Kinoplakat (US): A World beyond
Disney leistet sich einen Traum
und geht darin ehrbar baden
Titel A World Beyond
(Tomorrowland)
Drehbuch Damon Lindelof + Brad Bird + Jeff Jensen
Regie Brad Bird, USA, Spanien 2015
Darsteller
George Clooney, Britt Robertson, Hugh Laurie, Raffey Cassidy, Tim McGraw, Kathryn Hahn, Keegan-Michael Key, Chris Bauer, Thomas Robinson, Pierce Gagnon, Matthew MacCaull, Judy Greer, Matthew Kevin Anderson, Michael Giacchino, D. Harlan Cutshall u.a.
Genre Fantasy, Abenteuer
Filmlänge 130 Minuten
Deutschlandstart
21. Mai 2015
Inhalt
Frank Walker erzählt, wie er als Junge im Jahr 1964 die Weltausstellung in New York besucht hat. Bei einem Erfinderwettbewerb stellt er seinen Raketenrucksack vor. Juror David Nix zeigt sich jedoch unbeeindruckt. Das Mädchen Athena entdeckt aber sein Potenzial, steckt ihm einen Ansteck-Button mit einem „T“ zu und weist ihn an, ihr zu folgen. In einer Attraktion wird er daraufhin in das futuristische Tomorrowland teleportiert.

Jahre später manipuliert Casey Newton drei Kräne an der Raketenabschussrampe der NASA am Cape Canaveral, um den Abriss der Rampe zu verzögern. Athena steckt auch ihr heimlich einen Tomorrowland-Button zu, und als Casey ihn berührt, hat sie eine Vision vom Tomorrowland, die allerdings nach einigen Minuten endet. Bei einer Internetrecherche findet sie einen Laden in Houston, der einen Tomorrowland-Button verkauft, und beschließt, den Laden zu besuchen. Als sie den Shopbetreibern den Button zeigt, versuchen die, mit Waffengewalt weitere Informationen über die Herkunft des Buttons zu erlangen. Athena erreicht das Geschehen und bekämpft erfolgreich die Shopbetreiber, die sich als humanoide Roboter herausstellen. Athena flieht mit Casey und setzt sie am Haus von Frank Walker in New York ab.

In dessen Haus befinden sich zahlreiche futuristisch anmutende Erfindungen; darunter auch eine alte Aufnahme, die zeigt, wie Frank sich als Kind in Athena verliebt. Casey hat sich derweil in Franks Haus umgesehen und einenRaum mit lauter Bildschirmen aufgetan, die Weltuntergangsszenen und eine Wahrscheinlichkeit für den Weltuntergang von 100 Prozent zeigen. Nach Protesten von Casey sinkt die angezeigte Wahrscheinlichkeit, woraufhin Frank sich nun doch auf sie einlässt.

Sie fliehen zu einem von Frank vor Jahrzehnten entwickelten Teleporter, der sie auf den Eiffelturm bringt. Dort erklärt Frank, dass Gustave Eiffel, Jules Verne, Nikola Tesla und Thomas Edison die Organisation Plus Ultra gegründet haben, die mithilfe von Visionären eine bessere Zukunft schaffen sollte. Sie entdeckten ein Paralleluniversum, auf dessen Erde sie Tomorrowland gründeten. Mithilfe einer Rakete, die sich unter dem Eiffelturm befindet, reist das Trio dorthin; aber Tomorrowland befindet sich in einem desolaten Zustand …
Was zu sagen wäre

Stell Dir vor, Du darfst Dir einen Traum erschaffen, einen Traum, in dem Du alleine bestimmst, wohin die Reise geht und zwar nicht nur für Dich, nein: Für die ganze Welt, die ganze Menschheit. Verkack‘ das nicht: Träume haben manchmal üble Abzweigungen.

Das Kino ist ein zauberhafter Ort. Erfunden, um die Menschen vom Sitz zu reißen, sie zum Staunen zu bringen, zum Lachen oder zum Weinen. Auf seinem Weg fährt es sich dann immer wieder fest, bleibt stecken in Wiederholungen, Fortsetzungen, Ideenlosigkeit. Und dann poppt trotzdem immer mal ein Lebenszeichen auf, weil das Kino nicht totzukriegen ist … Träume sterben nicht. Ich weiß nicht, ob „A World beyond“ ein guter Film ist. Nach aktuellen Marketingregeln sicher nicht – keine Superhelden, keine Lovestory, keine Storyline, die sich in einem Satz erzählen lässt, zu viele main charakters, dazu mit George Clooney ein Star (Monuments Men – 2014; Gravity – 2013; The Descendants – 2011; The Ides of March – 2011; The American – 2010; Männer, die auf Ziegen starren – 2009; Up in the Air – 2009), der sich alterstechnisch aus der Hauptzielgruppe verabschiedet hat und eine („Kein Ort ohne Dich“ – 2015; „Cake“ – 2014; „Under the Dome – TV, 2013-2014; Der Lieferheld – 2013), die dort erst hineinwachsen muss (und kann). Aber „A world beyond“ ist eine traumhafte Extravaganza, eine unerschütterlich optimistische Vision, eine bizarr anmutende Geschichte aus einer Welt, die zunächst aussieht, als habe Disney das Design bei seinem letzten Zeichentrickfilm, Triff die Robinsons (2007), ausgeliehen, um seinen Themenpark Futureworld zu verfilmen. Es ist die Vision, wie mit Träumen die Zukunft gerettet werden kann – nein, nicht einfach die Welt. Die Zukunft. Da können sich sogar Roboter in Menschen verlieben – der Roboter interpretiert das „Störung seiner Empathieschaltkreise“ und lässt es zu. Raffey Cassidy (Snow White and the Huntsman – 2012; Dark Shadows – 2012) spielt dieses Robotermädchen als einen lang andauernden Magic Moment.

„Warum wollen sie die Abschussrampe abreißen?“, fragt der kleine Bruder. „Weil es schwer ist, neue Ideen zu haben; und ganz leicht aufzugeben“, sagt Casey, die große Schwester, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Zukunft, die Utopie, die Idee eines besseren Morgen auf jeden Fall zu retten. Das Disney-Kino feiert die kindliche Vorstellungskraft – Zyniker würden sagen: die Naivität. Und gesponsert hat die US-Weltraumbehörde: „Think about NASA, Dad!“, kämpft die Tochter für die Wahrheit gegen die Übermacht der zynischen Väter-Welt, „New Frontiers – Nichts ist unmöglich, Dad!“

Da wird den Disney Studios immer vorgeworfen, sie würden so eine seifig süße Welt erschaffen, in der sich alles zum Guten wendet. Aber hier werden die Protagonisten immer nur mit dem gelangweilten Zynismus des Lehrkörpers konfrontiert. Das Reich des Bösen ist hier die saturierte Besser-gewusst-Attitüde der Horden, die sich in ihrem kleinen Leben eingerichtet haben. In der Schule lehren die Lehrer, dass Nuklear-Mächte oder Terroristen massive, weltweite Zerstörung anrichten könnten; dass die Natur längst dabei sei, sich ihr Recht via Klimawandel zurück zu holen und der Literatur-Lehrer doziert über Huxleys „Brave New World“, über Orwells „1984“ oder über Bradburys „Fahrenheit 451“, die allesamt Beleg seien für eine nicht zu rettende Gegenwart. Und als sich Casey, unsere Heldin in diesen 130 Kinominuten meldet, sie habe nun verstanden, dass alles den Bach runter gehen werde und nun sei sie interessiert zu erfahren, was die Menschheit dagegen zu unternehmen gedenke, da schweigt der Lehrkörper verdutzt. Darüber hat niemand mehr nachgedacht, seit sich alle in den Untergangsszenarien eingerichtet haben.

Doch, ich weiß … dass „A World beyond“ kein guter Film ist: die Handlung verworren, das Design verspielt – kein Wunder, wenn Brad Bird Regie führt – die Figuren nicht auserzählt, die digitalen Effekte erschlagen die Dramaturgie. Und dann heißt George Clooneys Figur des aus der Heimat Verstoßenen auch noch plakativ Walker … der Wanderer. Und natürlich ist das alles an den Haaren herbeigezogen.

Aber es funktioniert. Ich habe da gesessen, gestaunt und mich gefreut. Sowas kann nur Kino – selbst wenn der Film nicht so gut ist.

Wertung: 6 von 8 €uro