Kinoplakat: 1 Mord für 2
Großes Schauspielerkino
fantastische Kulissen
Titel 1 Mord für 2
(Sleuth)
Drehbuch Harold Pinter
nach dem Stück von Anthony Shaffer
Regie Kenneth Brannagh, USA, UK 2007
Darsteller Michael Caine, Jude Law, Harold Pinter, Carmel O'Sullivan u.a.
Genre Drama
Filmlänge 89 Minuten
Deutschlandstart
20. Dezember 2007
Inhalt

Milo Tindle, ein arbeitsloser Schauspieler, hat eine Affäre mit der Ehefrau des berühmten und reichen Krimiautors Andrew Wyke. Auf Einladung des Autors treffen sich die beiden Männer in Wykes Haus. Tindle möchte, dass sich Wyke von seiner Frau scheiden lässt. Doch dieser schlägt ihm etwas anderes vor: Seine Frau, sagt Wyke, sei verwöhnt und würde den arbeitslosen Tindle alsbald wieder verlassen, würde der nicht irgendwie an Geld kommen. Er andererseits, Wyke, wolle seine treulose Gattin aus denselben Gründen nie wieder sehen. Deshalb solle Tindle Schmuck im Wert von einer Million Pfund aus Wykes Tresor stehlen. Er, Wyke, kassiert die Versicherungssumme und ist elegant seine Frau los, ohne viel Geld für die Scheidung aufbringen zu müssen. Und Tindle … wäre reich.

Tindle ist überrascht, geht aber auf Wykes „Spiel”, wie er es nennt, ein, befolgt die gut vorbereiteten Anweisungen zum Einbruch. Plötzlich zieht Wyke eine Pistole und bedroht Tindle damit. Es sieht so aus, als hätte Wyke Tindle die ganze Zeit an der Nase herumgeführt und wolle sich nur am Geliebten seiner Frau rächen. Nachdem Wyke zwei Schüsse in die Wand abgefeuert hat, um seiner Drohung Nachdruck zu verleihen, bettelt Tindle um sein Leben.

Wyke schießt. Tindle bricht zusammen.

Einige Tage später: Ein Herr mit Lederjacke steigt aus dem Auto und klingelt an Wykes Haustür. Er stellt sich als Inspektor vor, der wegen des Verschwindens eines jungen Mannes ermittelt, der vor drei Tagen das letzte Mal in einem nahen Hotel gesehen worden war: Tindle. Er erwähnt auch, von der Beziehung zwischen Wykes Ehefrau und Tindle zu wissen. Und letztendlich beschuldigt er Wyke, Tindle ermordet zu haben. Wyke gerät ins Schwitzen. Dann jedoch gibt sich der Inspektor als verkleideter Tindle selbst zu erkennen, der dem Autor einen gut geplanten Revanche-Streich gespielt hat. In einer Rückblende wird klar, dass die dritte Kugel in Wykes Waffe nur eine Platzpatrone war und Tindle nur auf Grund des Schocks, dass auf ihn geschossen wurde, ohnmächtig wurde.

Tindle zwingt Wyke, den Safe zu öffnen und den Schmuck herauszuholen. Beide finden, dass der Spielstand nun 1:1 beträgt und abzuwarten bliebe, wer den letzten Satz gewinnt …

Was zu sagen wäre

Sie ficken mit meiner Frau!“ Der Satz fällt nach zehn Minuten. Da sehen wir auch zum ersten Mal die Gesichter der beiden Antagonisten, die sich in der Folge auf das schärfste mit Worten und Tricks bekämpfen werden. Bis dahin sehen wir Architektur; Glaskaraffen, Beine, immer wieder Bilder aus Überwachungskameras. Das Theaterstück „Sleuth” war bereits im Jahr 1972 von Joseph L. Mankiewicz als „Mord mit kleinen Fehlern“ verfilmt worden. Damals spielte Laurence Olivier den Schriftsteller, während Michael Caine die Rolle des Liebhabers der Ehefrau übernahm. Die Neuverfilmung nimmt darauf Bezug, weil der Schriftsteller den Schauspieler immer wieder als Friseur bezeichnet, in der ersten Fassung war der Milo Tindle Friseur.

Der große Filmkritiker Roger Ebert warnte dennoch, man solle bloß nicht denken, wenn man das Theaterstück oder den früheren Film gesehen habe, dass man dann auch den neuen Film schon kenne. Und er hat Recht. Mal abgesehen davon, dass Regisseur Kenneth Brannagh seine beiden Schachfiguren in kühler, postmoderner Architektur mit shakespearscher Wucht aufeinander hetzt, sehen wir auch zwei Schauspieler, die ein gänzlich eigenes Werk schaffen.

Michael Caine (Prestige – Die Meister der Magie – 2006; „Austin Powers in Goldständer“ – 2002; Miss Undercover – 2000; Get Carter – 2000; Gottes Werk & Teufels Beitrag – 1999; Hannah und ihre Schwestern – 1986; Der 4 1/2 Billionen Dollar Vertrag – 1985; „Dressed to Kill“ – 1980; Der Adler ist gelandet – 1976; „Der Mann, der König sein wollte“ – 1975; „Die schwarze Windmühle“ – 1974; Jack rechnet ab – 1971; Charlie staubt Millionen ab – 1969; Das Milliarden Dollar Gehirn – 1967; Finale in Berlin – 1966; Ipcress - streng geheim – 1965) hat stets offen zugegeben, so manche Rolle nur gespielt zu haben, weil er irgendetwas abzubezahlen habe – ein Haus, die Schule der Kinder. Dabei übersieht man leicht, dass er einer der Großen seines Fachs ist. Was er hier an mimischem Furor entfacht, an Charme, Arroganz und Entgegenkommen, ist große Kunst, ohne dass er freilich mehr als einen Wangenmuskel rühren muss. Jude Law („Hautnah” – 2004; Road to Perdition - 2002; A.I. – Artificial Intelligence – 2001) steht dem nicht nach. Schön, dass er mal zeigen darf, was er drauf hat abseits der Rolle des beklatschten Schönnen.

Ein Spiel mit Dopplungen, Spiegelbildern, vertauschten Rollen, zusammengefasst in einer Dialogzeile aus Tindles Drehbuch: „Bin ich Sie oder bin ich ich?”
Hier finden Schauspieler und Autor Shaffer und ein Regisseur zusammen.

Wertung: 6 von 6 €uro