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Harry Potter und der Halbblutprinz

Plakat Harry Potter & der Halbblutprinz

der Zauberlehrling degeneriert
zum Faktor der Buchhalter

Titel Harry Potter und der Halbblutprinz
(Harry Potter and the Half-Blood-Prince)
Drehbuch Steve Kloves nach dem Roman von J.K. Rowling
Regie David Yates, GB / USA 2009
Darsteller

Daniel Radcliffe, Rupert Grint, Emma Watson, Jim Broadbent, Elarica Gallacher, Robbie Coltrane, Michael Gambon, Maggie Smith, Alan Rickman, Bonnie Wright, James Phelps, Oliver Phelps, Julie Walters, Mark Williams, David Thewlis u.a.

Genre Fantasy
Filmlänge 153 Minuten

Inhalt

In der Zauberschule Hogwarts beginnt ein rauer Wind zu wehen - und Meisterschüler Harry hat eine dunkle Vorahnung: Ob die Gefahr tatsächlich in den Mauern der Burg lauert?

Plötzlich kommt auch die Liebe ins Spiel. Harrys Herz hat Feuer gefangen. Ebenso wie Hermine und wie Ron. Dass Ron dabei Augen für eine ganz andere hat, passt Hermine n icht und so bricht sich die Eifersucht Bahn.

Ungeachtet dieses Geplänkels gerät Harry an die Aufzeichnungen eines außergewöhnlich begabten Schülers, der sich selbst als "Halbblutprinz" bezeichnet. Die Aufzeichnungen helfen Harry durch das Schuljahr, werden von seinen Freunden aber argwöhnisch beäugt.

Und der, dessen name niht genannt werden darf? Er hat sich Harrys Mitschüler Draco Malfoys bemächtigt. Und der versteht jetzt überhaupt keinen Spaß mehr und holt unbemerkt das Böse in die hermetisch verriegelten Mauern von Hogwarts...

Was zu sagen wäre

Harry Potter MotivplakatVerlegungen von Filmstart-Terminen sind gang und gäbe. Und so kursierten nach der Harry-Potter-Verlegung von Herbst 2008 in den Sommer 2009 auch nur die üblichen Gerüchte, wonach der Film nicht gut genug sei und Nachbearbeitung brauche. Das war so richtig, wie es falsch war. "Harry Potter und der Halbblutprinz" ist in der Tat nicht gut. Das ahnten aber alle schon vorher, schließlich saß der TV-Movie-Experte David Yates wieder auf dem Regiestuhl.
Nein, die Bilanzen der Produktionsfirma Warner Bros. sollen für die Startverschiebung verantwortlich sein.

Im Sommer 2008 stand "BATMAN - The Dark Knight" in den Startlöchern zu seinem Milliarden-Dollar-Einspiel. Danach noch "Harry Potter VI" zu starten - wie BATMAN aus dem Hause Warner Bros. - wäre unrentabel gewesen, geht die plausibelste Mär über die Controller in Hollywood. Die Traumbilanz, die das Studio 2008 mit beiden Filmen zusammen erzielt hätte, wäre auf viele Jahre nicht wiederholbar gewesen und hätte automatisch die Bilanz 2009 verhagelt. Also verschob man Potter um acht Monate. Und nahm sich auch sonst viele Freiheiten.

Das Drehbuch klebt nicht mehr an der Vorlage. Statt, wie im Buch, die ganze Komplexität des aufziehenden Gewitters in Dialogform aufzudröseln, geht der Film gleich in die Vollen und zerstört touristische Sehenswürdigkeiten in London. Das wirkt in einem angekündigten Blockbuster auf den ersten Blick zwingend - auch die Roboter im neuen Transformers-Film hatten unlängst nach fünf Filmminuten schon halb Schanghai auseinandergenommen.

Hermine Granger MotivplakatAber während die Testosteron-Metallbolzen dann ihre Zerstörungsorgie einfach zwei Stunden lang fortsetzen, muss "der Halbblutprinz" noch eine Story unterbringen, die der Fan des Buchs ja auch noch erwartet. 650 Seiten ist die Vorlage dick, 153 Minuten der Film lang. Das kann nicht funktionieren und funktioniert auch nicht. Wenn es gerade nicht crash-boom-bangt, setzt Regisseur Yates auf der Cinemascope-Leinwand eine gediegene TV-Ästhetik in Szene, in der die pubertierenden Helden sich augenklimpernd anschmachten und den Zauberstab erheben. "Harry Potter und der Halbblutprinz" ist eine Bestsellerverfilmung, die ohne filmische Inspiration irgendwie versucht, das wiederzugeben, was die Buchvorlage vorgibt. Das ist nichts, über das man sich erregen müsste.

Diese teuren Kinovehikel sind ja deswegen so teuer, weil sie der vornehmlich juvenilen Zielgruppe ordentlich Augenfutter bieten müssen - knallige Effekte und saubere Filmtechnik - und nicht unbedingt ausgefeilte Figuren in einer nachvollziehbaren Handlung. David Yates war schon mit Harry Potter und der Orden des Phoenix an der Komplexität der Ereignisse gescheitert; der Film war schwerfällig und trotzdem ein gutes Geschäft. Und darum geht es ja schließlich. Dass Potter-Erfinderin Joanne K. Rowling immer noch mit strengem Blick über die inhaltliche Qualität der Verfilmungen wache, mag sein und ist in jedem Fall eine gute Marketinggeschichte. Aber am Ende der Verwertungskette zählen die Controller das Geld in der Kasse - vor allem in Tagen wie diesen, in denen weltweit die Wirtschaft knirscht.

Nicht zuletzt deshalb haben die Produzenten auch beschlossen, den siebten und letzten Potter-Roman in zwei Teilen zu verfilmen. Das macht es nicht nur auch einem mittelmäßigen Regisseur möglich, jede einzelne der 767 Seiten "Heiligtümer des Todes" im Film unterzubringen. Das lässt auch die Kassen doppelt klingeln.

Außerdem kommen beide Teile 2010 und 2011 natürlich auch als 3-D-Kopie auf den Markt. 3-D ist momentan total in bei Produzenten: Es ist für einen geringen Aufpreis gegenüber der Normalkopie herzustellen, bringt aber an der Kasse bis zu 50 Prozent mehr je verkauftem Ticket.

Wenn das nicht an Zauberei grenzt ...

Wertung: 2 von 6 €uro

Die Harry Potter-Filme

Der Stein der Weisen
Die Kammer des Schreckens
Der Gefangene von Askaban
Der Feuerkelch
Der Orden des Phönix
Der Halbblutprinz
Die Heiligtümer des Todes, Teil 1
Die Heiligtümer des Todes, Teil 2


Die Romanvorlage
Harry Potter und der Halbblutprinz