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Wir sind in Niederhausen. An der Nahe. Gleich hinter Bad Kreuznach. Uli hat das zweite Einer-Wochenende in diesem Jahr ausgerufen. Solche "Einer-Wochenenden" haben den Reiz - wenn man den oben beschriebenen Irrsinn mal ignoriert - dass es nicht darum geht, binnen 48 oder 72 Stunden mehrere Gig-Boote von A ins unterschiedlich weit entfernte B zu rudern, sondern nur darum, zu rudern - alleine, ohne Gebrülle, dafür manchmal mit einem Platsch.
Warum man sich so was antut, wenn man doch nicht Olympia gewinnen will, wird nach den ersten Metern klar. Laaangsam vorrollen (mit über die Wasseroberfläche plitschenden Skulls). Einsetzen. Beine stemmen. Oberkörper straffen. Arme anziehen. Laaangsam vorrollen... Deswegen: Das Boot gleitet über die Nahe. Im Augenwinkel gleiten grüne Landschaften, neugierige Familien, die romantische Unberührtheit der Natur suchende Paare, paddelnde Kanuten, Schwäne vorbei. Das Boot schwebt. Der ungeübte Ruderer hat den ganzen Samstag mit der Kurve mitten im Parcours zu kämpfen. Mich treibt es mehrfach in die Botanik. Immerhin: Ich kann mich durch rückwärts Rudern befreien. Ein weiterer Reiz solcher Einer-Wochenenden liegt darin, dass der unbedarfte Ruderer seinen Personal-Trainer bekommt - eine Zeitlang jedenfalls. Mein Gewackel hat Andreas aufmerksam gemacht, der an meine Seite rudert und zunächst einmal feststellt, ich säße ja "sehr verkrampft" auf meinen Rollsitz. Ich solle beim Durchziehen mal die Ellbogen nach außen drehen. Das ist neu. Ja, sagt Andreas, ihm sei schon häufiger zu Ohren gekommen, dass bei der MRG das Ellbogen-eng-am-Körper-führen gepflegt werde. Irgendwie habe ich den Eindruck, mit den nach außen geführten Ellbogen geht es etwas besser. Andreas übrigens behandelt sein Skiff, als sei er darin zur Welt gekommen und habe es seither nie verlassen. Es gab da diesen Moment: Ich hatte gerade einen ordentlichen Rhythmus, kam vorwärts und war sehr konzentriert, als Andreas mit zwei Schlägen heran glitt und, mir plaudernd Tipps gebend, die Höhe hielt, während ich kämpfte, um den Rhythmus zu halten und nicht zu kentern. Natürlich fährt Andreas einen gelben Empacher-Flitzer und ich den schnucklig-brummigen „Blaubär“. Aber daran lag die unterschiedliche Eleganz unseres Ruderstils offenbar nicht. Im Laufe des Wochenendes zeigt Andreas uns den Sterbenden Schwan. Er steht einbeinig im Skiff und balanciert sich via Oberkörper und zweitem Bein aus. Einbeinig!
Es ist ein Irrtum, zu glauben, solche Einerwochenenden könnten dann ja wohl nicht sonderlich gesellig sein. Wenn man doch die ganze Zeit allein vor sich hin rudernd verbrächte. Da gibt es ja noch die Pausen an Land. Das Wetter war ausgezeichnet. Irgendjemand sagte, es habe nachts nach Gießkannenprinzip geschüttet. Tagsüber galt: Himmel blau. Sonne gelb. Wasser nass. Gras grün. Und Mike hatte sein Frisbee dabei.
Besonderen Reiz übte auf Manche der rosa Bomber aus, der dem hiesigen Verein gehört. Das "Pohlus Boot", wie es offiziell heißt, zeichnet sich dadurch aus, dass der Sitz kein Rollsitz ist, dafür sich die Ausleger vor und zurück bewegen. Tobias steigt nach zehn Minuten wieder aus ("nie wieder, ey!"), Miriam kämpft sich gegen die ungewohnte Technik durch, Andreas und Jürgen nutzen es - rückwärts rudernd - zum Frisbee spielen auf dem Wasser. Was wir gelernt haben:
und Hendrik legt Wert auf die Feststellung:
Und ich habe Andreas versprochen, dass ich mir beim nächsten Mal von ihm erklären lasse, wie ich ins Skiff steige, a., ohne ins Wasser zu fallen und b., dies auch hinzubekommen, wenn ich nicht die Hintern-vom-Steg-ins-Boot-hiev-Technik anwende. Andreas fasst den Reiz eines Einer-Wochenendes so zusammen: „Wo soll denn da der Spaß sein, wenn Du nicht einmal ins Wasser gefallen bist?“ August 2008 Weitere Wanderfahrten |