zeigt, was er auf Altair entdeckt hat: riesige Kernkraftanlagen, die ungeheure Mengen an Energie produzieren. Bald darauf ereignen sich unerklärliche, mörderische Dinge. Der Ingenieur wird tot aufgefunden, am Elektrozaun rund um die C57D sprühen wilder Funken, die ein Gesicht zu bilden scheinen.

Schlagartig verschwindet der Spuk wieder. Adams ist sich sicher, dass Morbius hinter al dem steckt. Nur dieser hat Macht über die geheimnisvollen Energien und Mächte auf Altair.

Aber Adams täuscht sich. Andere, weit gewaltigere Mächte stecken hinter dem Terror …

Was zu sagen wäre

Ein Klassiker des Science-Fiction-Kinos, das zur Zeit dieser Produktion noch billiges B-Picture präsentierte, das sein Publikum im Grindhouse fand, einem US-spezifischen Typ des Lichtspielhauses, das vornehmlich B- oder Exploitation-Filme zeigte – und zwar im Double-Feature, worin die ursprüngliche Bedeutung des Begriffes B-Movie (zweiter Film) steckt. Sie kamen mit der Wirtschaftskrise der 1930er Jahre auf, als die Menschen nach günstiger Unterhaltung fragten. Doppelvorstellungen von B-Filmen erfüllten diesen Zweck. Nicht selten wurden solche B-Filme aus Kostengründen einfach in den Kulissen größerer Produktionen gedreht. Die Wirtschaftskrise war 1956 längst vorbei, das B-Kino blieb.

Vorbild für Star Trek, Rolemodel für Star Wars

Wie eigentlich allen Raumschiff-Filme dieser Zeit war auch „Forbidden Planet“ kein wirtschaftlicher Erfolg beschieden, aber sein Einfluss auf die stilbildenden Science-Fiction-Filme ab den 1970er Jahren ist nicht zu leugnen und – vor allem – nicht zu übersehen. Gene Roddenberrys Star Trek hat hier seine dramaturgischen Wurzeln, George Lucas bediente sich bei „Robby“ und seinen mehreren hundert Fremdsprachen inklusive aller zugehöigen Dialekte für seinen Roboter-Mensch-Kontakter C3PO und für die Innereien des ersten Todessterns beim Design der Maschinenhallen der Krell. Gerne Erwähnung findet die Tatsache, dass erstmals in „Forbidden Planet“ ein Raumschiff als Fliegende Untertasse dargestellt wird.

Auch die „Planet“-Autoren Irving Block + Allen Adler erfanden das Rad schon nicht mehr neu und bedienten sich in der klassischen Literatur: Die Grundstruktur ist bei William Shakespeares „Der Sturm“ entlehnt. Altair 4 ist die Insel, aus dem Luftgeist Ariel wird der handfeste Roboter „Robby“ (seinerzeit der teuerste Effekt aller Zeiten: bei 4,9 Millionen US-Dollar Produktionskosten kosteten allein die Effekte von Robby 125.000 US-Dollar). Shakespeares Prospero ist Morbius und Miranda Altaira.

Und Eva verlor ihre Unschuld

Captain Adams ist, der Name legt es nahe, Adam himself – der biblische – der seine Eva errettet aus dem Paradies, welches zerstört wird durch die Anwesenheit der rein männlichen Crew. Eva, Altaira, ist mit Vater und Roboter groß geworden. Sie kennt kein Rollenverhalten, weiß nichts über Libido, Erotik, Verführung und lebt mit den Wildtieren auf Altair 4 in ungekannter Harmonie – bis einer der Männer ihr weismacht, es gehöre zur selbstverständlichen Gesundheitsvorsorge der Menschen, sich zu küssen; nachdem das geschehen ist, will der vorher so handzahme Tiger das blonde Mädchen töten, das nun nicht mehr unberührt, unschuldig rein mit der Natur ist – der Film transportiert ein sehr in seiner Zeit vernetztes Frauenbild.

Die Story, die all diese Allegorien transportiert – und das Science-Fiction-Genre war stets bereitwilliger Transporteur aller möglichen Zweideutigkeiten auf der Meta-Ebene – ist spannend. Eine Expedition ins All, ein geheimnisvoller Überlebender, eine mächtige Maschine, eine außerirdische, überlegene Intelligenz und, sehr modern, das Unterbewusstsein, das sich vom Bewusstsein abkoppelt, ein Eigenleben entwickelt – und tötet. Das wurde Vorbild für zahllose unschuldig Schuldge in der Science Fiction. Aus der Sicht des 21. Jahrhunderts ist das rührend erzählt, in seiner Zeit (1956) aber war das durchaus stringent auch in seiner militärisch knappen Dialogform, die keine Privatheiten, keine Zwischentöne zulässt – jeder Satz entweder eine Frage, eine Erklärung oder ein Kommando.

„Alarm im Weltall“ ist(!) ein Klassiker!

Wertung: 6 von 7 D-Mark