Kinoplakat: Aladdin
Ein temporeiches, buntes Gag-Spektakel
Bambi würde einen Herzinfarkt erleiden
Titel Aladdin
(Aladdin)
Drehbuch Ron Clements + John Musker + Ted Elliott + Terry Rossio u.v.a.
nach den Erzählungen aus „1001 Nacht“
Regie Ron Clements & John Musker, USA 1992
Stimmen

Scott Weinger, Michael Deffert, Kevin Robin Görlich, Peter Fessler, Linda Larkin, Maud Ackermann, Lea Salonga, Sabine Hettlich, Robin Williams, Peer Augustinski, Jonathan Freeman, Joachim Kemmer, Gilbert Gottfried, Wolfgang Ziffer, Douglas Seale, Gerry Wolff, Frank Welker, Jim Cummings, Wolfgang Kühne, Frank Welker, Michael Chevalier, Charlie Adler, Santiago Ziesmer, Jürgen Kluckert, Bruce Adler, Bernd Klinzmann u.a.

(aufgeführt sind die Original- und die deutschen Synchronstimmen)

Genre Zeichentrick
Filmlänge 90 Minuten
Deutschlandstart
18. November 1993
Website WaltDisney.org
Inhalt

Im arabischen Königreich Agrabah hat Dschafar, der Großwesir des Sultans, in der Wüste eine Schatzhöhle entdeckt, deren Öffnung die Form eines Tigerkopfes hat. Dschafar will die Höhle gerne plündern, will vor allem eine Öllampe mit magischen Fähigkeiten dort rausholen; nur kann er selbst die Höhle nicht betreten. Der Tigerkopf hat ihm unmissverständlich klar gemacht, dass nur „ungeschliffener Diamant“ Einlass findeDschafar befragt ein Orakel, wer dieser „ungeschliffene Diamant sein könnte. Ihm wird der Junge Aladdin gezeigt.

Kinoplakat: AladdinAladdin ist ein gutherziger Straßendieb, der sich in der großen, geschäftigen Hauptstadt des Königreichs mit seinem Affen Abu über die Runden schlägt. Er kennt die Gassen der Basare wie seine Westentasche und trotzdem träumt er von einem anderen Leben, seit er Jasmin, die Tochter des Sultans kennen gelernt hat. Mit Hinterlist gelingt es Dschafar,Aladdin in die Höhle zu locken. Dort findet er die Öllampe, aber – Pech für Dschafar – bejält sie. Denn wie sich herausstellt, hat es die Lampe in sich: einen gigantischen, unendlich gut gelaunten Flaschengeist namens Dschinni, der seinem Besitzer drei Wünsche erfüllen kann.

Auf diese drei Wünsche hatte es Dschafar abgesehen, also spinnt er eine Intrige, um Aladdin die Lampe abzuluchsen. Es kommt dem bösen Groswesir entgegen, dass sich Aladdin in Prinzessin Jasmin verliebt hat und diese ihn auch nicht so schlecht findet, blöderweise eine Verbindung aber nicht standesgemäß wäre. Da kann Dschafar – in Verkleidung – vielleicht helfen …

Was zu sagen wäre

Haben wir die letzten Jahre verschlafen? Habe ich was verpasst? Nehmen die bei Disney jetzt Koks? „Aladdin“ verhält sich zu seinem Vorgänger Die Schöne und das Biest in etwa so wie der Original-King Kong (1933) zu Jurassic Park (1993). Kein beim Warten auf den Prinzen fröhlich vor sich hin trällerndes Prinzesschen mehr, kein elegantes Märchen mit Tanzeinlage und Glockenklang.

Dieser Disney-Film legt ein irres Tempo vor, ist pop-art-bunt wie ein Drogentrip und hat im Flaschengeist dschinni einen veritablen Stand-Up-Comedien im Zentrum, der eine Punchline nach der anderen raus haut – im Original tut das Robin Williams in Wahnwitztempo (Hook– 1991; „Der Club der toten Dichter“ – 1989; „Good Morning, Vietnam“ – 1987), im deutschen hält seine Dauer-Synchronstimme Peer Augustinski gerade noch so mit. Disneys „Bambi“ würde im Kinosessel einen Herzinfarkt erleiden und sich anschließend im Grabe umdrehen. Wer immer noch behauptet, Disney-Zeichentrickfilme seien „was für Kinder“, sollte noch mal nachdenken. Ich habe im Kino Kinder schreiend unter die Stuhlreichen verschwinden gesehen, als sich die feurige Totenkopfhöhle aus dem Wüstensand erhebt. Und ob die mit dem Gag-Feuerwerk des Dschinni was anfangen können, bleibt fraglich. Nein, dieser Disney-Film ist eher für die eltern, die die Kinder begleiten müssen.

Kinoplakat: AladdinLaut Tinseltown-Tratsch soll Jeffrey Katzenberg vor Zorn fast explodiert sein, nachdem er die Rohfassung des Films gesehen hatte. Katzenberg, der Disney mit Filmen wie Arielle (1989) oder „Die Schöne und das Biest“ (1991) vor dem Rutsch in die Bedeutungsosigkeit bewahrt hat, befahl mehr Schwung, mehr Witz und lies viel neu zeichnen.

Demnach tauchte etwa in der Urfassung noch Aladdins Mutter auf, was vermuten lässt, dass diese Erzählung aus „1001 Nacht“ ähnlich betulich elegant geraten war, wie die klassischen Disneys. Katzenberg verpasste seinem Aladdin die Gesichtszüge von Superstar Tom Cruise, was insofern bemerkenswert ist, weil Tom Cruise den Aladdin gar nicht spricht. Aber mit einer Zeichentrickfigur, die an Tom Cruise, den juvenilen Actionhelden gemahnt („Tage des Donners“ – 1990; „Cocktail“ – 1988; Top Gun – 1986; „Lockere Geschäfte“ – 1983), gehen die Zeichner gleich ganz anders um.

Hat man sich von dem Bild verabschiedet, das man von Disney-Filmen bislang hatte und sich auf das Tempo und die schrille Note eingestellt, dann entfacht „Aladdin“ viel Spaß und ein romantisches Abenteuer, dem aber der Zauber fehlt.

Wertung: 6 von 10 D-Mark