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InhaltClaire liebt Leo. Und Leo liebt Claire. Seit zwei Jahren sind sie ein Paar und glücklich - meistens jedenfalls. Jetzt gerade eher nicht. Und weil sie gerade irgendwie nicht zueinander finden, reden sie mit dem Zuschauer.
Claire hat ständig Lust auf Sex, er wandert ebenso gern mit dem Kumpel in die Berge, sie repariert selbst das Fahrrad, ihm ist die Zeit dafür zu schade. Claire fühlt sich von Krankheiten bedroht und er weiß, wie er damit umgehen muss. Claire hat das Gefühl, Leo ist nicht richtig bei ihr, er sieht durch sie hindurch, vergisst sie, sobald sie ihm aus dem Blickwinkel gerät. Leo hingegen ist überfordert, er hätte gerne eine Claire-Gebrauchsanweisung... Was zu sagen wäreEs sind die Kinder der 68er, der Generation Joschka Fischer, die da vor der Kamera erzählen. Kinder jener Elterngeneration, die aus einer Liebesgeschichte eine "Beziehungskiste" gemacht haben, die man mit einem "Lebensabschnittsgefährten" verbringt. Kinder, die von ihren Eltern gelernt haben, das Leben bloß nicht so ernst zu nehmen, aber allem eine Bedeutung abzutrotzen. Jetzt sitzen diese Kinder in der Falle, die ihre Eltern geschaufelt haben und wissen vor lauter ironie-gebrochener Bedeutungssuche nicht mehr weiter. Und trennen sich. Und sind dann noch verzweifelter. Der Vergleich mit Woody Allens 70er/80er-Jahre-Filmen drängt sich auf, wenn die beiden sympathischen, leicht enurotischen, hysterischen, genervten Hauptdarsteller ihre Beziehungskiste vor uns ausbreiten. Der Stadtneurotiker lässt grüßen, wenn wir Zeuge eines unchronologisch erzählten, Patchwork-artigen Liebeslebens werden. Unglaublich komisch, unglaublich unglaublich. Meistens möchte man wahlweise Claire oder Leo schütteln, wie sie einen da hilflos von der Leinwand aus anblicken - wenn man nicht jedes Wort, jeden Begebenheit, die da erzählt wird, genau so auch erlebt hat. Oder zumindest so ähnlich.
Nach seinem wunderbaren Speed-Dating-Film "Shoppen" leiden Ralf Westhoffs Helden weiter unter Beziehungsstress, hören nicht auf ihr Bauchgefühl, sondern diskutieren - und das nicht zu knapp.Und in großartigen Dialogen. Westhoffs Drehbuch ist eine Fundgrube an Sprachwitz und erlebter Realität. Julia Koschitz ist als Claire hinreißend und Felix Hellmanns Leo ein großer Leidender. Seit zwei Jahren sind Claire (Julia Koschitz) und Leo (Felix Hellmann) zusammen. Sie lehnen an der Bar, spielen mit Salzstangen Mikado, dann stellt Claire die für Mittdreißiger-Paare entscheidende Frage: "Sind wir jetzt ein Paar oder haben wir eine Affäre?" Leo versucht - das ist seine Masche - den Ernst wegzuwitzeln: "Wenn ich jetzt sage, dass wir dieses 'Paar-Ding' machen, ändert sich dann irgendwas? Müssen wir dann schlechten Sex haben oder mehr oder weniger, oder sehen wir uns dann seltener, oder öfter?" Claire lacht, aber es geht ihr schlecht, sie fühlt sich vernachlässigt. Felix Hellmann gibt seinen Leo als einen jener Thirtysomethings, die sich zwar cool geben, denen aber jeder Eroberungselan abhandengekommen ist. Julia Koschitz zeigt Claire facettenreich als junge Frau, die gelernt hat, das liebenswerte Mädchen zu spielen, die aber im Grunde - wie Leo sich ausdrückt - eine "Powerfrau" ist. Claire weiß, was sie will, und es ist ihr ernst mit dem Paar-Sein. Einen festen Beruf, sowas wie eine Aussicht auf später, scheinen beide nicht zu haben. Claire arbeitet in einem Fahrradladen. Ihr Beruf? Leo ist ökologisch orientiert, liebt der Berge. Von einem Job ist nicht die Rede. Generation Aussichtslos. Wertung: 7 von 7 €uro |