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InhaltDom Cobb ist ein Dieb. Er klaut Geheimnisse. Direkt aus dem Kopf des Opfers, aus den Tiefen des Unterbewusstseins, wenn der Verstand am verwundbarsten ist - während der Traumphase. Das also ist Cobbs Job. Ein Dieb im Traum. Eingesetzt für Industriespionage. Cobb ist berühmt und begehrt - im krimenellen Gehege. Der Pferdefuß? Er wird auf der ganzen Welt gesucht und hat alles verloren, was er liebte. Jetzt bietet sich ihm die Chance zur Rettung: Ein letzter Auftrag könnte ihm zu seinem alten Leben zurück verhelfen. Er soll seine Technik "umdrehen". Statt etwas aus dem Unterbewussten zu stehlen, soll er eine Idee dorthin schmuggeln. Ein gewisser Saito will einen Konkurrenten ausschalten, indem dieser Konkurrent sein eigenes Unternehmen aufspaltet, filettiert und dadurch vernichtet. Nun kann man eine Idee nicht einfach einpflanzen; der einzige Versuch bislang zeitigte, wie sich später herausstellte, katastrophale Folgen. Cobb sucht sich ein Team aus Spezialisten. Zentrale Figur ist die junge Architekturstudentin Ariadne, die die für diesen "Inception" genannten Vorgang perfekte Traumwelten bauen muss - wohlgemerkt: Welten. Cobb und sin Team müssen durch mehrere Level - Traumschichten - um die Ursprungsidee am Ursprung einzupflanzen. Sie müssen in den geträumten Traum eines Traums in einem Traum. Soweit, so kompliziert. Komplizierter wird alles durch Mal, Cobbs Frau, die einst in geistiger Verwirrung vom Fenstersims in den Tod sprang. Sie geistert durch Cobbs Träume und folgt ihm in die Träume Anderer. Und sabotiert seine Arbeit. Wenn er seinen Job erledigt, wird sein Strafregister aus allen Computern der Welt gelöscht. Um also endlich seine Kinder im fernen, unerreichbaren Amerika wiederzusehen, muss er ein geträumten Träumen eine Idee pflanzen, seine geliebte Frau ausschalten und heil zurück kommen ...
Was zu sagen wäreEine Wuchtbrumme von Film, der am Ende die Luft ausgeht. Dass Christopher Nolan zu den besten Regisseuren der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts gehört, beweist sich darin, dass der Zuschauer - sofern er nicht unablässig aufs Klo rennt, neue Cola besorgt oder laut raschelnd in seinem Popcorneimer wühlt - in den verschiedenen, aufeinanderaufbauenden Traumwelten den Faden nicht verliert. Nolan greift dabei auf die sonst gern genommen Farbvariationen - Traumwelt 1 bläulich, Traumwelt 2 rötlich, Traumwelt 5 grau in grau; Nolan definiert einfach klar umrissene Schauplätze. Er liefert Szenen, die unterstreichen, was Kino vom Flatscreen-Event auf dem heimischen Sofa unterscheidet: Große Bilder! Seine Traumwelten sind ... besonders. Natürlich sind das Bilder, die größtenteils im Computer entstanden sind. Aber in diesem Fall ist das nicht schlimm. Ähnlich, wie James Cameron in Avatar nutzt Nolan die Computertechnik, seine Imagination zeigen zu können. Sie ist das fantastische.
Von einem Sommerblockbuster, an dem die halbe A-Klasse der Filmindustrie beteiligt ist, erwarte ich aber mehr Neues. Noch dazu, wenn ein Mann auf dem Regiestuhl sitzt, der mit Memento bewiesen hat, dass er ohne zu zucken Erzählregeln bricht, um was auszuprobieren und der damit auch noch erfolgreich ist, der in "Prestige" seinen langen Atem gezeigt hat, mit dem er Schachtelstorys entwickeln kann und der mit BATMAN begins und dessen Nachfolger "The Dark Knight" schließlich sein feines Gespür für das Besondere in Multimillionen-Dollar-Blockbustern vorgeführt hat. Bei so einem Stab sind die Erwartungen hoch, da reicht nicht der Aufguss. Als Leitmotiv schwebt Edith Piafs Chanson "Je ne regrette rien" durch den Film. Der passt so überhaupt nicht. Es sei denn, das "Ich bereue nichts" soll so eine Art motivische Untermalung der Hauptfigur Dom Cobb sein, der zwar seine Fehler einsieht (er klaut), sich dieser Fehler aber nicht schämt. Ist aber sehr weit ergeholt. Wahrscheinlicher ist, dass das als Hommage an Marion Cotillard verstanden werden muss, die für die Edith-Piaf-Rolle (in "La vie en rose", 2007) den Oscar erhielt und hier die verstorbene Frau von Leonardo DiCaprios Dom Cobb spielt. Intoniert wird der Chanson, um die professionell Träumenden schnell aus ihrem Traum holen zu können. Das hätte genausogut "Wake up and make Love with me" erfüllen können - oder jeder andere Song. Der Film liefert also Augenfutter en masse. Inception macht deutlich, wie überflüssig die grassierende 3D-Welle ist. Wally Pfisters Kamera schafft Bilder, die auch ohne Brille dreidimensional sind.
Und dann ist der Film plötzlich vorbei, hat über eine Stunde seine komplizierte Technologie erklärt, sein Personal eingeführt und die Herausforderung formuliert, dann beginnt die Prüfung, ob der Zuschauer auch gut aufgepasst hat und also den Faden behält, dann gibt's ordentlich Action - und dann den Abspann. Dazwischen klebt eine Story-Auflösung die so billig konstruiert wirkt, als hätten die Studiiochefs mit dem 190-Millionen-Dollar-(more or less)Vehikel kalte Füße bekommen und alles umgeschnitten. Oder will mir allen Ernstes einer erzählen, dass ein Filmautor vom Kaliber Christopher Nolan, der sich gern filmisch in die Hirne anderer Leute eingeklinkt hat, in seinem teuersten Film aus der Idee, Träume zu bestehlen und Gedanken zu verpflanzen, nicht mehr herausholen kann, als eine simple Schuldbeladener-Daddy-will-heim-zu-seinen-Kids-Story? Das kann ich nicht glauben! Ich freue mich auf den Director's Cut mit ausführlichen Erklärungen auf DVD. Wertung: 5 von 7 €uro |