Plakatmotiv: Agenten der Nacht (1942)
Ein Film-Noir-Versuch mit Nazis,
Mobstern und einer Prise Humor
Titel Agenten der Nacht
(All through the Night)
Drehbuch Leonard Spigelgass + Edwin Gilbert + Leo Rosten
Regie Vincent Sherman, USA 1942
Darsteller Humphrey Bogart, Conrad Veidt, Kaaren Verne, Jane Darwell, Frank McHugh, Peter Lorre, Judith Anderson, William Demarest, Jackie Gleason, Phil Silvers, Wallace Ford, Barton MacLane, Edward Brophy, Martin Kosleck, Jean Ames u.a.
Genre Action, Komödie, Crime
Filmlänge 107 Minuten
Deutschlandstart
31. März 1989 (TV-Premiere)
Inhalt

„Gloves“ Donahue ist Boss einer Gruppe professioneller Spieler und ein großer Liebhaber von Käsekuchen aus der Bäckerei des alten Mr. Miller, mit dem seine Mutter befreundet ist. Als dieser von einem Unbekannten erschossen wird, drängt Mrs. Donahue ihren Sohn, nach einer jungen Frau zu suchen, die in ihren Augen etwas mit dem Mord zu tun hat.

Die Frau heißt Leda Hamilton, ist Sängerin in einem Nachtclub und stammt aus Deutschland. Ihr Begleiter am Klavier, Pepi, sieht es höchst ungern, dass Donahue mit ihr Kontakt sucht; als Miss Hamilton kurz darauf entführt wird, spürt Donahue sie mit seinen Männern im Auktionshaus eines gewissen Ebbing auf. Dort entdeckt er zusammen mit seinem Freund Sunshine, dass das Unternehmen eine Tarnfirma für eine Gruppe Nazis ist, die unter Ebbings Führung gefährliche Sabotageakte planen.

Plakatmotiv (US): Agenten der Nacht – All Through the NightEin spektakulärer Schlag soll noch in der gleichen Nacht erfolgen, aber die Polizei schenkt Donahue keinen Glauben, als er sie davon informiert, und will ihn stattdessen als vermeintlichen Mörder festsetzen …

Was zu sagen wäre

Der Film plätschert so zwanzig Minuten dahin, als die Sängerin Leda Hamilton auftritt. Kaaren Verne spielt sie, in Berlin geboren, mit 20 nach England geflohen. Diese Sängerin, Leda, macht mich sofort neugierig; das gelingt Frauen im Film Noir selten. Kaaren Verne muss sich gar nicht anstrengen; entweder ist der Maskenbildner besonders gut. Oder die Schauspielerin strahlt aus sich selbst heraus. Zweites trifft zu und gleitet damit im Fahrwasser so vieler Variationen des gerade so populären Film Noir. Das sehe ich gerne. aber es fehlt das Neue … es fehlt der Grund, warum ich im Kino für Gangster mit nervösem Zeigefinger, ruchlose Frauen und unschuldige tote Bürger schon wieder Eintritt bezahlen soll.

Also haben die Produzenten im Hintergrund die Ironie entdeckt. Man erzählt die harte Geschichte einer kompromisslosen Gang, schneidet ein paar Schlagschattenbilder ein (Schwarze Serie) und bricht die lebensverachtende Brutalität mit witzigen Bemerkungen. „Machen Sie sich keine Sorgen“, sagt der schwarze Hausdiener, „die Dinge sind nicht immer so schwarz, wie sie erscheinen.“ „Es ist doch vernünftiger, die Sache der Polizei zu überlassen. Also geh nach Hause und kauf Dir`n neuen Hut!“ Bogart pflegt eine herzerwärmende Sohn-Mutter-Beziehung; das macht Spaß.

Aber es ist dann doch alles anstrengend, sich schön zu reden. Ich entdecke alles Mögliche, was zu Bogarts Filmografie passt oder zu Erkenntnissen über die Schwarze Serie beiträgt. Aber dem Film hilft es nicht, der bleibt langweilig, weil die Charaktere künstlich sind. Der Film scheitert daran, dass er mit dem augenscheinlich so einfach zu erklärenden Schurken nicht zurecht kommt, er unter dessen historischen Gewicht zusammenbricht – der Drogenschmuggler ist dann doch ein anderes Kaliber als das Thema „Nazis“. „Wir sind auf dem Broadway und nicht in Berlin.“
„Es ist ausgesprochen schade, Mr. Donahue, dass wie beide Gegner sind. Wir haben so vieles gemeinsam.“
„Ja, wie meinen Sie das?“
„Sie sind ein Mann der Tat. Sie nehmen sich das, was Sie wollen. Das tun wir auch. Sie haben keinen respekt vor der Demokratie. Den haben wir such nicht. Wir könnten doch Verbündete sein.“
„Da sind Sie aber auf dem Holzweg. Ich bin überzeugter Demokrat. Seit ich wählen kann. Vielleicht bin ich kein Musterbürger erster Klasse. Aber ich zahle meine Steuern, warte an roten Ampeln und kaufe regelmäßig 24 Karten fpür den Polizeiball. Also bringen Sie mich nicht mit Ihresgleichen in Verbindung. Ich habe noch nie einen harmlosen Bäcker umgelegt!“

Mit den Ideen der Nazis werden die US-Zuschauer in einem Schnellkurs vertraut gemacht und lernen, dass es das KZ Dachau gibt. Was das heißt, bleibt im Ungefähren. Und um immer deutlich zu haben, wann Nazis im Bild sind, kollert von der Soundtrackspur eine verfremdete deutsche Nationalhymne runter, deren schiefe Töne auch den letzten Zweifler in die FGlucht schlagen.

Ein fahrig inszenierter Spionage- und Agentenfilm nach dem Propagandaschema Hollywoods, mit auf Schurkenrollen festgelegten deutschen Emigranten (Veidt, Lorre), die klischee gerecht die Hacken zusammenschlagen und „Sieg, Heil!“ rufen. Der Film, der 1942 gedreht wurde, wirkt wie ein Aufklärungs- und Anti-Hitler Film. Er ist allerdings nur von mittelmäßiger Spannung.
Wertung: 2 von 6 D-Mark