Kinoplakat: 10 Cloverfield Lane
Knapp am Kern
der Story vorbei
Titel 10 Cloverfield Lane
(10 Cloverfield Lane)
Drehbuch Josh Campbell + Matthew Stuecken + Damien Chazelle
Regie Dan Trachtenberg, USA 2016
Darsteller
John Goodman, Mary Elizabeth Winstead, John Gallagher Jr., Douglas M. Griffin, Suzanne Cryer, Bradley Cooper, Sumalee Montano, Frank Mottek u.a.
Genre Thriller, Monster
Filmlänge 104 Minuten
Deutschlandstart
31. März 2016
Website 10cloverfieldlane.com
Inhalt
Nach einem Autounfall erwacht Michelle Burke im Bunker von Howard Stambler, der sich, Michelle und einen Mann namens Emmett dort in Sicherheit gebracht hat, nachdem ein Angriff mit chemischen Waffen die Erdoberfläche unbewohnbar gemacht hat.

Emmett, ungefähr in Michelles Alter, berichtet, dass Howard schon seit vielen Jahren Verschwörungstheorien von außerirdischen und atomaren Angriffen anhängt und deshalb sein Vermögen und Zeit in diesen Bunker gesteckt hat. Michelle glaubt zunächst nicht an eine chemische Katastrophe und versucht, aus dem Bunker zu fliehen. Sie überwältigt Howard, klaut dessen Schlüssel und beginnt, an der Außentür die Schlösser aufzuschließen. Auf der Außenseite der Außentür erscheint jedoch eine Frau, Leslie, die verletzt um Einlass fleht und schließlich anfängt, möglicherweise durch eine Infektion bedingt, ihre Hände und ihren Kopf an die Scheibe zu schlagen.

Howard warnt Michelle davor, die Tür zu öffnen, mit dem Hinweis auf die möglicherweise vergiftete Außenluft. Michelle hört auf ihn. Aber die Zweifel bleiben. Dann findet sie bei Reparaturarbeiten allerdings Hinweise darauf, dass Howard für das Verschwinden eines Mädchens vor einigen Jahren verantwortlich ist. So findet sie Ohrringe, die auch auf dem Foto erkennbar sind, welches Howard ihr zuvor von seiner angeblichen Tochter gezeigt hat. Als Michelle das Foto Emmett zeigt, sagt der, dass dies nicht die Tochter von Howard sei, sondern ein Mädchen, das vor zwei Jahren als vermisst gemeldet wurde.

Michelle bastelt daraufhin zusammen mit Emmett heimlich einen Schutzanzug, um den Bunker zu verlassen und Hilfe zu suchen. Aber Howard deckt den Plan auf und greift zur Waffe …

Was zu sagen wäre

Dieser Film hat nichts mit dem Monsterfilm „Cloverfield“ zu tun, der 2008 im Found-Footage-Stil erzählt in die Kinos kam. Dass es auch in „10 Cloverfield Lane“ um Monster geht – um humanoide und andere Monster – ist angesichts der schieren Masse an Monsterfilmen egal. Lediglich die streng subjektive Erzählweise des Films, 2008 ausschließlich durch die Optik einer Handycam, jetzt ausschließlich aus der Persepektive Michelles, kann die Titeldopplung erklären; wahrscheinlicher aber ist, dass Produzent J.J. Abrams einfach einen gut beleumundeten Markennamen als Marketinginstrument einsetzt – wo „Cloverfield“ drauf steht, stecken interessanter Newcomer-Produkte mit Monster drin.

Der vorliegende Film allerdings kratzt sehr am guten Image der Cloverfield-Monster. Er beginnt fantastisch mit Kameraeinstellungen, die ohne Dialog ein halbes Beziehungsleben offenbaren, lässt aber dann bald nach. Dan Trachtenberg und seinen Autoren fehlt für diese Geschichte auf engstem Raum Eskalationsmaterial. Ermüdend lang schleppen sich Dialoge um Nichts dahin, um sich dann plötzlich in Thrill-Elementen aufzulösen. Der dicke Howard, obwohl vom wohlig runden John Goodman gespielt (Trumbo – 2015; Transformers 4: Ära des Untergangs – 2014; Monuments Men – 2014; Flight – 2012; Back in the Game – 2012; Argo – 2012; Eine Nacht bei McCool‘s – 2001; The Big Lebowski – 1998), ist mit seinem Bart und dem düsteren Blick von vorneherein als nicht ganz dicht gebrandmarkt und so sind dieals Überraschung gedachten Enthüllungen keine echte Überraschung mehr und wir beginnen bald, auf die Uhr zu gucken, die Geschichte verläuft in nachlassender Spannung bei steigendem Igitt-Faktor.

Mary Elizabeth Winstead (The Spectacular Now: Perfekt ist jetzt – 2013; Abraham Lincoln Vampirjäger – 2012; The Thing – 2011; Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt – 2010; Stirb langsam 4.0 – 2007; Death Proof – 2007; Final Destination 3 – 2006), die hier nur wenig mehr tun kann, als ihre großen Augen noch größer zu machen, versucht noch, sich für kommende Kinoreggisseure als Monster bekämpfende Ellen Ripley des 21. Jahrhunderts zu etablieren, aber dann ist der Film auch vorbei. So prächtig er in manchen Details daher kommt – der Auftakt, die Kulisse, in Ungewissheit – so schludrig kommt er bei vielem anderen daher. Der Emmett-Charakter bleibt blass, Howards offensichtlich gelogene Vergangenheit wird viel zu wenig aufgebaut, als dass deren Aufdeckung dann wirklich noch Überraschung erzeugt.

Warten wir auf den nächsten Cloverfield-Monster-Versuch.

Wertung: 3 von 8 €uro