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Wanderfahrt auf Ems und Leda

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Im Schlick an der Ems

Zwischen Grünen Freunden,
braunem Schlick und hartem Wind

Doris Werner und Christoph Hartung über Rudern zu Pfingsten auf Ems und Leda mit Pirat und Start Set

Freitag, 4.00 Uhr, Treffpunkt Bootshaus. Ulrike ist die Erste. Und lange Zeit die Einzige! Wir kommen mit leichter Verspätung los. Todde am Steuer, die anderen schlafen im Fond.

9.00 Uhr: Das Bootshaus des Wassersportvereins Meppen liegt idyllisch und zentral mitten in der Stadt. Aussteigen, abladen, das Bedürfnis nach Kaffee ist groß. Kaffee und noch mehr Kaffee. Also kramen wir Kaffee und Kocher heraus und machen uns erstmal ans Kaffeekochen. So können wir uns beim Aufriggern weiter stärken.

Die Wanderfahrer: Thorsten Duin (FL), Hendrik Ahrens (SWLS), Frieder Borgmeier, Christoph Hartung, Ulrike Jann, Christoph Ostertag, Doris Werner, Julia Werner

10.30 Uhr, endlich auf dem Wasser. Bei Sonnenschein rudern wir Richtung Dörpen. Unterwegs machen wir Halt an der Schleuse von Hilter - hier ist uns ein sehenswerter Biergarten versprochen. Außerdem liege das Boothaus von Dörpen, so der FL, "gleich hinter der nächsten Schleuse". Jenes Bootshaus muss verlegt worden sein - um mehrere Kilometer. Das Bootshaus von Dörpen ist weitläufig - große Umkleideräume, eine Küche, die mit allem ausgestattet ist.

Gegen 22.45 Uhr stoßen Frieder und Christoph H. zu uns, die Freitags "noch arbeiten" müssen. Es kommt zum ersten feucht fröhlichen Willkommen mit dem Wanderfahrten-Dornfelder des Weingutes Schweitzer. Vor allem Christoph scheint sich darauf schon den ganzen Tag gefreut zu haben - in Nullkommanichts ist eine Flasche leer. Frieder zieht nach, als er erfährt, dass wir "morgen um halb sieben auf dem Wasser" sein müssen. "Wegen der Schleuse", sagt Thodde. Also fünf, halb sechs aufstehen. "Dafür könnt Ihr am Sonntag ausschlafen."

Frieder, misstrauisch geworden, fragt - halb in sein Dornfelder-Glas, halb zu Thodde hin gewandt, "Was genau heißt ausschlafen?" In seiner Sprechblase formen sich Blümchen wie beim dicklichen Koch in Asterix als Legionär. "Sieben Uhr", sagt der FL. Frieder: "Ungläubiges Staunen!" Thorsten: "Na gut... halb acht!"

Kurz nach Mitternacht liegen wir im ausgebauten Dachgeschoss, wo zwischen den Dachbalken auf dem Teppichboden Matratzen liegen.

Der Doppelvierer "Start Set" der MRG an der Schleuse bei DörpenSamstag, 14. Mai, 7.30 Uhr: Wat mut dat mut, also sitzen wir pünktlich im Boot auf dem Wasser und passieren mehrere Schleusen, um mit ablaufendem Wasser die Ems hinunterzufahren. Rund 40 Kilometer liegen vor uns bis Leer.

Der Gegenwind bremst uns auf dem ablaufenden Wasser. Das kostet uns am Nachmittag die entscheidende Stunde: Bei Kilometer 10 kippt die Tide und kommt uns so heftig entgegen, dass wir 500 Meter in 10 Minuten zurücklegen. Wir suchen uns eine Stelle am Ufer, wo wir ein Hausdach hinter dem Deich sehen. Das Ufer sieht schlickig aus - und ist es auch.

Es hilft kein Jammern, kein "Iihh-Gitt!" und kein "Eine-wunderbare-Schlammpackung"-Geschrei; die Boote müssen ans Ufer. Wir hieven sie auf das grasige Ufer. Im Hintergrund liegen Schafe auf dem Deich und mähen uns aus.

Pfingstsonntag, 15. Mai, 7.30 Uhr: Es regnet. "Bindfäden", sagt Ulrike mit gebrochenem Blick. Im morgentlichen Tran stolpern Thodde, Hendrik und Christoph H. nach unten und kochen erst mal Kaffee und ostfriesischen Tee.

Frieder steht, die Arme verschränkt am Fenster, und blickt regungslos aufs Wasser. Der Himmel wechselt von grau zu hellgrau zu dunkelgrau. "Gutes Wetter", murmelt Hendrik: "Wasser schön glatt, kein Wind." Frieder wendet sich vom nassgrauen Panoramablick auf die Baustelle am anderen Ufer ab und schüttelt den Kopf. "Und bei dem Wetter sollen wir dann heute Abend, völlig durchnässt, Zelte aufbauen? Vergesst es." Die Reaktion der ratlos Herumstehenden ist unauffälliges Aufatmen. Ein anderer hat es ausgesprochen - das Undenkbare! Und jetzt werden eine halbe Stunde immer wieder verlegen lachend Argumente gesponnen, warum es "völlig richtig" ist, die Reise hier in Leer abzubrechen. "Wir sind ja wirklich nicht mehr die Jüngsten!", "Das brauche ich nicht wirklich zum Glücklich werden!", "Wo ist denn eigentlich der FL?", will Julia wissen. Der Fahrtenleiter ist irgendwo im Haus unterwegs.

Beim Frühstück wird der Zustand der Wolken analysiert. "Rechts ist jetzt irgendwie heller, du." Drei Minuten später: "Jetzt ist eher links hell." "Dafür hat es rechts enorm abgedunkelt." Die beiden Barometer im Bootshaus zeigen "veränderlich".

Christoph O. steuert die drei Regeln für den Outdoor-Sport bei: "Es gibt kein schlechtes Wetter. Es gibt nur schlechte Kleidung. - Das meiste, was von oben kommt, geht eh vorbei. - Je weniger man an hat, desto weniger wird nass." Betretenes Grinsen am Tisch, an dem der Fahrtenabbruch kein Thema mehr ist. Also machen wir uns auf, um vor Ort nach dem Weiteren zu sehen, schließlich wollen wir ja im Grunde alle weiter.

Ein spezieller Gruß geht an den Präsidenten des RV Leer, Gert Ehlert, der uns nicht nur vor Ort in Leer sehr gastfreundlich aufgenommen hat. Er war auch wie selbstverständlich zur Stelle, als es darum ging, uns hin- und her zu chauffieren und eine Übernachtung zu organisieren, die nicht "verregneter Zeltplatz mit verregneten Klamotten in vom Regen durchnässten Zelten" bedeutete. Diese Gastfreundlichkeit ruft nach Revanche!

Der benachbarte Bauer steht schon bereit; um zuzusehen. Regenwasser hat sich im Boot gesammelt. Wir schöpfen Wasser - 20 Minuten, bis wir sie hochheben und umdrehen können. Bevor wir die Boote besteigen, versuchen wir den Schlick loszuwerden. Vergebens. "Wadentief waten wir im weichen Watt", dichtet Doris.

Und dann verziehen sich die Wolken.

Doris, Christoph, HendrikDa das Wasser tatsächlich abläuft, sind wir ruckzuck die vier Kilometer bis zur Ledamündung hintergerauscht. Wir müssen knapp eine Stunde warten, bis die Tide kippt, bevor wir hinauffahren können. Das auflaufende Wasser der Flut treibt uns wunderbar an. Nicht nur vom Wein beschleunigt fahren wir die Leda hinauf. Der Fluss ist eine ruhige, kurvige Angelegenheit. Rindviecher sind unsere Begleiter, die glotzend wenige Zentimeter vom Ufer entfernt stehen. Die Kühe sind mal schwarz, mal braun, mal schiebt sich auf Backbord ein Kirchturm durchs Panorama.

Plötzlich schält sich ein Brummen durch den auf- und abflauenden Wind. Zuerst denken wir, Hendrik ist - wahlweise - unzufrieden mit Geschwindigkeit oder Bootsstellung oder Nachschub seiner kleinen grünen Freunde. Es ist dann doch ein Rind, das uns einige Meter begleitet. Am Elisabethfehnkanal beenden wir glücklich und trocken diese Tagesetappe, die so nass und kühl begonnen hat.

Pfingstmontag, zu früh am Morgen: "Nur noch 15 Kilometer den Elisabethfehnkanal hinunter", sagt Thodde. Vier Schleusen stehen zwischen uns und dem Ziel der Reise. An der ersten müssen wir morgens um acht sein. "Ist ja fast wie Mittag", murmelt Frieder. Neben den vier Schleusen bietet der Elisabethfehnkanal zahlreiche Hubbrücken, unter denen ein Ruderboot durchkommt, wenn sich alle flach hinlegen. Größere Boote eher nicht.

Fehn: Alter Ausdruck für Moor

Und weil eine Brücke hinüber ist - "Kann'n paar Tage dauern", sagt der Schleusenwärter - schwingen sich die Jungs aus unseren Booten auf ein fest sitzendes Motorboot, damit es - durch das zusätzliche Gewicht tiefer gelegt - unter der nicht-hubenden Hub-Brücke durch passt. Ein kurzer Klarer für jeden ist ausreichender Lohn. Das Ende des Kanals und unserer Tour erkennen wir daran, dass unser Landdienst Hendrik mit Minna und Anhänger am Ufer steht und - "Was dauert das denn so lange?" - auf uns wartet.

Die Bilanz: Ostfriesland ist eine wunderschöne Gegend, die manchmal viel Wind macht. Und der RV Leer hat den längsten Steg, den wir kennen. Der RWLS ergänzt: "Die Fahrt leidet etwas unter dem Kleingedruckten!" Und dann macht er sich zischend noch einen kleinen grünen Freund auf. B-eck-ssss…

Mai 2005

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