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Einerwochenende an der Nahe

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Drei Ruderboote auf der Nahe

Einbeinig auf
dem Dart-Pfeil

Christoph Hartung berichtet vom einer-Wochenende am 2./3. August 2008 an der Nahe

Aussehen und Charakter sind nicht immer kongruent.
So ein Einer zum Beispiel - ich glaube, in Olympia-Zeiten tut man sich hervor, wenn man weltmännisch „Skiff“ sagt – so ein Skiff also: Sieht schnittig aus! Unglaublich elegant, lang, schmal; man möchte es hochnehmen und in elegantem Bogen ins Schwarze der Dart-Scheibe werfen.
Und dann setzt man sich rein. In diesen Pfeil.

Jetzt wird aus dem "unglaublich eleganten" der blanke Irrsinn. Warum tut sich der Mensch so was an? Wenn der liebe Gott gewollt hätte, dass der Mensch übers Wasser gleitet, hätte er unsere Beckenknochen anders geformt - irgendwie elegant; oder so. Der Schwerpunkt liegt jetzt etwa 30 Zentimeter über der Wasseroberfläche, das Schwert unterm Kiel misst etwa zehn Zentimeter. Ab sofort gilt: "Hände auf gleicher Höhe", "Rücken gerade", "Skulls gleichmäßig setzen"... all diese Kommandos, die man als Freizeitruderer im Doppelvierer dauernd um die Ohren gebrüllt bekommt. Im Einer brüllt niemand. Da fällt der Ruderer gleich ins Wasser.

An Bord sind

Ulrike Jann (Chefin OK / Fahrtenleiter), Jürgen Werner, Julia Werner, Hendrik Ahrens, Steffen Deumlich, Mike Lang, Miriam Lehner, Tobias Illig, Karin Decker, Marcel Gerbaulet, Ingo Hermann, Anja Walbröhl, Andreas Stork, David Keenan, Christoph Hartung

Wir sind in Niederhausen. An der Nahe. Gleich hinter Bad Kreuznach. Uli hat das zweite Einer-Wochenende in diesem Jahr ausgerufen. Solche "Einer-Wochenenden" haben den Reiz - wenn man den oben beschriebenen Irrsinn mal ignoriert - dass es nicht darum geht, binnen 48 oder 72 Stunden mehrere Gig-Boote von A ins unterschiedlich weit entfernte B zu rudern, sondern nur darum, zu rudern - alleine, ohne Gebrülle, dafür manchmal mit einem Platsch.

Kameraden der Mainzer-Ruder-Gesellschaft beim Aufriggern der Skiffs

 

Warum man sich so was antut, wenn man doch nicht Olympia gewinnen will, wird nach den ersten Metern klar. Laaangsam vorrollen (mit über die Wasseroberfläche plitschenden Skulls). Einsetzen. Beine stemmen. Oberkörper straffen. Arme anziehen. Laaangsam vorrollen... Deswegen: Das Boot gleitet über die Nahe. Im Augenwinkel gleiten grüne Landschaften, neugierige Familien, die romantische Unberührtheit der Natur suchende Paare, paddelnde Kanuten, Schwäne vorbei.

Das Boot schwebt.

Der ungeübte Ruderer hat den ganzen Samstag mit der Kurve mitten im Parcours zu kämpfen. Mich treibt es mehrfach in die Botanik. Immerhin: Ich kann mich durch rückwärts Rudern befreien.

Ein weiterer Reiz solcher Einer-Wochenenden liegt darin, dass der unbedarfte Ruderer seinen Personal-Trainer bekommt - eine Zeitlang jedenfalls. Mein Gewackel hat Andreas aufmerksam gemacht, der an meine Seite rudert und zunächst einmal feststellt, ich säße ja "sehr verkrampft" auf meinen Rollsitz. Ich solle beim Durchziehen mal die Ellbogen nach außen drehen. Das ist neu. Ja, sagt Andreas, ihm sei schon häufiger zu Ohren gekommen, dass bei der MRG das Ellbogen-eng-am-Körper-führen gepflegt werde. Irgendwie habe ich den Eindruck, mit den nach außen geführten Ellbogen geht es etwas besser.

Andreas übrigens behandelt sein Skiff, als sei er darin zur Welt gekommen und habe es seither nie verlassen. Es gab da diesen Moment: Ich hatte gerade einen ordentlichen Rhythmus, kam vorwärts und war sehr konzentriert, als Andreas mit zwei Schlägen heran glitt und, mir plaudernd Tipps gebend, die Höhe hielt, während ich kämpfte, um den Rhythmus zu halten und nicht zu kentern. Natürlich fährt Andreas einen gelben Empacher-Flitzer und ich den schnucklig-brummigen „Blaubär“. Aber daran lag die unterschiedliche Eleganz unseres Ruderstils offenbar nicht. Im Laufe des Wochenendes zeigt Andreas uns den Sterbenden Schwan. Er steht einbeinig im Skiff und balanciert sich via Oberkörper und zweitem Bein aus. Einbeinig!

Die Boote
  • Blaubär
  • Balu
  • Thetis
  • Willi Wenz
  • Willi Roth
  • Aquarius
  • Sprotte
  • Delphin
  • Fritz
  • Salm
  • Seppl
  • Esperanza
  • Pepi (der Zweier für’s romantische Alibi)

Es ist ein Irrtum, zu glauben, solche Einerwochenenden könnten dann ja wohl nicht sonderlich gesellig sein. Wenn man doch die ganze Zeit allein vor sich hin rudernd verbrächte. Da gibt es ja noch die Pausen an Land.
Und es gibt den Abend am Schwenkgrill.
Und es gibt den Dornfelder der Familie Schweitzer...

Das Wetter war ausgezeichnet. Irgendjemand sagte, es habe nachts nach Gießkannenprinzip geschüttet. Tagsüber galt: Himmel blau. Sonne gelb. Wasser nass. Gras grün. Und Mike hatte sein Frisbee dabei.
Hendrik, Jürgen und die anderen richtigen Ruderer waren Sonntagmorgen gleich nach Sonnenaufgang wieder auf dem Wasser; der Durchschnittsruderer brachte es auf viereinhalb Einsätze im Boot.

Hartung im "Blaubär" auf der Nahe

Besonderen Reiz übte auf Manche der rosa Bomber aus, der dem hiesigen Verein gehört. Das "Pohlus Boot", wie es offiziell heißt, zeichnet sich dadurch aus, dass der Sitz kein Rollsitz ist, dafür sich die Ausleger vor und zurück bewegen. Tobias steigt nach zehn Minuten wieder aus ("nie wieder, ey!"), Miriam kämpft sich gegen die ungewohnte Technik durch, Andreas und Jürgen nutzen es - rückwärts rudernd - zum Frisbee spielen auf dem Wasser.

Was wir gelernt haben:

  • Hände auf gleicher Höhe
  • Gerade sitzen
  • Gleichmäßig ein- und aussetzen
  • Nicht verkrampfen
  • einfach mal rudern
  • zwei Einerwochenenden im Jahr sind wenig
  • wir sollten Fotos vom Hänger machen, der zeigt, wie 13 Skiffs richtig verteilt werden

und Hendrik legt Wert auf die Feststellung:

  • Wer die Gruppenreise früher verlässt, weil auf der Großen Bleiche zu Mainz die Fantastischen Vier aufspielen, sollte wenigstens sein Boot vorher abriggern.

Und ich habe Andreas versprochen, dass ich mir beim nächsten Mal von ihm erklären lasse, wie ich ins Skiff steige, a., ohne ins Wasser zu fallen und b., dies auch hinzubekommen, wenn ich nicht die Hintern-vom-Steg-ins-Boot-hiev-Technik anwende.

Andreas fasst den Reiz eines Einer-Wochenendes so zusammen: „Wo soll denn da der Spaß sein, wenn Du nicht einmal ins Wasser gefallen bist?“

August 2008

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