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InhaltHartungs Vorbemerkung: Der Film kam 1981 in die Kinos, also 16 Jahre vor dem jahr, in dem die Handlung spielt.
Auch sonst hat sich die Lage im Land nicht zum Besseren entwickelt. Die USA liegen im atomaren Clinch mit China und der Sowjetunion. Alle Augen sind deshalb gerichtet auf eine Friedenskonferenz, auf der der Präsident der Vereinigten Staaten eine Friedensinitiative vorstellen will. Seine Air Force One überquert dabei den Luftraum Manhattans. Blöd, dass ausgerechnet an dieser Stelle Terroristen das Kommando an Bord übernehmen und die Maschine über Manhattan Island abstürzen lassen. Der Präsident entkommt dem Inferno in einer Rettungskapsel und sitzt nun irgendwo in den Gangsterterritorien des Mega-Gefängnisses fest. Glück für die meisten Beteiligten: Es soll ein neuer Insasse nach Manhattan gebracht werden, Snake Plissken. Der ehemalige Elitesoldat der US-Army hat eine Bank ausgeraubt. Es gab Tote. Nun kriegt er Lebenslänglich in der Hölle. Es sei denn ... es gelingt ihm, den Präsidenten mitsamt einer Audiokassette von der Insel zu holen, die Informationen zu einer neuartigen Energiequelle, der Kernfusion, enthält. Diese Cassette ist entscheidend für das Gelingen der Friedenskonferenz. Geht die Geschichte schief, wird es wohl zum Atomkrieg kommen. Plissken bleiben 22 Stunden Zeit. Ihm wurden bei der "Vorsorgeuntersuchung" explosive Miniaturkapseln in die Halsschlagadern eingepflanzt, die nach Ablauf dieser 22 Stunden detonieren sollen. Kommt er rechtzeitig - mit Präsident und Cassette zurück - können die Kapseln unschädlich gemacht werden. Plissken gelangt mit einem Segelflugzeug nach Manhattan und landet auf dem Dach des World Trade Centers.Mit der Hilfe eines Taxifahrers und dem in der ehemaligen New York Public Library lebenden Harold "Brain" Helman kämpft er sich durch die Stadt und gerät in die Fänge des "Duke". Der Duke ist der Boss der Bosse in Manhattan. An ihm führt kein Weg vorbei. auch nicht der des US-Präsidenten, den er sich als wimmernde Zielscheibe für Schießübungen in seinem Anwesen hält. Mit ihm als Geisel will der Duke Manhattan verlassen. Plissken stört da nur. also stellt er ihn in den Ring; Plissken soll sich in einem Kampf bewähren, bei dem es keine Regeln gibt. Sein Widerpart: Ein Zwei-Meter-Hühne mkit Nagelbewehrten Baseballschläger. Plisskens Zeit läuft ab ... Was zu sagen wäre
Der Film wurde ein Meilenstein des Kinos. Das Design futuristisch martialisch, die Klamotten Punk. "Escape from New York" bewegte sich in vielerlei Hinsicht auf der Höhe seiner Zeit. Manhattan in den späten Siebzigern war schmutzig, die Kriminalitätsrate hoch und entsprechend sieht Carpenters New York in vielen Straßen gar nichht so verändert aus gegenüber dem damaligen Original. Höchste Auszeichnung: Die New Yorkerreagierten beleidigt und waren stinksauer auf den Film. Wieder hatte Carenter die Musik selbst komponiert und traf mit seinem Electro-Techno wieder den Nerv der Zeit. Und die über dem ganzen Film schwebende Angst vor der atomaren Auslöschung war Anfang der 1980er Jahre eine durchaus reale Vorstellung - der Kalte Krieg brodelte vor sich hin. Snake Plisskens Augenklappe wurde zum Must-Have der Saison auf den Partys der Schönen und Reichen; nur, warum der Film im Deutschen "Die Klapperschlange" heißt, wurde nie klar. Die Schlange, die sich Plissken auf seinen Arm tätowiert hat, ist ein eindeutig eine Kobra. Die kargen, kühlen Ein-Satz-Dialoge ("Snake Plissken ..! Ich habe schon von Dir gehört. Aber ich hörte, Du wärst tot!"), Gladiatorenkämpfe, die großartige Montage und die kalten Bilder machten den Film außerdem zum perfekten Gegenentwurf zu den gefühligen Zukunftsvisionen, derer sich das Science-Fiction-Genre bemächtigt hatte - Logan's Run etwa, oder "Silent Running" (Douglas Trumbull USA 1972), aber Star Wars, E.T. - Der Außerirdische und natürlich Unheimliche Begegnung der Dritten Art. Und schließlich, von wegen "Nerv getroffen": Ende der 1980er Jahre eröffnete Bolivien eine Art Manhattan-Island-Gefängnis in klein: Die Siedlung "Palmasola" ist ringsum mit einer doppelten Mauer und Stacheldraht abgeriegelt und wird von außen bewacht. Bewohnt wird sie von verurteilten Verbrechern und Untersuchungshäftlingen, manche davon zusammen mit ihren Familien. Der Spiegel hat mal über sie berichtet. Die Klapperschlange legte den Grundstein für Kurt Russels zweite, die Actionkarriere, die aber nicht von Dauer war. Hätte George Lucas ihn genommen, wäre das vielleicht anders verlaufen: Bei ihm sprach Russell für die Rolle des Weltraumschmugglers Han Solo in Star Wars vor. Harrison Ford bekam den Part schließlich und Russell machte sein Glück mit Augenklappe in der Klapperschlange. Carpenter und Russell kannten skich gut. Russell hatte in Carpenters TV-Biopic "Elvis" den King gespielt. Nach der Klapperschlange folgten mit Carpenter Das Ding aus einer anderen Welt (USA 1982), "Big Trouble in Little China" (USA 1986)und eine Fortsetzung der Klapperschlange. Russells vergleichsweise kurze Actionkarriere fand noch Stationen an der Seite von Sylvester Stallone inAndrei Kontschalowskis "Tango & Cash" (1989). In den 90ern versuchte er ein Comeback und tauchte durchaus erfolgreich auf in Filmen wie Ron Howards "Backdraft - Männer die durchs Feuer gehen" (USA 1991) oder Roland Emmerichs Kino-Original "Stargate" (USA 1994). Später holte ihn auch Wolfgang Petersen vor die Kamera von Poseidon (USA 2006) zurück. 1996 drehte Carpenter eine Art Fortsetzung, die aussah, wie eine schlechte Neuverfilmung des Stoffs. In "Escape from L.A.", die fünfte Zusammenarbeit mit Kurt Russell, ist Los Angeles ein Riesenknast und Snake Plissken muss die Tochter des Präsidenten retten, die sich im L.A.-Knast mit einem Terroristen verbündet hat. Kurt Russell hatte produziert, 43 Millionen Dollar mehr ausgegeben und versenkt. Ein furchtbarer Film. Man mutmaßte, Carpenter habe vielleicht das Geld benötigt, oder habe sich nach dem längst verblassten Ruhm gesehnt, der nach der Klapperschlange und dem Ding aus einer anderen Welt schnell verblasste. Wertung: 10 von 10 D-Mark |