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Kinoplakat: Absolute Power
Eastwood ganz gemächlich
Gelungener Thriller im Schneckentempo
Titel Absolute Power
(Absolute Power)
Drehbuch William Goldman
nach dem gleichnamigen Roman von David Baldacci
Regie Clint Eastwood, USA 1997
Darsteller Clint Eastwood, Gene Hackman, Ed Harris, Laura Linney, Scott Glenn, Dennis Haysbert, Judy Davis, E.G. Marshall, Melora Hardin, Kenneth Welsh, Penny Johnson, Richard Jenkins, Mark Margolis, Elaine Kagan, Alison Eastwood u.a.
Genre Krimi
Filmlänge 121 Minuten
Deutschlandstart
22. Mai 1997
Inhalt

Luther Whitney hat sein Geld mit verflucht hochklassigen Einbrüchen gemacht. Ein letzter Bruch noch, dann will er sich zurückziehen. Daraus wird nichts.

Bei diesem letzten Coup wird er Zeuge eines Schäferstündchens des US-Präsidenten, das wenig zärtlich mit dem Tod der Gespielin endet – hingerichtet vom Secret Service. Der Mord erregt großes Aufsehen – die Tote war die sehr junge Gattin eines der reichsten Industriellen der westlichen Welt. Schnell werden alle Spuren verwischt. Luther kann gerade noch abhauen.

Bald sieht sich Whitney einem Heer von Verfolgern ausgesetzt, unter denen die Polizei noch der harmloseste Gegner ist …

Was zu sagen wäre

Das Script stammt aus der Feder der Drehbuchlegende William Goldman (Der Geist und die Dunkelheit – 1996; „Maverick” – 1994; „Chaplin” – 1992; Misery – 1990; Die Braut des Prinzen – 1987; Der Marathon Mann – 1976; Die Unbestechlichen – 1976; Butch Cassidy und Sundance Kid – 1969). Regie führt Hollywood-Legende Clint Eastwood. Vor der Kamera stehen, na ja, jede Menge Legenden. Was soll da schief gehen? Ernsthaft: Nichts. Mit Lust stürzt sich Gene Hackman (Die Kammer – 1996; The Birdcage – 1996; Crimson Tide – 1995; Erbarmungslos – 1992; No Way Out – 1987; Die verwegenen Sieben – 1983; Superman – 1978; „French Connection II“ – 1975; Die Höllenfahrt der Poseidon – 1972; „French Connection – Brennpunkt Brooklyn“ – 1971) für seinen Freund Eastwood in die schmierige Rolle des Präsidenten, der mehr seine Nutten im Blick hat als die Staatsgeschäfte. Das Erzähltempo: lakonisch. Die Action: maßvoll. Dabei hätte dem wilden Plot der Romanvorlage etwas mehr Tempo schon gut getan. Aber Tempo ist Eastwoods Sache nicht. Gemächlich blättert er die Einsamkeit des Altgauners auf. Hat man sich mal darauf eingelassen, kann man den Thriller genießen, wie einen alten Rotwein.

Es ist wunderbar, Eastwood bei der Arbeit buchstäblich zuzusehen; zu erleben, wie er sich scheinbar alle Zeit der Welt nimmt, um die Figuren akribisch auf seinem Schachbrett zu verteilen, bis jede unentrinnbar auf ihre Bestimmung zugeht. Und dann, etwa um die Hälfte des Films, gibt es den ersten Showdown: Scharfschützen auf offener Plaza, fünf Perspektiven, das Tempo des Films zieht an und wechselt die Stimmung zum kleinen Verschwörungs-Thriller in bester 1960er-Anmutung. Da kommt das Ende fast etwas plötzlich, ganz so, als hätte Eastwood ein Einsehen mit den Produzenten gehabt, statt eines Drei-Stunden-Dramas den klassischen Zwei-Stunden-Thriller abzuliefern.

Erwähnen sollte ich unbedingt Judy Davis (Ehemänner und Ehefrauen – 1992; „Naked Lunch” – 1991; „Barton Fink” – 1991; „Alice” – 1990), die die Chefin des Secret-Service-Teams spielt. Ihre zunehmend käsige Hektik-Haut, ihr hagerer Panikkörper, der sich dennoch in absoluter Verehrung zu ihrem Präsidenten immer wieder aufrafft und versucht, trotz Sturmflut attraktiv zu sein … das ist schon einen zweiten Blick wert.

Wertung: 8 von 11 D-Mark
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